Gekauft hatte ich mir dieses Kochbuch im Oktober 2010, weil ich neugierig auf die französische Küche des 19. Jahrhunderts war. Es handelt sich - wie in der Einleitung beschrieben - um die deutschsprachige Erstübersetzung, allerdings in gekürzter Form. Der Briefwechsel zwischen Dumas und seinem Freund und Ratgeber Vuillemot fehlt. Des Weiteren sind Beispiele für Menüs großer Empfänge nicht enthalten.
Der Aufbau ist alphabetisch. Es beginnt mit A wie Aal und endet mit Z wie Zwiebelsuppe. Es werden aber nicht nur Rezepte, sondern auch Küchenutensilien oder Zutaten erläutert. Abgeschlossen wird das Buch mit einem Glossar zu den wichtigsten Begriffen sowie einem Inhaltsverzeichnis. Aber Achtung: die Rezepte sind nicht immer sehr ausführlich. Wer exakte Angaben zu Backzeiten, Backtemperatur, etc. benötigt, wird nicht glücklich werden. Vielmehr kann man den Inhalt als Inspiration verstehen.
Erst vor kurzem hatte ich mir spezielle Backformen für Baguette gegönnt (
Birkmann 210141 Baguette-Blech, 38.5 x 28 cm). Das dort mitgelieferte Rezept war etwas sehr kompliziert in seinen Vorteig/Hauptteig und Knet-Anweisungen. Natürlich habe ich daraufhin auch einen Blick hier hinein geworfen. Unter B wie Baguette war nichts zu finden. Ein paar Seiten weiter fand ich dann aber die Französischen Brotstangen. Nur welch eine Überraschung! Gesiebtes Mehl so viel man mag ... das mit Milch (!) verrührt wird, warmer Butter (!), etwa einem halben (!) Pfund Hefe und Salz. Mir scheint, die französische Küche hat sich seit dem 19. Jahrhundert erheblich weiter entwickelt. Das war dann doch eine etwas ungewöhnliche Zusammensetzung. Ausprobiert habe ich diese französischen Brotstangen jedenfalls nicht, sondern mein
Brot für Genießer: 53 Variationen-Buch zur Hand genommen.
Man sollte also nicht mit allzu hohen Erwartungen an dieses Buch gehen. Manches sind ausgezeichnete Inspirationen. Manches bringt einen nur zum Stirnrunzeln. Auf jeden Fall ist es aber interessant zum Schmökern, was die Franzosen anno dazumal unter anderem so auftischten: Bluthuf! Gratinierte Rindszunge! Oder doch gespickte und gebratene Rindszunge? Wie wäre es mit Ket-chop, einer Sauce, die aus Champignons besteht und zu Fisch gereicht wird? Pelikan oder doch lieber Pfau? Zum Beispiel gebratener Pfau in saurer Sauce. Alexandre Dumas gesteht an dieser Stelle übrigens, dass er nur einmal in seinem Leben Pfau genossen hat. Zwischendurch fliessen nämlich auch immer wieder seine Erinnerungen und Erlebnisse ein.
Was kann man also anwenden? Es gibt gerade bei den verschiedensten Fischen und Fleischgerichten, auch bei diversen Gemüsesorten sehr vielfältige und auch praktikable Vorschläge. Überraschend praktikabel sogar, wenn man mit Angaben wie "auf kleiner Flamme köcheln" oder "sind die Rouladen gar" etwas anfangen kann. Es ist also nicht unbedingt ein Buch für Kochanfänger.
Noch ein paar Worte zum Buch selber: die Bindung ist hervorragend. Positiv ist, dass es aufgeschlagen liegen bleibt. Ein Lesebändchen ist vorhanden und ein Schuber zur Aufbewahrung. Es sind nur sehr wenige Zeichnungen vorhanden, die NICHTS mit den Gerichten zu tun haben.
Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!