Das Buch von Sabine Meck greift ein brandaktuelles Thema auf und ist hervorragend konzipiert. Es versucht die geistesgeschichtlichen Stationen dessen, was man jeweils als Glück verstanden hat, vom Gilgamesch-Epos bis in die Gegenwart nachzuzeichnen und könnte so zu einer großen Hilfe für alle "Glücksforscher" werden, ganz gleich ob wissenschaftlicher oder persönlicher Art. "Könnte" muss man leider schreiben, denn Meck hat ihr Buch offenbar mit heißer Nadel gestrickt. Obwohl doppelt promoviert, schreibt Frau Meck in diesem Buch teilweise wie ein Studienanfänger, dem es hauptsächlich darauf ankommt, einige Seiten zusammenzubekommen. Da wird ausgiebig zitiert - und leider nicht so sehr aus Primärtexten, sondern aus der Sekundärliteratur. Ihr Buch wird damit gewissermaßen zur "Tertiärliteratur", und die Bezüge zum Original sind vage und unklar. Ein Beispiel: Ihre dreiseitige Darstellung des Philosophen Seneca hängt zum einen sehr von einer - bestimmt ausgezeichneten - Darstellung Annemarie Piepers ab und findet andererseits kaum konzeptuellen Zugang zur stoischen Philosophie, in die man Seneca natürlicherweise einbetten müsste. Das klingt dann so: "Weiterhin gehöre zur Glückseligkeit nach Seneca die Harmonie mit sich selbst." Ja, was heißt hier: "weiterhin"? Das ist die Glückseligkeit für die Stoiker, aber was bedeutet das denn? Auch ein Verbrecher würde unter Umständen behaupten, dass er mit sich in Harmonie lebt, und doch wäre dies für Seneca und die Stoa unakzeptabel. - Frau Meck hat bei der Auswahl der zugrundegelegten Literatur bestimmt eine gute Wahl getroffen, aber ihr Buch ist offenkundig zu schnell und zu ungenau ausgearbeitet, als dass man von einer wissenschaftlichen Publikation reden könnte.