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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Informationsarme Polemik trifft geringen Sachverstand,
Von Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 10 REZENSENT) (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der große Raubzug: Wie im Windschatten der Weltfinanzkrise die Staatskassen geplündert werden (Broschiert)
Wenn man verfolgt, wie die politischen Elite oder die Medien mit der gegenwärtigen Wirtschaftskrise umgehen, dann kann man nur verblüfft feststellen, dass ganz einfache und nahe liegende Fragen weder gestellt geschweige denn beantwortet werden.
Deutsche Politiker, die gerne den moralischen Zeigefinger erheben, könnte man einfach einmal fragen, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass die Risikomanager der staatlichen Landesbanken nicht merkten, dass ihnen amerikanische Schrottanleihen in Größenordnungen mehrerer Landeshaushalte untergeschoben wurden. Und: Warum mussten sich eigentlich Landesbanken, die für die Finanzierung der Wirtschaftstätigkeit in den jeweiligen Bundesländern verantwortlich sein sollten, an hochriskanten Geschäften mit solchen Schrottanleihen beteiligen? Warum mussten dafür extra Tochtergesellschaften im Ausland gegründet werden? Wieso erkannten die in den Aufsichtsgremien sitzenden Politiker die angebliche Gier ihrer Bankmanager nicht? Und war nicht der gegenwärtige Finanzminister einst Oberaufseher der West LB? Wir lernen vom Autor des vorliegenden und leider reichlich polemischen Buches, dass es ausgerechnet Herr Steinbrück war, der zu Zeiten seiner Herrschaft in NRW die West LB auf den Handel mit strukturierten Finanzprodukten einschwor, die sich später als der krankmachende Virus erwiesen haben. Der Autor möchte mit diesem Buch beweisen, dass es einen "verschwiegenen Zirkel von Politikern und Bankern" in Deutschland gibt, der bereits seit Jahren die Sanierung der Staatsfinanzen verhindert und die gegenwärtige Krise nun dazu nutzt, um immer tiefer in die Staatskasse zu greifen. Auf den ersten 70 Seiten geht er den wichtigsten Empfängern von Mitteln aus dem Bankenrettungsfond nach. Das einzig wirklich Greifbare daraus ist jedenfalls für mich die keinesfalls neue Erkenntnis, dass vor allem in den staatlichen Banken jede Menge hoch bezahlte Inkompetenz herumsitzt. Charakteristisch für den diffusen Stil des Autors ist beispielsweise das Kapitel mit der Überschrift "Warum es in Deutschland keine Finanzaufsicht mehr gibt". Natürlich gibt es in Deutschland noch eine Finanzaufsicht. In seinem Text geht es dem Autor allein um die Verwaltung des "Bankenrettungsfond", die er zu Recht als inkompetent darstellt. Was aber ist daran neu? Wer sich in einer Bundestags-Partei hochgedient hat, kann erwiesenermaßen alles werden, selbst wenn er Studienabbrecher ist. Darüber muss man nicht seitenlang und ohne wirkliche neue Informationen fabulieren. Auf Seite 99 lernen wir dann etwas über das Wirtschaftsverständnis des Autors: "Wenn der deutsche Staat ausreichend Steuern erhoben hätte, wäre sie (die Staatsverschuldung, R.M.) in dieser Größenordnung gar nicht entstanden." So einfach ist das also: Der Staat muss nicht sparen oder sinnvoll wirtschaften. Wenn er nicht genug Knete hat, dann greift er eben seinen Bürgern noch tiefer in die Tasche. Sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Ansonsten muss der Staat neue Schulden machen, um alte bedienen zu können. Das geht spätestens dann schief, wenn niemand mehr deutsche Staatsanleihen kaufen will. In den folgenden Kapiteln geht der Autor auf die haarsträubende deutsche Mittelstandspolitik der letzten Jahrzehnte ein. Wenigstens hier leistet er einige Aufklärungsarbeit. Der Mittelstand, der in Deutschland fast 80% der nationalen Wirtschaftsleistung erbringt, hat keine politische Lobby. Die sowieso schon schlechte Förderquote wird infolge des Landesbankendesasters noch geringer ausfallen. Und das ist wirklich schlimm, da kleine und mittlere Unternehmen in der Regel keinen Zugang zu den weltweiten Kapitalmärkten besitzen, aber zur Finanzierung ihrer Unternehmenstätigkeit auf Kredite und Förderungen angewiesen sind. Der Autor behauptet, die Landesbanken wären wegen ihrer geringen Kapitalausstattung förmlich gezwungen gewesen sich am großen Spiel zu beteiligen, von dem sie leider keine Ahnung hatten. Man kann es drehen und wenden wie man will, übrig bleibt immer das komplette Versagen der politischen Elite. In den folgenden Kapiteln befasst sich der Autor in der ihm eigenen recht merkwürdigen Logik mit der Besteuerung von Kleinverdienern und dem angeblichen Versagen der deutschen Volkswirtschaftler. Interessanterweise bedient er sich fortwährend einer besonders bei Politikern beliebten Methodik. Er stellt eine Frage in den Raum und beantwortet anschließend eine ganz andere. Dem informierten Leser ergeht es dann wie in einer Talkshow. Er ist nur noch damit beschäftigt die unzähligen, oft nur suggerierten Scheinkausalketten zu entwirren, die eine vorher festgelegte Botschaft stützen sollen, während der andere unaufhaltsam weiterplappert. Spätestens nach der Hälfte des Buches wird auch klar, dass es dem Autor eigentlich gar nicht um die Finanzkrise geht. Er hat sie noch nicht einmal wirklich verstanden. Sie ist lediglich das Vehikel, um seine Botschaft in schärferem Licht erscheinen zu lassen. Und diese Botschaft lautet: Die Bundesregierung ist "systemisch" korrupt. Dazu teilt er die deutsche Gesellschaft in zwei disjunkte Gruppen ein: in die Marktfreien und die Marktteilnehmer. Die Marktfreien sind Menschen, deren persönliche Einnahmen und Altersvorsorge nicht von den Schwankungen des Marktes abhängen. Dazu zählen unter anderen Beamte und HartzIV-Empfänger ("Ein-Euro-Beamte"), aber auch Reiche und allerlei andere Bösewichte. Der Autor behauptet nun, dass die Staatsverschuldung deshalb steigt und zur Katastrophe führen wird, weil alle Bundesregierungen seit zwei Jahrzehnten die Gruppe der Marktfreien mit allen Mitteln stützen. Deshalb seien diese Regierungen systemisch korrupt. Ohne Zweifel sind viele Argumente des Autors durchaus richtig. Allerdings stellt er in seinem Text immer wieder getreu seiner Methode Zusammenhänge her, die so nicht unbedingt existieren. Es ist unmöglich auch nur auf ein Beispiel einzugehen, weil allein dies schon den Rahmen dieser Rezension sprengen würde. Nur soviel: Der Autor möge sich doch beispielsweise einmal die darüber informieren, welche Eigenvorsorge ein Kleinselbständiger mit dem Einkommen eines durchschnittlichen Angestellten betreiben muss, damit er dieselbe Rente und dieselbe Versorgung im Krankheitsfall wie der Angestellte erhält. Vielleicht vergleicht er das dann einmal mit den entsprechenden Beiträgen des Angestellten. Und wenn wir schon einmal dabei sind, sollte dann auch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit und die realisierten Urlaubstage gegenübergestellt werden. Herauskommen wird bei den Beiträgen wenigstens der Faktor zwei und bei der Freizeit die Hälfte. Kleinselbständige sind zwar keine Marktfreien, aber auch irgendwie Bösewichte, weil sie nicht in die Sozialkassen einzahlen müssen. Dafür erhalten sie aber auch nichts und müssen sich teuer selbst versorgen. Ich möchte mich auch nicht weiter dazu äußern, dass sich Diplom-Soziologe Dill anmaßt, sich über die angeblichen Irrlehren der Volkswirtschaftlehre auszulassen. Der Autor trifft mit vielen seiner Behauptungen durchaus sehr wunde Punkte. Leider ist ihm aber offensichtlich nicht bewusst, dass sein Kenntnisstand in vielen in diesem Buch angeschnittenen Bereichen nicht besonders hoch ist. Fazit. Dass die Staatskassen Deutschlands geplündert werden, steht außer Frage. Seit der Finanzkrise scheinen die Dämme nun völlig gebrochen zu sein. Darauf weist der Autor zu Recht hin. Auf der anderen Seite sind viele seiner Argumentationsketten sehr zweifelhaft. Sein Informationsgrad erweist sich bei den meisten Problemen als nicht sehr hoch. Wahr ist, dass Deutschland an der gesellschaftlichen Mitte und dem Mittelstand als wirtschaftlichem Motor völlig vorbeiregiert wird. Das ist eine der richtigen Thesen des Autors. Daraus hätte er ein besseres Buch machen sollen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Tacheles,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der große Raubzug: Wie im Windschatten der Weltfinanzkrise die Staatskassen geplündert werden (Broschiert)
Das war klar - wie der Titel vermuten lässt, - handelt es sich hier um eine Polemik.
Eine Polemik die bitter nötig erscheint, - kommen doch die Medien (Zeitung und TV) ihren Aufgaben nicht nach, die sie in einer Demokratie haben sollten. In dem Buch werden ohne Umschweife die (bekannten) Namen derjenigen genannt, die der Autor aufgrund (jeweils schriftlich belegbaren) Quellangaben für die Schuldigen der Finanzkrise hält, die letzlich eine Systemkrise unserer Demokratie ist. Die Böcke spielen sich als Gärtner auf. Die Unterscheidung bestimmter Einkommensgruppen in "Marktteilnehmer" und "Marktfreie" belegt er plausibel, auch wenn dies manchmal nicht durchgängig und tendenziös erscheint. Es ist zumindest ein 'Ansatz', den ich in dieser Form noch nicht kannte und der zu einigem Nachdenken angeregt hat. Die Mär vom "Reformstau", der als Kampfparole gegen "verschlafene Maktteilnehmer" gedacht war, erfährt unter diesem Ansatz eine völlig unerwartete (aber scheinbar bitter nötige)Wendung - gegen diejenigen die ihn beklagen (die "Marktfreien") Das Volkswirtschaft eine Pseudowissenschaft ist, das hatte ich schon länger in Verdacht und wurde vom Autor gut herausgearbeitet, auch wenn diese Erkenntnis für viele sicher nicht so leicht zu verdauen ist. Das er die 'Beobachterabhängikeit' von Wahrnehmungen und Entscheidungen mit dem Meßproblem in der Quantenphysik vergleicht, finde ich bemerkenswert! Da zur Zeit - auf allen Ebenen unserer Gesellschaft - viel auf dem Spiel steht, muss auch mal tacheles geredet werden. Lobbyisten hatten nie diese (falsche) Scheu um ihren "Seilzug" zu führen. Nur so kommt vielleicht endlich etwas Bewegung in "das Standbild" und man ist sich nicht nur beim "gemeinsamen Geldausgaben zu Lasten Dritter" (der kleinen Leute) einig, - so wie es die Regierenden tun, um keine Unruhe beim Volk zu verursachen und die Wahlen (wieder) unter sich auszumachen. Ein Buch zur gegenwärtigen Krise muss nicht in allen sachlichen Belangen richtig liegen (das tut keines), aber es muss zu einem kritischen Nachdenken anregen, aus dem dann vielleicht Alternativen erwachsen können. Und das tut dieses Buch Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der GROSSE RAUBZUG,
Von Marcus Banker (Frankfurt/Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der große Raubzug: Wie im Windschatten der Weltfinanzkrise die Staatskassen geplündert werden (Broschiert)
Alexander Dills Ausführungen zum großen Raubzug im Windschatten der Finanzkrise sind bestechend argumentiert und zugleich erschreckend. Zugegeben, mit einer gehörigen Portion Anklagerhetorik zeigt der Finanzexperte schonungslos, was seiner Meinung nach in Deutschland derzeit schief läuft. Dabei schreckt er nicht vor klaren Schuldzuweisungen zurück. Er nennt Namen, Fakten und lüftet den Schleier, der seiner Meinung nach die Lücke(n) unserer Staatskasse gnädig verdeckt. Durch unangenehme Fragen und unbequeme Antworten spricht er aus, was viele renommierte (Finanz)Wissenschaftler längst wissen, was so manche Polit-Akteure in unserem Lande jedoch geflissentlich ignorieren oder mit ihrem geschulten Kameralächeln vom Tisch zu wischen versuchen. Realität trifft in diesem Buch ganz klar weichgespülter Schönrederei und wird zu einem Augen öffnenden Dokument des Versagens von Politik und verschiedenen Interessengruppen aus dem Banken- und Wirtschaftsbereich. Schönfärberei und medial verbreitetes Werbelächeln von Politikern aber auch Finanziers und unseriöser Bänker enttarnt Dill durch bestechende Argumente. Den Schönrechnereien und Idealbeispielen, die für die Richtigkeit so mancher Fehlentscheidung ins Feld geführt werden, stellt der Autor Beispiele entgegen. Damit verdeutlicht er die Fragwürdigkeit so manchen derzeitig aufgeführten Possenspiels. Auch Teilen der Wirtschaftswissenschaft stellt Dill dabei ein schlechtes Zeugnis aus. Es ließen und lassen sich, so Dill, ganze (staatlich bezahlte) Wirtschaftsforschungsinstitute und ihre Professoren zu Propagandamaschinen im Auftrag von Interessengruppen degradieren. Mit gefährlichen Konsequenzen. Die Schere die sich zwischen Arm und Reich immer weiter auftut und die ungerechte Umverteilung von unten nach oben wird in diesem Buch beschrieben. Kritische Fragen werden an die derzeitige Entwicklung angeschlossen: Wie steht es um die viel gepriesene soziale Marktwirtschaft in Deutschland? Wie kam es dazu, dass unser Sozialstaat immer weiter untergraben wird? Wer trägt daran die Schuld? Was können wir aus dem derzeitigen Raubzug lernen? Gibt es einen Weg zurück? Auf der Suche nach neuen Positionen zum derzeitigen Finanzdebakel? Lust auf die andere Seite der Medaille, um die derzeitige Lage richtig einschätzen zu können? Hier redet einer Tacheles zum Thema internationale Verflechtungen und Weltfinanzsystem, zum Staatsversagen und zur Gefährlichkeit von gedankenloser Schönfärberei. Auch vor Korruptionsvorwürfen schreckt der Autor hier nicht zurück. Wen man die Mitte finden will, kann diese sauber argumentierte und polarisierende Gegenposition zum gängigen Wissen wahrlich nur helfen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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