Dieses Buch hat sicherlich für denjenigen, der diese Unternehmen entdeckt, etwas Faszinierendes. Nur muss man der Fairness wegen sagen: die Erkenntnisse des Autors zum Phänomen „Hidden Champions" sind weder neu, noch stellen sie ein Patentrezept für jedes Unternehmen dar. Die meisten Unternehmen, um die es hier geht, sind Technologie-Unternehmen, die im Business-To-Business-Bereich agieren, nicht selten in der Zulieferindustrie. Der B-To-B-Bereich hat eigene Gesetze, birgt spezifische Risiken und erfordert bestimmte Management-Techniken. Die Kunden von Zulieferern sind hochspezialisierte Fachleute aus anderen Technologie-Unternehmen, die ganz anders einkaufen als der Endverbraucher, weshalb ganz anders mit ihnen umzugehen ist. „Hidden Champions" haben auch eine begrenzte Anzahl von Kunden. Dies bedingt eine sehr starke und risikoreiche Abhängigkeit von diesen Kunden aus. Geht beispielsweise ein einziger aber wichtiger Kunde in Konkurs, folgt ihm nicht selten das Unternehmen. Es versteht sich von selbst, dass das kleine Unternehmen durch starke persönliche Kundenbindung und Konzentration auf die Kundenbedürfnisse um den Erfolg des Kunden bemüht ist. Nur so kann es selber weiterbestehen. Eine solche Konzentration ist auch einfach, wenn die Kunden bekannt und nicht zahlreich sind. Permanente Innovation gehört zum Geschäft, weil eine neue Technologie eines Mitbewerbers ein Unternehmen aus dem Markt werfen kann. Der Verlust eines einzigen Kunden ist von so existenzieller Bedeutung, dass man seine Position mit allen Mitteln verteidigen muss. Ferner ist das Unternehmen dazu gezwungen, seine Kundschaft durch ein Auslandsengagement zu vergrössern und zu diversifizieren, um dieses Risiko zu reduzieren. Ein letzter Punkt: die „Diskretion" dieser Unternehmen ergibt sich einfach aus der Spezifik ihrer Aktivität. Mit einem übersichtlichen Markt und persönlichen Beziehungen zu meinen 30 Kunden weltweit kann (und muss) ich gezielt werben und brauche deshalb keine kostspielige Medien-Werbung. B-To-B-Unternehmen werben auf Fachmessen und in der Fachpresse, weil sie damit ihre Kunden besser erreichen, und nicht weil sie diskret bleiben wollen. Die Endverbraucher kennen sie nicht, die Fachwelt aber schon. Also „hidden" Champions? Dies ist umso klarer, als diejenigen „Hidden Champions", die nicht im B-To-B-Bereich, sondern auf dem Endverbrauchermarkt agieren, weniger „diskret" sind. Wer in Deutschland kennt Haribo nicht? Ist Haribo denn wirklich „hidden"? Und Webasto wirbt auch im Fernsehen für seine Standheizung. Also: Diskretion, Konzentration, Auslandeinsatz, Kundennähe, permanente Innovation ergeben sich selbstverständlich aus der Spezifik der Tätigkeit und aus dem viel schärferen Bewusstsein des unternehmerischen Risikos, das hier herrscht. Dieses Bewusstsein und die entsprechenden Verhaltensweisen zeitigen mit der Zeit natürlich eine gewisse Unternehmenskultur: Überlebenskampf als tägliches Geschäft.