"...und noch mehr Lebensfragen. Zu den Antworten gehört die zunächst triviale Erkenntis, daß es keine Rückkehr gibt, weil niemals der Wiedereintritt in einen Raum auch ein Wiedergewinn der verlorenen Zeit ist."
Diese Worte von Jean Améry sind dem Lyrikband "Wo ich sterbe ist meine Fremde" vorangestellt und bilden im Grunde den Rahmen für die folgenden über 70 Gedichte des Persers SAID.
SAID, musste den Iran auf der Flucht vor dem Schah verlassen und hatte in der kurzen Übergangszeit zwischen der Vertreibung des Schahs und der Regierungsübernahme durch Ayatollah Chomeini die Gelegenheit, eine kurze Reise in seine Heimat Teheran zu unternehmen. Dort wird für ihn Amérys Wort wahr, dass es aus dem Exil kein Zurück mehr gibt, dass der Begriff "Heimat", wie im Titel des Bandes deutlich wird, durch den Begriff "Fremde" vollständig ersetzt zu sein scheint.
In den meist sehr kurzen Gedichten werden an oft sehr genauen Beobachtungen des Alltäglichen die verschiedenen, ziemlich beklemmenden Erfahrungen bei der Rückkehr in die vermeintliche "Heimat" ausgeführt. Der Band beginnt mit dem Antritt der "Heimkehr" ("Ich und das Flugzeug" ... "Noch nie war ein Vogel so langsam wie dieser"), den ersten Gehversuchen, dreifachem "Empfang" (Soldat, Paßkontrolle, Zollkontrolle), Beobachtungen in der Stadt ("Wie gütig/ die Passanten sind-/ sie sprechen Persisch!") und handelt von immer neuen persönlichen Eindrücken, Ängsten, Sehnsüchten ("Vergeblich suche ich/ den ganzen Tag.")
Der gesamte Band folgt dieser Chronologie der versuchten Rückkehr nach langer Abwesenheit und ist somit sehr schön zu lesen. SAID steht in seiner Thematik in einer mehrfachen und deutlich erkennbaren literarischen Tradition von Exillyrik: der Blick auf das eigene Land von außen, Heimat als Utopie, missglückte Rückkehr, Heimatverlust.
Bis heute lebt SAID im deutschen Exil, da ihm die Möglichkeit zu einem Neuanfang im Iran noch verwehrt zu sein scheint. Er hat verschiedene Preise erhalten und ist 2000 Präsident des PEN-Zentrums Deutschland.