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Produktinformation
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Schabowski gilt vielen als der „Wendehals“ par excellence. Während seine ehemaligen Politbüro-Genossen bis heute nichts zu bedauern haben und sich wegen ein paar Jährchen lockeren Strafvollzugs zu Opfern einer Siegerjustiz stilisierten, nahm Schabowski seine Haft wegen Mitverantwortung für die Toten an der innerdeutschen Grenze als gerechtfertigt auf sich und gibt sich seitdem geläutert. Wenn man heute einen kompetenten Diskutanten über den ehemals real existierenden Sozialismus im Allgemeinen und das DDR-Unrechtsregime im Besonderen benötigt, ist Schabowski allererste Wahl – nicht etwa für die Rolle des Verteidigers sondern des Anklägers. Und so ist es auch in den Gesprächen mit dem ZEIT-Redakteur Frank Sieren, die in das vorliegende Buch eingeflossen sind. Mit ungeheurer Präzision und einer für einen Ex-Apparatschik erstaunlich klaren Sprache rechnet der in dialektischem Denken bestens geschulte SED-Renegat gnadenlos mit Theorie und Praxis des Sozialismus ab, vor allem aber mit sich selbst, seinen Irrtümern und Lebenslügen.
Die schon beinahe an die Schauprozesse kommunistischer Diktaturen erinnernde Selbstkritik, die Schabowski aus freien Stücken öffentlich zelebriert, könnte man als einen Akt der Selbstreinigung interpretieren. Ungemein spannend und lehrreich ist sie allemal. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass im Titel getrost ein Wörtchen gestrichen werden könnte. Arnold Abstreiter
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fesselnder Geschichtsunterricht!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wir haben fast alles falsch gemacht: Die letzten Tage der DDR (Gebundene Ausgabe)
Anders als Herr Krenz, der die Opfer der DDR in wenigen dürren Nebensätzen bedauert, geht Herr Schabowski schonungslos mit der DDR und seiner Rolle darin ins Gericht. Dass dies ein schmerzvoller Prozess gewesen ist, kann man zwischen den Zeilen lesen. Ein so radikaler Bruch mit dem System DDR und der eigenen Vergangenheit darin liest sich spannend und wird noch potenziert durch die scharfe Analyse und fast wissenschaftliche Aufarbeitung. Die Lektüre ist bei weitem kein trockener Stoff und bietet eine große Fülle an Hintergrundinformationen. Ein wichtiges Buch, danke Herr Schabowski!Unbedingte Kaufempfehlung für historisch interessierte Leser! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
49 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr davon! Mehr! Es gibt noch viel aufzuarbeiten!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wir haben fast alles falsch gemacht: Die letzten Tage der DDR (Gebundene Ausgabe)
Gerade in diesen Tagen, in dem die Geschichte der Studentenbewegungen um den Tod von Benno Ohnesorg neu geschrieben werden muß und neue Verbindungen zwischen der SED/Stasi und Funktionsträgern in der Bundesrepublik offensichtlich werden, ist die Aufarbeitung der DDR/BRD-Geschichte nicht hoch genug einzustufen.Die erste deutsche Diktatur von 1933-45 wurde von vielen Zeitzeugen totgeschwiegen und durch ihr Ableben sind kostbare Informationen für immer verloren gegangen. Jeder Einzelne, egal ob in einer hohen verantwortlichen Position oder als "Normaler Bürger", muß angehört werden. Schabowski leistet hingegen einen unglaublich wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Er spricht von einer "Zwangsbeglückung" des Volkes durch die Partei. Hinter den schrecklichen Taten steckte also der unbeirrbare Glaube, daß man die einzig wahre Wahrheit über das "Paradies auf Erden" in den Händen hielt und diese den Menschen beibringen musste. Hierbei galt der Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel! Er spricht hierbei von einem "Sendungsbewusstsein als Kommunist", was kurioserweise religiöse Züge im atheistischen Arbeiter und Bauern Staat hervorbringt. Auf die Frage hin, was der Kernfehler sei, antwort das ehemalige Mitglied des Politbüros: "Dass das System den Zweifel nicht zulässt" Diese Zweifel bekam er schnell nach der Wiedervereinigung, auch ein Gerichtsprozess wegen der Mauertoten blieb ihm nicht erspart, obwohl er mit dem Schießbefehl direkt nichts zu tun hatte. Man warf ihm seit seinem Ausschluss aus der SED-PDS vor ein Wendehals zu sein. Hierbei stellt sich doch die Frage: Was wollen wir eigentlich von einem Mann mit seinem Rang und Ruf? Wenn er sich distanziert schreit man laut: Der streitet einfach alles ab, weil er ungeschoren davonkommen will. Und wenn er weiterhin ein gläubiger Kommunist geblieben wäre, dann wäre er ein ewig Unbelehrbarer und Zurückgebliebener der Zeitgeschichte geworden. Meiner Meinung nach tut Herr Schabowski genau das Richtige: Er hinterfragt das System DDR, die Partei und die Stasi, aber auch sein eigenes Leben, welches eben von Jugend an mit den Schrecken des Faschismus und dem Neubeginn unter kommunistischer Führung behaftet war. Ich nehme ihm ausdrücklich ab, daß er als junger idealistischer Mensch an das neue System mit den marxistischen, paradiesischen Zuständen in Deutschland glaubte und dafür mit tiefster Überzeugung und ohne Zweifel eintrat. Sein schonungsloser Bericht über die letzten Tag der Mauer, das System DDR, der 17. Juni 1953, die Verbindungen nach Moskau und der aktuelle Bezug zur Linkspartei ist vorbildlich und einzigartig. Viele lebende Zeitzeugen sollten endlich ihr ganzes Wissen offenbaren, um vielen Opfern und Angehörigen endlich die Wahrheit zu sagen, die sie sicherlich verdient hätten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Ein Akteur reflektiert über die Geschichte",
Von Grombo (Belgique) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Wir haben fast alles falsch gemacht: Die letzten Tage der DDR (Gebundene Ausgabe)
Was Günter Schabowski uns liefert, ist keine Berichterstattung, sondern das Ergebnis seiner Überlegungen über das politische Regime der damaligen DDR und seiner Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, mit dem eignenen Leben. Das Buch ist letztendlich eine faszinierende Zeugenaussage und umfasst vielmehr als das, was der Titel "Die letzten Tage der DDR" andeutet. Ein spannendes Buch für jeden, der sich für die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts interessiert.
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