9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Leidensfähigkeit einer Co-Alkoholikerin, 27. März 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: In guten und in schlechten Tagen. Mein Leben - eine Liebesgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Selbst seit meiner Kindheit immerwieder mit alkoholkranken Menschen konfrontiert worden, habe ich mir dieses Buch gekauft, obwohl Juhnke nicht ganz zu meiner Generation gehört.
Auch dieses Buch zeigt uns einmal mehr, wieviel Frauen ihren süchtigen Männern zuliebe hinnehmen, oder tun sie es doch eher für sich selbst, weil sie sich nur über ihre Männer identifizieren?
Mit "In guten und in schlechten Tagen" ist Frau Juhnke zusammen mit Beate Wedekind ein erschreckendes und zugleich berührendes Dokument dieser Problematik gelungen. Sie war eine Frau, die über einen Zeitraum von 30 Jahren relativ erfolgreich ignoriert hat, was allen anderen bewußt war. Am meisten schockiert hat mich ihre Unterwürfigkeit und die Selbstverständlichkeit mit der sie jeden "Ausrutscher" ihres Mannes einfach hingenommen hat.
Ein Buch das ich jedem Co-Alkoholiker empfehlen kann, aber auch für solche, die unbedingt vermeiden wollen, je einer zu werden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schlechte Tage und wie man sie vermehrt, 20. Juni 2010
Wer ist Susanne Juhnke? Warum könnte es interessant sein, ein Buch über ihr Leben zu lesen? Die Antworten scheinen klar: Diese Frau ist die Frau des Schauspielers Harald Juhnke. Doch das ist zu wenig. Man ist nicht "Frau Doktor", nur weil man mit einem Arzt verheiratet ist. Man ist immer selbst.
Und steht man im Schatten des Partners, so steht man dort in eigner Person, in eigener verschatteter Herrlichkeit, in eigener Verantwortung.
So stand Autorin Juhnke nicht von ungefähr in Verdacht, das Schicksal ihres Gatten mit diesem Buch versilbern zu wollen. Denn keine Frage: Ohne Harald Juhnke und seinem spektakulären Niedergang als Mensch, Ehemann und Schauspieler, hätte auch ich mich für dieses Buch nicht interessiert.
Natürlich kann die Leidensgeschichte einer Frau, die an der Seite eines Säufers lebt, durchaus von Interesse sein, weil die Säufer in dieser Gesellschaft zahlreich sind und ihre Partner in der Regel ihre ersten Opfer. Alkohol, als dominierendes Zellgift zerstört nicht nur Körper und Gehirn, sondern in erster Linie Ehen, Familien und Freundschaften. Das muss man wissen, will man von Frau Juhnkes Buch beeindruckt sein. Denn diese klare Einordnung fehlt in der Lektüre völlig. Die Autorin hat es in guter Gesellschaft mit Co-Autorin Beate Wedekind unterlassen, die Warnhinweise dort anzubringen, wo sie hingehören: Auf die Flaschen. Und diese findet man bekanntlich nicht nur im Spirituosenregal, sondern eben auch im Ehebett, in den Redaktionsstuben der Medien und unter den Buchautoren beiderlei Geschlechts.
So unterscheidet Frau Juhnke im Buch offensichtlich zwischen Champagner und Alkohol und bekundet damit, dass sie in dreißigjähriger Ehe mit einem Alkoholiker wenig verstanden hatte. Etwas anders behauptet sie in ihrem Buch aber auch nicht: Sie ist Opfer und sie bleibt das kafkaeske Opfer neben einem Mann, der zweifelsfrei ein begnadeter Schauspieler war. Aber ein Mensch ist mehr als Schauspieler und Säufer. Eine Frau ist mehr als Ehefrau und Opfer. Das Buch sagt darüber nichts.
Etwa ein Fünftel des Buches erzählt, wer Susanne Juhnke gewesen sein wollte. Es wäre vermessen, im Rückblick darüber zu spekulieren, was aus der jungen Schauspielerin Susanne geworden wäre, hätte sie ihrer großen Liebe in dem Augenblick in den Hintern getreten, als ihr Harald volltrunken zum Rendezvous erschien und ohnmächtig ins Bett fiel. Als gesichert kann jedoch angenommen werden, dass Trinker dann Konsequenzen aus ihrer Sucht ziehen, erreichen sie ihren ganz persönlichen Tiefpunkt. Wo dieser liegt, bleibt so individuell wie die jeweiligen Charakteren. Die Pillen der Ärzte, das Mitleid der Angehörigen oder die Liebe der Ehepartner verhindert jedenfalls diesen Wendepunkt, der die Grundlage jeder erfolgreichen Therapie sein muss.
Susanne Juhnke nährt sich in ihrem Buch noch nicht einmal am Rande dieser tausendfachen Erfahrung trockener Alkoholiker und ihren Angehörigen. Im Gegenteil: Jeder z. B. arbeits- und mittellose Trinker im Berliner Stadtteil Wedding scheint sicher dem Untergang geweiht, folgt man der Diktion dieses "Leid"-Fadens. Um mit dem Schicksal des Alkoholismus einigermaßen zurechtzukommen bedarf es nämlich, folgt man der Lektüre, einer professionaler Koryphäe nach der anderen. Und wie die "Menschheit" erleben durfte und Frau Juhnke erfahren musste, hinderte es ihren (und unseren) Harald nicht daran, seinen Verstand völlig zu versaufen.
Ein ähnlich nutzloser Weg geht die Autorin, will sie einmal entspannen und auf andere Gedanken kommen. Sie fliegt nach New York, Paris oder nach Sylt, als würde sie mit diesen geographischen Veränderungen ihr intellektuelles Unvermögen nicht mitnehmen müssen.
Intellektuelles Unvermögen, Reflektionsmangel und analytische Unfähigkeit sind dann auch eine gute Voraussetzung für diejenigen Leser, die einfach mal so mit Frau Juhnke mitleiden wollen. Dass die Autorin gelitten hat, steht außer Zweifel. Warum ihr nichts anderes übrig blieb, als nur zu hoffen, sich nur zu täuschen und nur zu leiden, erkennt sie nicht. Der Schlüssel befände sich auf den ersten achtzig Seiten ihres Buches, an den Stellen, als Frau ihr Sein gegen die Rolle als Ehefrau eintauschte.
Und da man Ursache und Wirkung verwechselt, das Wort Ambivalenz ein Fremdwort bleibt, beschreibt das Buch ein Leben an der Seite des legendären Froschkönigs. Küssen hilft nicht! Der Frosch wird vom Lastwagen überfahren und man macht "lastwatscht" an seiner Seite und fährt auch der Laster vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück - 420 Seiten lang.
Ein trauriges Buch und dies in jeder Einzelheit.
Frau Juhnke geht zur Entspannung auf den Opernball und wundert sich, dass die Presse daraus eine schmierige Geschichte macht. Frau Juhnke liebt Kleidung von Chanel und merkt nicht, dass diese Klamotten ein nicht erwähnenswerter Nebeneffekt der erfolgreichen Geschäftstätigkeit ihres Mannes sind. Dass sie nicht müde wird, derartige Banalitäten zu betonen, beweist tragisch, dass sie ein einfaches Gemüt ist.
So geht es den unbedarften Lesern. Man will ihnen glauben machen, dass ein gerütteltes Maß Schuld am Leid von Familie Juhnke die schmierige Presse war. Dabei hatte man sich dieser professionell bedient, ging es darum, sich die Kleider von Chanel, die Frisur von Udo Walz und die Reisen mit dem Privatjet zu finanzieren.
Schauspieler quatschen in der Regel auf Anweisung Dritter die Texte von anderen. Das ist eine Kunst. Ob man im Arbeiterviertel Wedding oder im Berliner Stadtteil Grunewald wohnt ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der Horizont für Frösche der Brunnenrand ist. So gesehen, hat es die Autorin nicht geschafft, ihren Horizont zu erweitern. Und dabei erübrigt sich die Frage, wer Frau Juhnke ist. Leider!
Das Buch ist eine Anleitung für alle, die süchtig danach sind, die Anzahl ihrer schlechten Tage zu vermehren. Und wohlgemerkt, als Schicksalsroman lesenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein