Bevor ich zum eigentlichen Inhalt des Buches komme, möchte ich vorher noch mal kurz auf den generellen Ton der anderen Bewertungen eingehen: "Grüne Hügel Afrikas" ist ein Bericht über eine Großwildjagd. Und demzufolge geht es da um das Töten von Tieren. Ist es nun gerechtfertigt, ein Buch allein deswegen zu verreissen, weil man die Passion des Autors für die Jagd nicht teilt? Wer Jagen für barbarisch hält, ist bei Hemingway ebenso schlecht aufgehoben, wie Pazifisten bei Ernst Jünger; trotzdem sollte man doch nicht so weit gehen, diesen Autoren und Werken die Daseinsberechtigung abzusprechen, nur weil man ihre Meinung nicht teilt.
Nach dieser lobenden Vorrede nun die Gesamtwertung; in dieser Hinsicht schließe ich mich leider meinen Vorrednern an. Es sind nicht die drastischen Beschreibungen des Schiessens und Ausweidens, es ist die Unergiebigkeit des Themas. Spätestens ab Seite 70 interessiert es nicht mehr wirklich, ob Papa Hemingway nun auf Büffel, Löwen, Nashörner oder Gazellen schießt. Noch dazu werden die Jagdsequenzen von langen und trockenen Dialogen zwischen dem Autor und seiner Jagdgesellschaft überbrückt, die nichts zu Handlung oder Thema beitragen, sondern in ihrer übersteigerten Männlichkeit oft unfreiwillig komisch sind.
Dennoch ist das Buch ganz nett zum Durchblättern, es bietet viele wundervolle Passagen, die einen friedlichen Morgen in einer meilenweit unberührten Savanne schildern; schwüle afrikanische Nächte, die man mit Freunden unter freiem Himmel am Lagerfeuer verbringt; das Warten auf die Beute im taunassen Gras und nicht zuletzt das archaische Gefühl des Steinzeitjägers, dass der ganze Tag nur aus der Pirsch besteht, bis man am Abend zurückkehrt, um am nächsten Morgen die Jagd auf ein bestimmtes Tier wiederaufzunehmen.
Man mag Hemingways Philosophie belächeln, aber er kann sie immer noch überzeugend beschreiben. Nur leider wird der Autor hier seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht: In "Tod am Nachmittag" schaffte es Hemingway, zu schildern, wie selbst Außenstehende der blutigen Faszination des Stierkampfes erliegen. Leider gelingt ihm dasselbe hier nicht, mit dem ähnlich kontroversen Thema der Großwildjagd.