Horst Prillingers Kurzgeschichten erlauben beunruhigende, zum Teil verstörende Einblicke in das Gefühlsleben seiner Figuren. In der Tat geht es in allen von ihnen um Sex um Schmerz, wobei der Schmerz nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, und der Sex manchmal zentrales, manchmal aber nur ein Randthema ist. Es handelt sich hierbei nicht um BDSM-Stories, wenn auch zumindestens zwei der Geschichten aus diesem Blickwinkel interessant sein könnten.
In einigen Geschichten geht es um scheiternde Beziehungen und die Versuche der Figuren, mit der Situation wieder klar zu kommen; "Less than you'd think" zeigt auf tragische Weise das Scheitern, "Must I paint you a picture" Schritte der Emanzipation, und in "Hair fetish", der vielleicht amüsantesten Geschichte der Sammlung, findet ein Fetischist mit SM-Neigungen doch noch zu seinem Glück, nachdem er sich durch bizarre Speed Dating-Rituale gequält hat.
Düsternis macht sich hingegen anderswo breit: In "Click click" überwacht ein Krimineller ein organisiertes Russisches-Roulette-Spiel, bei dem Menschen ihre Schulden bei der Mafia zahlen und wird dabei fast selbst ein Opfer seines Berufes. Wirklich verstörend ist jedoch die mit 60 Seiten längste Geschichte "Liberty, equality, fraternity", in der während eines Krieges ein entführtes Mädchen als Haussklavin eines Offiziers arbeiten und verschiedene Erniedrigungen über sich ergehen lassen muss; umso verstörender auch deshalb, weil der Erzähler sowohl das Innenleben des Mädchens als auch jenes des Offiziers im Dunkeln lässt und sie in einer moralischen Grauzone agieren lässt, in der Gut und Böse keine greifbaren Kategorien mehr zu sein scheinen.
Alles in allem ist dies eine gelungene Sammlung düsterer, berührender und zum Teil auch verstörender Geschichten, die einen intensiven Eindruck hinterlassen und den Leser noch einige Zeit beschäftigen, nachdem er das Buch wieder zur Seite gelegt hat.