Und Menschen schauten aus den seitlichen Luken heraus in eine fremde und abenteuerliche Welt. So erscheinen die ersten Bilder dieses herrlichen Bandes von Heinrich Harrer über das Königreich Bhutan.
Und allein schon der Titel "Denk ich an Buthan", sorgsam gewählt, fast poetisch, so auch der gesamte Eindruck, den dieses Werk hinterläßt.
Heinrich Harrer ist von uns gegangen, man hört, in innerlicher Ruhe und das erstaunt nicht.
Wir feiern heuer das Gedenken Mozarts und in dessen einem Briefe an seinen Vater Leopold kommt irgendwo zum Ausdruck, daß er den Tod als Bruder erwartet. So auch hier, wie mir scheint.
Nun zum Buch selbst.
Von ausgesuchter Schönheit Aufmachung und Inhaltsgestaltung. Vorneweg gleich einmal gewaltiges Bergmassiv und dann die suchend blickenden Gesichter, wie eingangs erwähnt, dann ein vielfarbiges Gebilde, das an exotisches Naschgebäck erinnert, wieder ein Blick in ein tempelähnliches Holzgebäude von maroder Schönheit mit kindlichen Mönchlein im trauten Eck. Bemaltes Holz, gekonnte Zimmermannsarbeit und aufgereiht davor 16 Blumentöpfe in wunderlichen und seltsamen Gefäßen.
Dann aber geht es in eine Abfolge atemberaubender Bilder und wir lesen etwas vom Königreich Bhutan, dem aus dem Lotos geborenen kostbaren Lehrer, vom mystischen Poeten Milarepa, von Eremiten und irgendwann erscheint mein Lieblingsbild von fröhlichen Kindern, die spielerisch einen Gebetszylinder von unglaublich farblicher Schönheit bewegen.
Die Mantras werden bewegt, Gebetsfahnen schweben in der Luft, Schutz-und Segenszeichen werden gezeigt, der Mensch in Verbindung zum Kosmos, eine heilige Zahl und das Lebensrad aufrichtig und mit Würde uns nahebebracht.
Wie überhaupt dieses Buch mit einem heiligen Schauder, voller Ehrfurcht vor der Natur und den Wesen in ihr beleuchtet werden.
Wer aber denkt, daß es nur Heiliges und Ehrfurchtgebietendes gibt in diesem wunderbaren Land, der wird nun hineingeführt in die Wirklichkeit, wo westliche Zivilisation noch in Keimen erst, fast garnicht zu spüren ist, aber Phalluskultgegenstände, Chilischoten als Essensbeigabe, Bogenschießen, heiße Quellen und deren Nutzung, Papiermachen und heilige Bücher wohl eine Rolle spielen.
Doch halt! Auf der Straße der Leiden zu sehen das harte Leben der indischen Arbeiter.
Können, so fragen wir vielleicht, Masken, seltsame und prächtige Uniformen, Heilkräuter, wundersame Blumen, noch lebende Bären (die auch und natürlich Menschen anfallen), gefeierte Feste, das Gedächtnis an ehemalige Siege, wie auf dem Lotospass dereinst, können Götter, die keine Launen kennen dieses herrliche Land vor dem bewahren, was wir Modernität nennen?
Ich bezweifle es etwas und dehalb, allein deshalb ist dieses herrliche und augenöffnende Werk Heinrich Harrers über ein uns verwunschen scheinendes Land so wertvoll und wichtig.
Kaufen und in Entzückung verfallen!