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Das Russland des Jahres 2068 befindet sich fest in chinesischer Hand. Einigen Wissenschaftlern ist es gelungen, in streng geheimen Experimenten berühmte russische Schriftsteller zu klonen, darunter auch Tolstoi und Dostojewski. Aus ihren Körpern soll in einem besonderen Verfahren himmelblauer Speck produziert werden -- eine begehrte Substanz, die den Gesetzen der Thermodynamik trotzt und unter anderem beim Bau von Atomkraftwerken auf dem Mond Verwendung findet.
Eine radikale religiöse Sekte bringt den Speck jedoch in ihre Gewalt und schickt ihn mittels einer Zeitmaschine zurück in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Er landet in einer alternativen Vergangenheit, in der die UdSSR und Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben und nun gemeinsam über den Rest der Welt herrschen. Hier fällt der Speck Stalin in die Hände, der darin sogleich eine Möglichkeit zur Ausweitung seiner Macht wittert. Er bricht nach Deutschland auf, zu seinem Freund und Verbündeten Adolf Hitler, um sich mit ihm über das Ding aus der Zukunft zu beraten.
Der himmelblaue Speck ist eine skurrile Zeitreise quer durch die europäische Geschichte. In einem Kaleidoskop der verschiedensten Erzählkonventionen macht Vladimir Sorokin weder vor Genre- noch vor Tabugrenzen Halt -- ein Grund, warum der Roman nach seinem Erscheinen in Russland auf heftige Kritik stieß. Mit seiner überspannten und parodistischen Erzählweise wirft er den Leser immer dann ins kalte Wasser, wenn dieser es am wenigsten vermutet und zwingt ihn, sich von herkömmlichen Leseerwartungen zu lösen.
Hinter der Maske klassischer Science Fiction-Elemente und unverschämter Absurdität verbirgt Sorokins jedoch beißende Gesellschaftskritik, die sich vor allem gegen die Form der Geschichtsaufarbeitung in Russland und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg richtet. So wird Der himmelblaue Speck zugleich Vision einer nahen Zukunft und einer möglichen Vergangenheit, die nur allzu realistisch erscheint und das Selbstverständnis der Gegenwart in Frage stellt. Sorokins Sinn für das Groteske machen den Roman zu einer provokanten und doch vergnüglichen Satire, die zum Nachdenken anregt. --Sara Schade
Perlentaucher.de
Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 09.09.2000
Diesmal, so die Rezensentin Schamma Schahadat, treibt Sorokin sein Schreibverfahren auf die Spitze: "Er wird zu seinem eigenen Klon". Stalin (der mit Chruschtschow schläft), Achmatova, Hitler (der mit Stalins Tochter schläft) treten auf, als Geklonte, in einem Text, der frühere Sorokin-Texte klont, alles aber zugleich ins bloß Ähnliche verschiebt. Dabei sei Sorokin "phantastisch und grotesk, witzig und obszön" wie stets, betreibe die gewohnten Sprachmischungen, häcksle Zeit und Raum, dass jede "Zielgerichtetheit zunichte" wird. Nur die Frage, was es mit dem himmelblauen Speck auf sich hat, der zum Objekt der Begierde aller Handelnden wird, lässt die Rezensentin wortreich unbeantwortet.
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