Boxer kämpfen mit Fäusten, Intellektuelle mit Worten, mag mancher denken, der diese Sammlung liest. Aber die Interviews und Gespräche zwischen Enzensberger und seinen verschiedenen Partnern (nicht immer Journalisten) sind mehr als nur geistige Duelle. Sie sind auch und zuerst ein Stück Zeitgeschichte, das es wert ist, in Buchform tradiert zu werden. Hier spricht einer der beweglichsten politischen Intellektuellen der Nachkriegszeit über die Entwicklungen in Deutschland und Europa, über eigene Projekte, über die Globalisierung und manchmal auch, man höre und staune, über sich selbst. Obwohl es sich immer um Gespräche handelt, um verbale Momentaufnahmen also, kommt der Leser in den Genuss einer Mischung aus Interview, Tagebuch und Zeitgeschichte, und er wird nicht enttäuscht. Dass das Buch mit einem späten Interview von 2005 beginnt und einem frühen von 1970 endet, ist kein Zufall. Es ist so näher am Puls der Gegenwart und des Autors und lädt den Leser ein, noch einmal rückwärts durch die Zeiten zu wandern und selber zu entscheiden, wo er sich länger aufhalten und womit er sich intensiver beschäftigen will. Ich bin dieser Einladung gerne gefolgt.