Die Lebensläufe amerikanischer Motivations-Gurus ähneln sich in verblüffender Weise. Meistens endet ihr gewöhnliches Berufsleben mit einer Pleite. Dann, ganz unten angekommen, lesen sie viele Motivationsbücher, um aus ihrer Lebenskrise zu entkommen. Und schließlich werden sie selber zum Motivator, weil ihnen nichts Besseres eingefallen ist. Wenn wir also nun selbst in eine Lebenskrise geraten, lesen wir wiederum ihre Bücher. Irgendwann werden wir uns schließlich alle gegenseitig motivieren. Das nennt man dann Dienstleistungsgesellschaft. Glücklicherweise fällt Larrys Buch völlig aus dem Rahmen. Es vermittelt gefühlte Ehrlichkeit, offenbart einen Teil der Seele des Autors. Wer nicht versteht, was ich meine, der denke an die berühmte "Ich-habe-fertig-Rede" oder Völlers Ausbruch vor laufender Kamera ("Ich kann diesen Scheiss nicht mehr hören!"), für den er sich im Land der politischen Korrektheiten natürlich sofort entschuldigen musste. Haben wir nicht alle gespürt, dass das echt ist? Und vielleicht waren wir auch ein wenig neidisch, dass die sich das getraut hatten. Muss das nicht unglaublich befreiend für beide gewesen sein? Larry schreibt genau in diesem Stil. In Kapitel 15 (Beziehungen - Freundschaft, Ehe und sonstiges Unheil) steht der Satz: "Persönliche Zufriedenheit kommt nur, wenn man sich über die Notwendigkeit der Zustimmung durch andere erhebt." Da ihm also völlig egal ist, was wir über ihn denken, kann er auch frei von der Leber weg schreiben. Da kommen dann solche Sätze wie: "Die Welt besteht nicht wirklich aus denen, die etwas haben, und denen, die nichts haben. Sie besteht aus denen, die "willens" sind, und denen, die "nicht willens" sind." Es folgen noch viele andere politisch unkorrekte Wahrheiten. Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die glauben, dass sie es von der Sache her brauchen könnten, aber auch allen, die (wie ich) solche Bücher nicht besonders mögen. Obwohl ich wusste, dass es Menschen geben muss, die so denken, ist es dann doch eine Freude, wenn man es aufgeschrieben lesen kann und sich danach bestärkt fühlt. Ich bin mir sicher, dass es bei fast allen, die es lesen, an irgendeiner Stelle wenigstens zu einem kleinen Ruck kommt. Wer allerdings glaubt, die perfekte Anleitung für ein Krisenmanagement zu finden, der wird enttäuscht sein. Larry Winget ist der Meinung, dass wir uns eigentlich nur selbst helfen können. Aber dazu brauchen wir erst einmal Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Und genau dort setzt er an.