11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großartige Begleitlektüre für alle Konzertbesucher, 17. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die großen Dirigenten unserer Zeit. Mit ausführlichem Lexikonteil (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch wie dieses hat (mir) gefehlt, war mein erster Gedanke im Buchladen, und ich bin bei der Lektüre nicht enttäuscht worden: Anders als die klassischen Biographien großer Dirigenten konzentriert sich dieser Band auf diejenigen Dirigenten, die heutzutage (2005) regelmäßig im deutschsprachigen Raum gastieren und beschreibt ihr Wirken, ihre Philosophie und natürlich auch ihren Werdegang.
Neben solcherlei Informationen ist auch der Versuch einer Kategorisierung durchaus hilfreich: Selbst wenn man in Einzelfällen durchaus abweichender Meinung sein kann (ist etwa Haitink nur werktreuer "Verwalter" der Musik?), ist für den Nicht-Profi die Unterteilung in Dirigentenkategorien gemäß ihres Verständnisses für Werk und eigenen Beruf erhellend: Der Analytiker etwa will Details zeigen und unsichtbare Zusammenhänge aufdecken wo der Klangmagier eher auf Wohlklang aber auch Brillanz der Einzelinstrumente abstellt. Neben dem werktreuen Musiker im Dienste der Kunst kommt so auch der Energetiker und Visionär, der seine Idee vom Werk durchaus subjektiv transportieren möchte, zur Geltung.
Mir persönlich hat diese - sicherlich debattierbare - Unterteilung viel Spaß gemacht, zumal man dadurch auch die eigenen Hörgewohnheiten neu bewerten kann und manchmal vielleicht noch bewusster wahrnimmt, was die einzelnen Aufnahmen im heimischen CD-Regal unterscheidet.
Ein umfangreicher Anhang mit Daten zu einigen nicht ausführlicher besprochenen Dirigenten (Maazel oder Levine etwa, da nicht mehr oft in Europa!) sowie einer Empfehlung bemerkenswerter Aufnahmen der besprochenen Maestri runden dieses bemerkenswerte Buch ab. Alle Freunde klassischer Konzerte werden hier auf ihre Kosten kommen!
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18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Frau Spinolas Lieblingsdirigent(innen), 5. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Die großen Dirigenten unserer Zeit. Mit ausführlichem Lexikonteil (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin - ausgebildete Schauspielerin und Musikjournalistin mit einem erklärten Faible für das Musiktheater und die Musik des 20. Jahrhunderts - hat mitnichten ein Buch über die großen Dirigenten unserer Zeit, so der Titel, vorgelegt. Vielmehr besteht das Buch im wesentlichen aus 30 Portraits der angeblich großen, gegenwärtig in Deutschland akiven Dirigenten, die sie wohl nach rein subjektiven Kriterien ausgewählt hat.
Der Ton ist locker-salopp. Die Beschreibung der Dirigierkünste und Interpretationsansätze der Portraitierten ist dabei ebenso oberflächlich wie klischeehaft. So kommen Kurzbeschreibungen zustande, die sich in dieser oder ganz ähnlicher Form im großen und ganzen auf jeden der Portraitierten beziehen ließen. Zudem werden immer wieder außermusikalische Kriterien in den Vordergrund der Beschreibungen gerückt: Welches Interesse bringt der Dirigent der Musik des 20. Jahrhunderts entgegen?, Ist der Dirigent auch als Intendant tätig?, Ist er weiblich oder männlich?, Wie alt ist er?. Auffallend wichtig erscheinen der Autorin die vermeintlich gestenhaften Elemente des kompositorischen Materials. So etwa wenn sie immer wieder die interpretatorische Herausstellung des Gestenhaften in Wagners Musik zum entscheidenden Qualitätsmerkmal einer Wagner-Interpretation macht.
So entstehen beinahe grenzenlos subjektive und schiefe Beurteilungen: Gielen, Abbado, Simone Young(!) besetzen den Olymp der zeitgenössischen Kapellmeisterzunft. International seit Jahrzehnten gefeierte Stabvirtuosen wie Levine oder Maazel werden dagegen erst gar nicht erwähnt. Dabei tritt Maazel alljährlich regelmäßig in Deutschland auf und hat über Jahrzehnte deutsche Spizenorchester geleitet. Levine konzentriert sich erst seit jünster Zeit und vor allem wegen zunehmender gesundheitlicher Probleme auf Auftritte in den U.S.A. Nicht nachvollziehbar ist die Kritik an allseits und ebenfalls seit Jahrzehnten anerkannte Dirigenten wie Haitink und Metha. Dies alles macht einen ungeheuer schiefen und voreingenommen Eindruck. Für die Autorin scheint eine ernst zu nehmende dirigentische Interpretationsgeschichte überhaupt erst um das Jahr 1990 herum begonnen zu haben. Auf dieser Grundlage muss schließlich auch jede sinnvolle historische Einordnung zeitgenössischer Interpretationsleistungen auf der Strecke bleiben.
Die verhinderte Schauspielerin pflegt in diesem Buch ihre ideologischen Reflexe gegen angebliches Star-Theater und Weihestunden, Schönspielerei und bequem konsumierbare Freierabendkunst(!?) und für eine Musik, die unbedingt sozialkritisch und beunruhigend zu sein hat. So strotzt das Buch geradezu von Platitüden, während es jeden Ansatz einer nachvollziehbaren Detailanalyse - schweige denn anhand von Notenbeispielen, die vollständig fehlen - vermissen lässt. Wem dieses Buch dabei dienen soll, ist nicht vollziehbar. Wer sich in der Geschichte der Orchester- und Operninterpretation der zurückliegenden 100 Jahre auskennt, windet unter den in diesem Buch getroffenen Auswahlen und Wertungen. Wer sich in dieser Kunst ernstmals einen Überblick verschaffen will, ist verloren. Das Buch ist damit nicht nur überflüssig, es ist schlecht.
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