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Wir haben schon immer im Schloss gelebt [Gebundene Ausgabe]

Shirley Jackson
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

1988
Merricat ist ein seltsames Mädchen. Sie mag ihre Schwester Constance, Richard Plantagenet und Amanita phalloides, den grünen Knollenblätterpilz. Sonst nicht viel. Dafür sind ihre Feinde zahlreich.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Diogenes (1988)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257017820
  • ISBN-13: 978-3257017823
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12,2 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 366.875 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

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Shirley Jackson ist in Deutschland bislang eine zu Unrecht immer noch unbekannte Verfasserin von Kriminalromanen. Sie wurde 1919 in San Francisco geboren und unterrichtete an der Syracuse University in New York. In ihrem Todesjahr, 1965, erhielt sie den begehrten Edgar-Allan-Poe-Preis.

Ihr Roman Wir haben schon immer im Schloß gelebt erzählt die Geschichte von Mary-Katherine und ihrer Schwester Constance, die zusammen mit ihrem Onkel Julian, der an den Rollstuhl gefesselt ist, draußen am Dorfrand leben. Die Geschichte wird von Mary-Katherine rückblickend geschildert. So ganz geheuer sind die Personen dem Leser nicht. Doch wem soll er trauen?

Mary-Katherine macht einen naiven, kindlichen Eindruck, wenn sie zweimal pro Woche ins Dorf einkaufen geht. Sie lebt vollkommen in ihrer eigenen Fantasiewelt und ist nach außen hin absolut kontaktscheu. Am liebsten richtet sie ihr Haus auf dem Mond ein. Onkel Julian beschäftigt sich ausschließlich mit der Aufzeichnung der tragischen Ereignisse und bringt laufend die Personen und Handlungen durcheinander. Da schwirrt oft nicht nur ihm selbst der Kopf. Am Vernünftigsten erscheint Constance -- und ausgerechnet sie soll die Giftmorde begangen haben? Immer wieder fragt sich der Leser, wem er in der Erzählung glauben kann. Ab und zu geht das so weit, dass er an sich selbst zu zweifeln beginnt.

Shirley Jackson schildert in diesem Roman die Tiefen der vordergründigen Realität und die Macht der Fantasie, die hier so stark erlebt wird, dass es ihnen nicht mehr gelingt, nach Maßgabe dessen, was sie sehen, zu handeln, sondern sie sind gezwungen, ihre Handlungen entsprechend ihrer Traumwelt auszuführen. Für den Leser ist es aufregend und unheimlich zugleich zusammen mit der Erzählerin die Übergänge zwischen der gegenständlichen Ebene und der zweiten -- unwirklichen -- Realität zu überschreiten.

Erfreulicherweise hat der Diogenes-Verlag weitere Werke von Shirley Jackson in Vorbereitung -- man darf darauf gespannt sein. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Shirley Jacksons bestes Buch. Sie fügt dem klassischen Zubehör der Gespenster-Geschichten noch einen Hauch Freud bei und macht damit die ganze Welt betroffen." (The New York Times Book Review)
"Das Bemerkenswerte an dieser schaurigen Familienchronik, die zuletzt in eine seltsame Überlebens-Idylle einmündet, ist die unangestrengte aber zwingende Logik, mit der sie sich entwickelt und die nichts mit der verzwickten Konsequenz eines klug angelegten Krimis zu tun hat. Von vornherein ist klar, daß die anmutige rosig-blonde Constance die Mörderin ist. Sie verliert dabei seltsamerweise - auch für die Leser - nichts von ihrer lichten Anmut. Es ist, als habe sie eigentlich nichts mit der Sache zu tun, als lebe sie - wie die jüngere Schwester - in einer kaum von realen Vorgängen berührbaren Sonderwelt nahe dem Wahn, die von der Angst vor den Fremden und dem Haß auf sie bestimmt wird. Ein Paar schrecklicher Kinder Cocteauscher Machart." (Süddeutsche Zeitung)
"Hier hat der Altmeister des Grauens und des Bösen, Edgar Allan Poe selbst, Pate gestanden. Wen wunderts, wenn am Ende des Romans die Geborgenheit jedoch wieder hergestellt ist. Der Leser bleibt verunsichert, denn sich einfach auf die Seite des merkwürdigen Kindes zu schlagen hieße schließlich, die gesellschaftliche Ordnung zu mißachten. Sie bleibt verborgen und unverständlich, die Welt von Mary Katherine Blackwood, aber spannend." (Norddeutscher Rundfunk)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
"Wir haben..." ist mit Sicherheit eines der beklemmensten Stücke Literatur, die heutzutage zu lesen sind, ein Kurzroman von geradezu fantastischer Intensität, so man denn bereit ist, sich in die Geschichte hineinfallen zu lassen.
Shirley Jackson, die Autorin von "Spuk in Hill House" (*****) erschafft mit diesem Roman ein finsteres Panorama, das Elemente aus Psychodrama, Krimi und Märchen kunstvoll miteinander verflechtet.
Zentrum der Erzählung ist das Mädchen Merricat, die mit ihrer größeren Schwester Constance und einem an den Rollstuhl gefesselten Onkel allein auf einem langsam aber sicher verfallenden Anwesen lebt nahe einer Kleinstadt lebt. Einst war die Familie sehr einflußreich, doch eines Abends wurden die meisten Familienmitglieder durch eine Überdosis Arsen im Essen vergiftet. Von da an begegneten die Stadtbewohner den Überlebenden mit Mißtrauen, Angst und leiser Abscheu, eine explosive Mischung. Constance kümmert sich um Merricat mit einer Art liebevoll mütterlicher Resignation, während die jüngere Schwester selbst in einer Art kindlich-trotzigem Schwebezustand verharrt, einerseits der Stimmung gegen ihre Familie gewahr, andererseits trotz ihres fortgeschrittenen Teenageralters in einer Traumwelt lebend, die der Realität sehr nahe ist. Ängstlich darauf bedacht, den Status quo des Trios nicht zu verändern, glaubt Merricat immer noch an Magie und Flüche und sichert sich, ihre Handlungen, ihre Verwandten und das Anwesen auf diese Art und Weise mit selbstgemachten Talismanen ab.
Das Streichholz zum Scheiterhaufen liefert schließlich ein engagierter Cousin, der zum Ausbruch aus der Enklave auffordert und das fragile Gebilde erschüttert. Constance, auf halbem Weg zu einem möglichen neuen Leben, verliert an Gewicht als Bezugsperson und Autorität und zwingt Merricat zum Handeln, bis der Stadtmob schließlich eine Katastrophe auslöst, die lange vor sich hingegärt hat.
Es ist eine schrecklich-schönes Paradies, daß Jackson mit den Worten einer Sechzehnjährigen schildert, ein sonnendurchflutetes, hinter Bäumen, Hecken und Zäunen gelegenes Märchenland, isoliert und eingefroren und dennoch zärtlich und beschützend. Der stille Wahn Merricats dringt dabei nur langsam an die Oberfläche, da sie trotz ihrer Sperrigkeit die einzige Identifikationsfigur des Zuschauers bleibt.
Wie beiläufig hebt der Roman immer mehr zur Katastrophe an, bei der man nicht weiß, ob die Zerstörung des Hauses eventuell Fluch oder Segen für die Bewohner wäre. Constances Selbstaufgabe, Merricats Verlorenheit und die sinn- und fruchtlosen Versuche des halbverrückten Onkels, der nur bemüht ist, den Tag der großen Vergiftung zu rekonstruieren, um den Täter zu ermitteln weisen aber eher auf die Vernichtung der Existenzen hin.
Der finale Zerstörungswahn hat dann etwas von den zahlreichen "Frankenstein"-Filmen, in denen die fackelbewehrte Menge schließlich auf die mißverstandene Kreatur losgeht.
Jackson führt den Leser so behutsam in die Tiefen einer sanft wahnhaften Seele, daß es einen fröstelt, wenn man in die Realität zurückkehrt und schenkt ihre Sympathien gleichzeitig denjenigen, die wir selbst als seltsam abtun würden. Ihre Psychologie ist so einfühlsam wie tiefgründig, so daß der märchenhaft-düstere Schluß schön, grimmig und infernalisch zugleich wirkt. Das Schicksal der vergifteten Familie ist dabei eher ein Motor der Handlung und der Täter wird beinahe beiläufig identifiziert, jedoch schlüssig in den Kontext eingearbeitet.
"Wir haben..." hat enorme Sogwirkung, wenn man selbst auf abseitige Charaktere steht und stellt "Spuk in Hill House" in seiner Intensität noch in den Schatten.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der dunkle Strudel des Begehrens 22. Januar 2008
Von dark swan
Format:Taschenbuch
Selten habe ich ein Buch gelesen, das so viel Wucht hat wie dieses. Das so beklemmend, ausweglos und verführerisch ist wie dieses.

Shirley Jackson ist eine ausgezeichnete Autorin. In den USA gehört sie zum Kanon, in Deutschland ist sie weitgehend unbekannt. Sicher - im Bereich des Unheimlichen, des psychologischen Horrors ist sie durchaus ein Name, doch ihre Texte sind mehr als bloße Schauergeschichten, Gruselsezenarien und Gothic Novels. Shirley Jacksons Texte sind literarisch.

"Wir haben schon immer im Schloß gelebt" ist nur hundert Seiten lang, ein unauffälliges kleines Bändchen. Der Klappentext verspricht die Geschichte zweier Mädchen, Geschwister, die nach einem verheerenden Unglück als einzige Überlebende der Familie in einem Schloß weiterleben. Vom Dorf werden sie geächtet, und keine der beiden bemüht sich, diesen Umstand zu ändern.

Dies also ist die Geschichte, die auf der Oberfläche erzählt wird. Mit großer Spannung und einer blutvollen Sprache. Doch es ist eben nur die Geschichte auf der Oberfläche. Bereits nach einer Seite merken wir, daß hier noch eine zweite, eine ganz andere Geschichte erzählt wird: Wir befinden wir uns mitten in einem psychotischen Hirn. Langsam spüren wir: Nichts ist so, wie wir es lesen.

Dies ist ein Schauerroman und es ist keiner. Die Geschichte ist zugleich real lesbar und als Bild. Natürlich gibt es dieses Schloß, aber nur auf der Oberfläche der Geschichte. Tauchen wir ein wenig tiefer in unser eigenartiges Gefühl beim Lesen, tauchen UNTER die Oberfläche, wird dieses Schloß zum Hirn eines Menschen, der dieses Buch erdenkt. Es gibt nur diese eine Hirn, und in dem leben diese beiden Schwestern. Alles geschieht jetzt. In der Gegenwart, in einer einzigen Person. Wir sind Zeuge, wie ein Hirn zugrunde geht. Es ist eine verstörende, eine tief berührende und zugleich verführerische Geschichte des Wahnsinns.

"Wir haben schon immer im Schloß gelebt", heißt nichts anderes als: "Ich war schon immer mehrere."

Das wirklich Starke an diesem Buch ist sein Humor. Ja, es ist düster, doch zugleich humorvoll, kein schwarzer Humor, sondern echte Leichtigkeit. Wie in ihrem bekanntesten Roman "Spuk in Hill House" vermag Shirley Jackson auch in diesem Buch durch die Leichtigkeit jenen Kontrast herzustellen, der das Kranke, Schwere und Psychotische erst unentrinnbar macht.

"Wir haben schon immer im Schloß gelebt" ist ein erstklassiges Buch. Geschrieben in einer ungewöhnlich fantasievollen und dabei doch knappen Sprache, mit einer Soghaftigkeit, die ihresgleichen sucht.

Leider ist das Buch vergriffen. Versucht es, gebraucht zu kaufen, es z.B. bei Ebay zu ersteigern und dann weiterzugeben.
Lest es nicht, wenn ihr gerade labil und angreifbar seid - es wird euch mit Leichtigkeit in jene Zwischenbereiche ziehen, die riskant und von verstörender Verführungskraft sind. Lest es, wenn ihr stark seid. Und genießt seine dunkle Schönheit.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Merkwürdig schaurig 12. April 2007
Von N. K.
Format:Taschenbuch
Mary-Katherine lebt mit ihrer Schwester Constance und dem schrulligen Onkel in einem Schloß. Der Onkel ist an den Rollstuhl gefesselt. Also kümmern sich die Mädchen um den Haushalt. Doch warum wird Mary-Katherine während ihrer Einkäufe im Dorf so angefeindet? Hat es etwas mit den schaurigen Ereignissen zu tun, die sich vor Jahren im Schloß abspielten? Wer hat die ganze Familie damals vergiftet?

Shirley Jacksons Geschichte ist nicht nur ein sagenhaft guter Krimi - es ist vor allem ein Hintergrundroman, der zeigt, wie schnell man sich in seine eigene Fantasiewelt flüchtet, um der aggressiven Realität entgehen zu können. Mit detailreichen Rückblicken schildert sie, was damals wirklich im Schloß geschah - und vor allem: warum. In diese Geschichte kann man bedingungslos mit Haut und Haaren eintauchen. Und das, obwohl einem die Hauptfiguren nie ganz geheuer sind. Dafür ist die ganze Sippe und Atmosphäre einfach zu merkwürdig. Merkwürdig, aber sehr, sehr schön.
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