In wenigen Tagen beginnt die Fastenzeit. Diese Periode des Jahres wird auch von Nicht-Katholiken zum Anlass genommen alle süßen Gaumenkitzler aus der Wohnung zu verbannen, um so der Gesundheit, wie auch der Eitelkeit Tribut zu zollen.
Nicht jedes Rezept, das man liest und nicht jede Abbildung in einem Kochbuch, die man lustvoll anschmachtet, muss dazu führen, dass man in der Küche aktiv wird und sich anschließend dem Ess-Verhalten des berüchtigten Gargantua annähert. Es geht auch anders!
Gerade die Fastenzeit macht es erforderlich, dass man von gemaltem Kuchen satt wird.
Dieses Buch - im April wird es als Taschenbuch erscheinen- eignet sich vortrefflich für Vorhaben dieser Art. Natürlich muss ich Sie warnen.
Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf, doch bleiben Sie stark! Wie Sie sicher wissen, finden die wahren Abenteuer bekanntermaßen im Kopf statt.
Bevor sich die Autoren mit den köstlichen Rezepten dieser edlen Desserts befassen, berichten sie zunächst von der Geschichte des Zuckers, die vor 15000 Jahren in Neuguinea begann. Bis zur industriellen Verarbeitung von Rohr- und Rübenzucker musste ein langer Weg gegangen werden, über den man hier nachhaltig informiert wird. In der Folge lernt man den qualitativen Unterschied zwischen weißem und braunen Zucker kennen und wird unterrichet wie man Zuckersirup herstellt. Dieser ist eine essentielle Zutat für besonders feine Desserts.
Ein weiteres Thema sind Früchte. Sie erfahren alles über deren Herkunft, über die Erntezeit und über die Besonderheiten der einzelnen Fruchtsorten. Sie lernen neben seltenen einheimischen auch eine Vielzahl exotischer Früchte kennen und erschmecken die Aromen beim Lesen sprachlich.
Die aromatischen Reinclauden gedeihen nur in bestem Weinbauklima und wurden nach einer französischen Königin benannt. Dies erklärt, weshalb sich die Franzosen selbst bei der Verpackung kandierter Leckereien aus besagter Frucht so viel Mühe geben.
Zu Heilzwecken wurde von den Ureinwohnern Paraguays die Ananas verwendet. In europäischen Küchen wird sie nicht grundlos als Königin der Früchte gehandelt.
Bevor Sie über Dessertgewürze aufgeklärt werden, lernen Sie Tamarinden, Mellowfrüchte und Longanen schätzen.
Zimt und Vanille aber auch Bittermandel, Safran und Kardamon runden neben Likören , Obstbränden und Champagner so manches Dessert erst ab. Hier gilt es Fingerspitzengefühl bei der Dossierung zuzulassen!
Grundlage feiner Nachspeisen sind nicht selten Cremes. Wollen Sie wissen, wie man eine " englische Creme" , eine " Creme au Caramel" oder gar eine " Bayerische Creme" zubereitet? Die Autoren sagen es Ihnen und zeigen Ihnen durch Fotos die einzelnen Arbeitsschritte.
Wenn man sich ein wenig bemüht, schafft man es beinahe spielend eine " Bayerische Creme Vanille mit Erdbeersauce"( bestehend aus frischen pürierten Erdbeeren, 4cl Zuckersirup, 2 cl Cognac)perfekt zubereitet auf den Tisch zu zaubern und mit geschlagener Sahne und frischen Erdbeeren zu garnieren.
Ein süßes Erlebnis muss auch immer ein Fest für die Augen sein!
Wie man Löffelbiskuits, Baiser, Brandteig und eine Hippenmasse gekonnt zuwege bringt, wird Ihnen ebenso erklärt , wie das Kreieren von Fruchtsaucen und exzellenten Weinschaumsaucen , wie etwa einer französischen Sabayon, einer italienischen Zabaione und einem österreichischen Weinchadeau.
Haben Sie schon mal " Reis Trautmannsdorff" oder " Griesflammeri mit Brombeeren" zubereitet? Nach der Lektüre dieses Buches werden diese beiden Dessert gewiss zu ihrem Flammeri-Repertoire gehören. Auch ältere Zuckerschnäutzchen mögen dererlei, wie ich beobachten konnte.
Haben Sie wenig Zeit, können Sie Ihre Lieben mit "Petits fours mit frischen Früchten" oder " Mangos mit Tamarillosauce" verwöhnen.
Sollten Sie Gäste im Mai erwarten, dürfen diese sich möglicherweise über eine " Erdbeer-Charlotte" freuen . Jetzt im Februar könnte ein " Saint-Honore-Törtchen" ( aus Brandteig, gefüllt mit himmlisch schmeckender Vanillencreme) oder ein delikates " Souffle Cointreau " , vielleicht auch ein warmer Apfelstrudel, nach dem Rezept eines österreichischen Strudelspezialisten bei den Gästen für gute Laune sorgen.
Für Ihren Lieblingsmenschen kreieren Sie vielleicht demnächst einen " Marillen- Palatschinken " oder einen " Normannischen Crepe" , den Sie mit Calvados-aromatisierten Äpfeln füllen.
Einer meiner Lieblingsmenschen, mein schon seit langem verstorbener Urgroßvater, erfreute mich als Kind mitunter mit böhmischen " Liwanzen" mit Powidl- Füllung. Dieses Rezept habe ich im großen Buch der Desserts wiederentdecken dürfen.
Wenn die Fastenzeit beginnt, gibt es allerdings noch nicht einmal ein leichtes " Grapefruit-Sorbet" und " Spoom von Sautern" ist ohnehin tabu! Auf " Campari-Gelee" dürfen Sie sich an Ostern wieder freuen und " Hollerküchle" gibt es eh erst wieder , wenn der Holler blüht.
Natürlich dürfen Sie von einem "Eissouffle Benedictine" träumen und sich Gedanken darüber machen, wie Sie demnächst Ihren "Profiteroles" den letzten Pfiff geben.
Sie dürfen von alle Früchten, die Sie neu kennengelernt haben, naschen, an den Zimtstangen schnuppern( das soll beruhigend wirken!) und sich täglich der Rezepte und vielen schönen Bilder dieses Buches erfreuen.
Das dürfen Sie ....aber mehr auch dürfen Sie nicht!
Sehr empfehlenswert!