In diesem wunderschönen Band sind David Herbert Lawrences, Verfasser des damals als skandalträchtig angesehenen Romans "Lady Chatterly", schönste Liebesgeschichten versammelt. Wer sich allerdings von dieser Beschreibung blenden lässt, wird enttäuscht sein: "Du hast mich angefasst" beinhaltet nämlich keineswegs rosarote und unkomplizierte Stücke mit Happy End á la Rosamunde Pilcher und Konsorten (wer aber bereits Werke von Lawrence gelesen hat, wird dies auch nicht ernstlich erwarten), sondern bittersüße, melancholische und schwermütige Geschichten über Männer und Frauen, die sich nach einer wahren und ehrlichen Liebe sehnen, nach sexueller Befriedigung, Verständnis und menschlicher Wärme - die Dinge, die wir uns alle eigentlich wünschen. Aber wie oft wird man enttäuscht und wie bitter und grausam kommt einem das Leben für lange Zeit dann oft vor - dass man zwar gekämpft, aber trotzdem verloren hat... Lawrence beschreibt wie kein Zweiter diese Gefühle. "Schatten im Rosengarten" handelt beispielsweise von der Geschichte eines jungverheirateten Paares. Die Alltagsszenen der jungen Ehe bekommen durch die Tatsache, dass der Mann nie wirklich in der Lage sein wird, das Herz seiner Frau zu gewinnen, weil sie einen anderen liebt, einen tragischen und wütenden Anstrich. In "Sonne" wird die körperliche und seelische Entwicklung und der daraus resultierende innere Kampf einer Frau erzählt, die gezwungen ist, ihre Libido zu unterdrücken - aus echten oder vorgeschobenen Gründen - und zurück bleibt nichts als die resignierte und desillusionierte Erkenntnis, dass sich nichts in ihrem Leben ändern kann und wird... Am besten gefällt mir persönlich "Verliebt". Lawrence schreibt hier amüsant und anrührend zugleich von zwei Menschen die nicht ineinander verliebt sind, sich aber trotzdem lieben... Bevor aber beide diese Tatsache erkennen, müssen erstmal widerstreitende Gefühle und zeitweilig sogar echter Hass und Abscheu überwunden werden. Lawrence schafft das, was nur wenige Schriftsteller schaffen: Er schreibt über große Gefühle, Liebe und Hass, über Sex, wird aber niemals kitschig, obszön oder laut. Warmherzig und genau beschreibt er seine Protagonisten, Menschen, die weder schön noch in irgendeiner Weise besonders wären. Keine langweiligen Stereotypen, wie man sie in Groschenromanen und diversen anderen Liebesschnulzen findet. Und genau das macht das Lesen von "Du hast mich angefasst" so sympathisch: Dass man ein Stück von sich selber in den exzellent verfassten Kurzgeschichten wiederfinden kann.