Gebraucht kaufen
Gebraucht - Gut Informationen anzeigen
Preis: EUR 3,54

oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
 
   
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Die graue Taube. Roman über das Verbrechen
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Die graue Taube. Roman über das Verbrechen [Restexemplar] [Gebundene Ausgabe]

Sandor Tar
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe, Restexemplar --  
Unbekannter Einband --  

Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1 (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 382180467X
  • ISBN-13: 978-3821804675
  • Größe und/oder Gewicht: 22,8 x 12,8 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.523.861 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das bisschen Zeit

Sándor Tar kultiviert die Ungemütlichkeit

Der Titel klingt heiter und lässt infolgedessen Fehlschlüsse auf den Inhalt zu: «Ein Bier für mein Pferd» . Sándor Tars ungarische Dorfgeschichten sind ausgesprochen ungemütlich. Er erzählt von einer Handvoll in Dürftigkeit und Bedrängnis lebender Menschen, deren Hauptmerkmal – wie eine alles bestimmende Charaktereigenschaft – ihre Armut ist.

Manche besitzen Ackerland, das ihnen nichts einbringt, ebenso geht es mit der Viehhaltung: «Die Kühe hat der Staat wegschlachten lassen, wer sie behielt, darf melken, füttern, ausmisten, aber die Milch will keiner. Schweinemast lohnt sich auch nicht, das Futter ist teuer, und mal kauft der Schlachthof auf, mal nicht.» Doch nicht die Verzweiflung beherrscht die von den – immer nur beiläufig erwähnten – politischen Verhältnissen in die Enge Getriebenen, sondern der Alkohol, der als Antidot gegen Unglück aller Art eingesetzt wird. Da das Unglück in der «Krummen Strasse» gross ist und viele Erscheinungsformen kennt, wird nicht nur getrunken, es wird gesoffen. Auch ein Pferd ist bei den Gelagen, die schon vor Morgengrauen mit ersten Schnäpsen beginnen, mit von der Partie; das titelgebende Tier trinkt keine Spirituosen, nur Bier. Im Alkoholnebel erscheint Ross und Reiter, Mann und Frau, die ganze Welt in einem anderen Licht: nicht notwendigerweise in einem rosigen, aber in einem erträglicheren.

Lebenskatastrophen

Mit demselben Sinn für makabren Witz, in derselben Sprache, die auch sie sprechen, schildert Sándor Tar das Leben seiner traurigen Gestalten: Der Erzähler, dessen Ich-Figur nur einmal bescheiden in einem Nebensatz auftaucht, ist offenbar eine von ihnen. Kapitel für Kapitel widmet er den schleichenden Lebenskatastrophen der Hoffnungslosen, deren Wege sich hin und wieder auf unspektakuläre Weise kreuzen.

Da ihre fast einzige Aktivität im Trinken besteht, passiert wenig. Einem der Dorfbewohner, Lajos, setzt dieser Umstand besonders zu. Obwohl stets im bewegten Kampf gegen den allumfassenden Mangel und nebenher beschäftigt mit absurden practical jokes, ist er im Grunde lebensmüde: «Eigentlich fehlt mir nichts, nur das bisschen Zeit sollte endlich vergehen, das ich noch vor mir hab.» Neben den Schrecken der Armut ist Stillstand ein Thema dieses Buches, das langsame Verrinnen der Zeit. Doch Sándor Tar deutet den literarisch ergiebigen Null-Zustand nicht aus. Er überfüllt sein Buch mit Dingen und den Schneckenbewegungen der Ereignislosigkeit und gibt sich seiner offenkundigen literarischen Stärke, der Beschreibung, hin: Er tut dies in rustikaler, klarer Sprache; er umkreist unablässig die Schrecken des Alltags und türmt sie zu einem monströsen, möglicherweise bewusst grotesken Berg von Furchtbarkeiten auf. Das ist gekonnt gemacht, erzielt beim Lesen eine phantastisch niederdrückende Wirkung, doch zugleich ein Gefühl des Ungenügens an diesem Buch. Denn über das sardonische Elendsprotokoll geht es sprachlich und gedanklich kaum hinaus.

Andererseits, und das ist die positive Kehrseite dieses allzu statisch geratenen (Ex-)Arbeiter-und- (Ex-)Bauern-Panoramas, verklärt der Autor seine Figuren ebenso wenig wie die Situation, in der sie leben. Kein versöhnlicher Gestus suggeriert, dass die misslichen sozialen Verhältnisse durch ein erhöhtes Mass an (Mit-)Menschlichkeit aufgewogen oder kompensiert werden. Im Gegenteil erzählt Sándor Tar von der Zerrüttung aller Beziehungen durch das Elend der äusseren Lebensbedingungen. Von Zusammenrücken und erhöhtem Gemeinsinn kann in keiner Weise die Rede sein. Das Dorf besteht viel eher aus einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe von Individuen, die gerade das Leiden unter der Entbehrung vieles Lebensnotwendigen vereinzelt: Armut und fast gänzliche Hoffnungslosigkeit im Hinblick auf Veränderung der Lage bestimmen das Lebensgefühl; sie machen aus denen, die sie betreffen und manchmal zerbrechen, keine besseren Menschen. Für Freundschaften ist kein Platz, die Familien funktionieren nicht mehr. Frauen werden geschlagen oder vernachlässigt, Töchter und Söhne missbraucht, Tiere verhungern im Keller oder in den Ställen: eine Hölle im Kleinen.

Auch in seinem Roman «Die graue Taube» kultiviert der ungarische Autor den geschärften Blick fürs Hässliche, Bösartige und Makabre, nur verlegt er die Stätte des Entsetzens vom Dorf in die Stadt. Die menschlichen Beziehungen sind ebenso desolat, doch die Misere der «Krummen Strasse» ist, man hätte es kaum für möglich gehalten, noch steigerungsfähig. In der «Grauen Taube» ist die Welt nicht nur schlecht, sie befindet sich geradezu im Zustand des Zerfalls. Nur die ersten paar Zeilen erwecken noch den Eindruck relativer Normalität: Eine Familie sitzt beim Sonntagsessen, streitet sich über Alltägliches, als die Tochter plötzlich über Nasenbluten klagt. Es wird so schlimm, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden muss und dort stirbt: Sie ist eines der ersten Opfer einer geheimnisvollen Epidemie, die in der Stadt um sich greift.

Endlose Reihe

Sándor Tar vollzieht im Folgenden nicht etwa die Geschichte der Familie nach. Er nennt vielmehr unzählige Beispiele ähnlicher unerklärlicher Todesfälle, die alle unerwartet und scheinbar grundlos in den Alltag einbrechen. Unter dem Deckmantel der Epidemie werden zahlreiche Verbrechen verübt; wer verunfallt, ermordet wird oder der Krankheit anheim fällt, lässt sich kaum noch klären. Säuberlich werden die Ereignisse im Roman aufgelistet, als endlose Reihe von Sterbe-Varianten, die ihre ebenso nachdrückliche wie zugleich ermüdende Wirkung kaum verfehlt. Noch vor der soundsovielten Fallschilderung ist die dichterische Aussage begriffen und das Ende vieler Kurzkapitel schon von Anfang an absehbar: Die grosse Katastrophe setzt sich einerseits aus einer Vielzahl von kleinen zusammen und zieht andererseits weitere Desaster nach sich. Die aber entwickeln, dem Dorfroman ähnlich, keine epische Sogwirkung, sondern treten ein bisschen brav nebeneinander auf der Stelle.

Dazu trägt die Architektur des Romans bei, die Aufsplitterung in kleine, oft unterschiedliche Handlungsstränge verfolgende Absätze und der Stakkato-Stil der kurzen, atemlosen Sätze, die oft weniger pointiert sind, als sie zu sein vorgeben. Anders als im Dorfroman schleichen sich dieses Mal in die Nüchternheit suggerierende, knappe, deskriptive Sprache auch Sentimentalitäten ein. Ein Kriminalbeamter macht sich auf die Suche nach den Urhebern der im Windschatten der Epidemie verübten Verbrechen und ragt aus dem Täter- und Opfer-Sammelsurium als kuriose Identifikationsfigur hervor. Kommissar Molnár ist ein mit peniblem Fleiss geschilderter Antiheld, der sich ungern aus dem Bett bewegt, dem Alkohol zugeneigt ist, die Blumenvasen seiner Wohnung als Pissoir benutzt, vom Erzähler arrogant und zynisch genannt wird, aber offenbar trotzdem ein goldenes Herz besitzt, wie der Leser andererseits glauben soll: ein Schmuddel-Bogart, den man wie so manchen und manches in Sándor Tars an Übertreibungen reichen Büchern als Parodie lesen könnte. In seiner streng riechenden Wohnung erlebt Molnár den Beginn einer Affäre mit einer Kollegin, die sich zur Herzensangelegenheit entwickelt: aus jedem Thriller – nur in besser parfümiertem Ambiente – Geläufiges also. Wie überhaupt die Wege seiner Ermittlungen, welche die zweite Romanhälfte bestimmen, das apokalyptische Szenario zum Krimi mit mässigem Unterhaltungswert zusammenschrumpfen lassen.

Marion Löhndorf

Kurzbeschreibung

Eine Epidemie versetzt die Einwohner einer Kleinstadt in Panik: Menschen verbluten innerhalb kürzester Zeit. Gleichzeitig werden Tauben aggressiv, attackieren einander und verbluten ebenfalls. Jede Ordnung scheint außer Kraft gesetzt. Immer mehr Menschen werden vom Strudel vollkommener moralischer Verwahrlosung mitgerissen. Die Polizei gleicht den kriminellen, die sie verfolgen soll, aufs Haar. In dieser Situation wird Molnßr beauftragt, den Mann zu finden, der die Epidemie offenbar bewußt ausgelöst hat... In Tars Parabel gibt es keine klare Trennung zwischen Gut und Böse. Jäger und Gejagte wechseln je nach Situation, es entsteht eine Intensität, die ins schier Unerträgliche wächst. Passagen voll schwarzen Humors und morbider Ironie kontrastieren mit rasanten Verfolgungsszenen. Sßndor Tar stellt mit diesem Buch ein überragendes literarisches Können unter Beweis.

Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden

 (Was ist das?)
Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
 
(1)

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

5 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Furchtbare Todesfälle in einer ungarischen Kleinstadt. Menschen verbluten aus Ohren, Nasen, Mündern, Harnröhren. Tauben attakieren sich gegenseitig bis sie im Schnee verbluten.

Als der Verdacht einer Epidemie ausgeschlossen wird und eine Frau vom Kirchturm stürzt, wird Kommissar Molnar eingesetzt. Er trinkt gerne mal einen Schnaps im Dienst und war mit der Frau eines Schwerverbrechers liiert. In der Pathologie liegen die verbluteten Leichen, schlampig obduziert, in einem Kühlraum chaotisch übereinandergeworfen. Dort entdeckt Molnar unter der Nase eines Jungen Einstichspuren, Spuren von Frau Escedis Stricknadeln, die dem Kind das Gehirn durchbohrten.

Es gibt auch einen sadistischen Polizeibeamten, der einen Verdächtigen unter Todesandrohungen ein Teilgeständnis entlockt. Ein mysteriöser "Taubenmann" soll für die Todesfälle verantwortlich sein, und wer ist der Mann mit der Hasenscharte, der im Sog des Bösen über Leichen geht. Dem Sog kann sich niemand entziehen. Mörderische Instinkte pusten Hemmschwellen in den Wintertag. Menschen morden ihre unliebsamen Mitmenschen.

Eine Menschlichkeit in dieser Unmenschlichkeit ist das erste erotische Erleben eines Zigeunerjungen und einer Dreizehnjährigen. Daß der Junge seinen besoffenen Vater mit einem Taubenfraß vergiften will, ist hier Nebensache. Das erotische Knistern in dieser Passage wiegt alles auf.

Der Autor schildert Verbrechen wie sie sind: Eiskalt und brutal. Das entsetzt. Niemand will mit solchen Brutalitäten zu tun haben. Mit dieser Wirkung wendet sich der Roman eindeutig gegen das Verbrechen. Wenn dann nach 300 rasant geschriebenen Seiten der letzte Bösewicht ins Gras beißt, kommt sogar Hoffnung auf, eine Friedenstaube könne den Himmel erobern. Diese Hoffnung haben wir am Ende unseres 20. Jahrhunderts bitter nötig.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein dunkler Sog 16. November 2007
Von Udo Kaube
Format:Gebundene Ausgabe
"Die graue Taube" ist von der Sorte Bücher die man eigentlich nicht weiter lesen will aber einfach nicht aufhören kann weil man wissen möchte wie der Wahnsinn aufhört.
Sandor Tar wirft den Leser von der ersten Seite an in einen dunklen Sog aus Gewalt und Erotik, der ihn immer tiefer in eine kalte und unverständliche Welt zieht.
Wer Franz Kafka zu schätzen weiß, wird hier begeisternden Lesestoff entdecken.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Fingerübung 20. Oktober 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Die ewige Wiederkehr des Gleichen - wäre dieser Text eine Kurzgeschichte, wäre er eindrucksvoll, so aber, als Roman, steht es dem geneigten Leser schon vor der Hälfte bis oben. Abgezirkelte Sätze, die, hat man das Schema erst einmal durchschaut, nur noch manieriert wirken, machen den Eindruck auch nicht besser.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Kundenrezensionen suchen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 

Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:





Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar