Klaus Schikowski, Autor des erfreulichen Titels "Künstler des Comics" ist - zumindest in comicaffinen Kreisen, kein Unbekannter. Er hat sich durch zahlreiche Veröffentlichungen und Diskussionsanstösse um die noch immer als eher schlicht beleumundete Kunstform sehr verdient gemacht. Auch in seiner Tätigkeit als redaktionelles Mitglied des Szenenmagazins "Comixene" ist er immer versucht aktuelle Entwicklungen kritisch, ausführlich und vor allem lesbar darzulegen. Kurz - eine gute Wahl.
Schikowski gelingt - wie wenigen anderen - der Spagat zwischen enthuiastischer Fanboyschreibe und hohem, publizistischem Anspruch und diese Expertise kommt auch im vorliegenden Band zum Tragen, in dem gattungschronologisch in 6 Kapiteln 35 der wichtigsten Comiczeichner vorgestellt werden.
Natürlich muss anhand der Auswahl und der angezielten, breiteren Adressatengruppe hier und dort ein wenig die Wertungsfreiheit leiden, aber dies wirkt sich nur positiv auf das Textkonvulut aus, es erscheint schlüssig und fokussiert, auch wenn die Darstellung für bereits comicgeschichtlich Belesene etwas blass erscheint.
Aber seine Absicht lag ja gerade in der Eröffnung einer breiteren Diskussion um diese Kunstform, welche ihre Wagenburg auch mal hinter sich lässt. Der ein oder andere Comicfundamentalist wird sicherlich monieren, dass der Autor zu sehr verschlankt, aber dieser Tonart möchte ich mich nicht anschliessen.
Natürlich kann auf den knapp 5 Seiten, die Schikowski jedem vorgestellte Autor gewährt, nicht jede kleinteilige Frage beantwortet werden oder detailreicher Zierrat abgedruckt werden, aber an diesen Beschränkungen gemessen, zeichnet sich der Band durch seine hohe Informationsdichte aus. Für Einsteiger mehr als nur zu empfehlen, aber auch für Leser, die sich vertieft mit dem Themenkomplex des Comics auseinandersetzen wollen sehr gut geeignet.
Die Anordnung ist wie bereits kurz erwähnt, eine chronologische, Schikowski versucht die Zeichner, welche stilbildend waren (bzw. noch sind) innerhalb des entstehungsgeschichtlichen Prozesses der Gattung zu positionieren. Dies gelingt ihm sehr gut, sein anekdotisches Gespür führt auch das ein oder andere Schmunzeln herbei und die Auswahl der Illustrationen steht ausserhalb jeder Kritik.
Ein Buch, welches sich für Einsteiger als Goldgrube und für interessierte Laien als spannender Parforceritt durch die fast 200 Jahre alte Geschichte der Gattung entpuppen wird. Allen eher spezialisierten Forschenden seien eher die Anthologien von Text + Kritik: Comics, Mangas, Graphic Novels [Sonderband / et+k] oder Ditschke, Kroucheva, Stein (Hg.): Comic - Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums [transscript] empfohlen, welche weniger allgemein aufgebaut sind.
Was zu sagen bleibt ist, dass auf 256 Seiten (Hardcover) der Gattung, nach der Weihe durch den längst überfälligen Eintrag im Metzler'sche Literaturlexikon, durch diese, eine breite Leserschaft ansprechende Arbeit erneut Gutes getan wird. Die maßgeblichen Autoren und Zeichner aufbereitet in einer gut lesbaren und fundierten Analyse und Darstellung, was will man mehr?