Aus der Amazon.de-Redaktion
Wie bei den meisten Filmen Emmerichs besitzen bei diesem hier die Spezialeffekte weitaus höhere Priorität als gut gezeichnete Charaktere und eine plausible Handlung, und die Dialoge (gemeinsam geschrieben mit Jeffrey Nachmanoff) sind so lachhaft flach, dass man sie überall hätte weglassen können, ohne dem Film zu schaden. Das einzig Wichtige hier ist das Spektakel, nicht etwa die lahme, altbackene Geschichte von Vater und Sohn (Dennis Quaid, Jake Gyllenhaal), die ein apokalyptisches Szenario überstehen, welches durch die Auswirkungen der globalen Erderwärmung hervorgerufen wurde.
Also lehnt man sich am besten zurück und genießt die tollen Bilder eines tornadogeplagten Los Angeles, von Schneestürmen in Neu Delhi, Japan, das von pampelmusengroßen Hagelkörnern bombardiert wird und Manhattan, das zunächst von den anschwellenden Weltmeeren überflutet wird und dann aufgrund der aufkommenden modernen Eiszeit einfriert. Das ist alles durchaus beeindruckend, und Emmerich ist es offensichtlich egal, ob das wissenschaftlich korrekt ist -- also warum sollte es dem Zuschauer nicht auch gleichgültig sein? --Jeff Shannon
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Klanglich ist TDAT eine Offenbarung. Beim Bild gibt es kaum Unterschiede zur bekannten DVD. Die Extras sind teils innovativ, aber die Menüarchitektur und Schnelligkeit des Menüaufbaus gehören auf den Prüfstand.
Bild: Die sehr natürlich gesättigten Farben zeigen klar auf, wo es warm und wo es kalt ist. Und das ohne zu übertreiben. Wenn die Temperatur fällt und die Scheiben Eisblumen bilden, dann sieht das schon sehr echt aus. Hauptargument zum Kauf einer Blu-Ray ist die Erwartung maximaler Schärfe. Dieses Versprechen löst diese Scheibe aber nicht ein. Sie ist nur minimal in der Detailabbildung besser, aber immer wieder und vor allem in Gesichtern ( 01.05.57 )erkennt man, das dies nicht die schöne neue Zukunft ist. Es ist nicht vorstellbar, dass hier auf erstklassiges Quellmaterial, wie üblicherweise das Original-Negativ, zugegriffen wurde. Auch der Kontrastumfang lässt in Helligkeitsschwankungen oder schattigen Szenen immer wieder zu wünschen übrig. Immer wieder wird das, was eigentlich schwarz sein sollte, dunkelbraun abgebildet ( 09.59 ). Positiv fällt jedoch die nahezu vollkommene Rauschfreiheit und das Ausbleiben von Artefakten auf. Ein Hoch auf die Speicherkapazität.
Ton: Die englische Master HD-Spur klingt exakt wie die deutsche "nur" in normalem DTS 5.1 verfügbare Synchronspur. Maximale Dynamikausbeute weht einem vor allem in den spektakulären Effekten um die Ohren. Ohne diese brachiale Soundvision ist der Film tatsächlich nur die Hälfte wert. Referenzverdächtig ist da die permanente Einhüllung in kleine Atmos, wie fahrender VErkehr hinter dem Zuschauer (08.25) und natürlich donnernde Gewitterschläge, die den Subwoofer so richtig fordern. Dabei wird der Raum sehr weit in die Tiefe hinein gestaffelt. Die Dialoge haben nicht ganz die Griffigkeit wie die Effekte, aber es gibt keinerlei Verständnigungsprobleme.
Extras: Die Extras entsprechen der bereits seit langem erhältlichen Special Edition DVD. Der Menüaufbau ist außerordentlich träge und man ist geneigt, die Menütaste mehrmals zu drücken, weil man bei fast 20 Sekunden schwarzem Bildschirm (Ladezeit) an eine Fehlbedienung oder Systemabsturz denkt. Das geht deutlich schneller. Auch nervt das viel zu träge Kapitelmenü, das ein paar schnellen Tastendrücken erst mit mehrsekündiger Verspätung nachkommt. Gelungen ist der Triviatrack, der sinnvolle Textinfos während des Filmes via Fenster einblendet. Doch man kommt nicht wieder heraus, wenn man genug davon hat! Es gibt einfach keine Abschaltfunktion außer dem Neustart der Scheibe. Ebenfalls interessant ist die Szenensuche nach Stichworten. Man wählt einfach aus einem Klappfenster nach vorgegebenen Begriffen aus und bekommt eine Szenentabelle mit allen releanten Funden. Doch auch hier: Wie kommt man da wieder heraus, wenn man keine der Szenen auswählt? --movieman.de
VideoMarkt
VideoWoche
Blickpunkt: Film
Wie bei allen Emmerich-Projekten seit 'Independence Day' kennt die Erwartungshaltung dank massiver Marketingkampagnen keine Grenzen, das Budget aber schon. Deshalb beschränkt sich teures Desaster auf Minutenauftritte, herrscht eindrucksvoll, aber eingeschränkt Chaos im digital unterstützten Modelparadies, das keiner in Hollywood ökonomischer zerstören kann als der Mann aus Schwaben. In der ersten Stunde zeigt sich das Spektakel von seiner besten Seite, sorgt ein gewaltiger Eisabbruch in der Antarktis für die Abkühlung nordatlantischer Meeresströmungen und in der Folge für monströse Sturmtiefs, die den Planeten überziehen. Davon allerdings liefert 'The Day After Tomorrow' nur geschickt dosierte Ausschnitte. Der Hagel in Tokio beschränkt sich auf eine 200-Quadratmeter-Katastrophe, deutlich in den Schatten gestellt von der Twister-Show in Los Angeles, in der sich die Himmelsschläuche flächendeckend für ein paar coole Momente austoben.
Die echten Moneyshots reserviert der Film für New York. Hier wird die Feuerwalze aus 'Independence Day', die sich durch die Straßen in Richtung Kamera frisst, von einer gewaltigen Wasserwand ersetzt, die alles Leben ertränkt, das nicht schnell genug Höhe erreicht. In einer Bibliothek finden einige Überlebende Zuflucht, darunter ein Obdachloser mit nützlichen Survival-Tips, vor allem aber Sam (Jake Gyllenhaal), der Sohn des Klimaexperten Hall (Dennis Quaid), der den amerikanischen Vizepräsidenten vergeblich vor der nur Tage entfernten globalen Eiszeit warnt.
Die Rettung von Sam ist dem Film sichtbar wichtiger als die Rettung des Planeten, die vom Zuschauer erwartet, aber vom Drehbuch nicht angeboten wird. So drückt sich der Film mit einer temporären Bedrohung und der Aussicht auf Stabilisierung etwas vor seiner dramaturgischen Verantwortung, macht auch die beschwerliche Odyssee des besorgten Vaters in das pittoresk vereiste New York nicht zwingend, weil Quaid, einmal angekommen, dort tatsächlich niemand zu retten braucht. Mit einer Reihe kleinerer menschlicher Dramen wird für Ablenkung von den großen Fragen gesorgt. So kämpft Quaid mit brüchigem Glas und drohendem Absturz, Gyllenhaal mit der Blutvergiftung seiner Freundin und in einer spannenden, doch zu kurzen Sequenz mit hungrigen Wölfen, die ihm in einem vereisten Tanker mitten in New York den Zugang zum Medizinschrank verwehren.
Der Humor des Films ist im Unterschied zu 'Independence Day' besser dosiert und zeigt in der ironischen Verkehrung Mexikos zum rettenden Flüchtlingsparadies einmal wirklich Größe. Das auch für den Film insgesamt und durchgehend zu erwarten, wäre als Anspruch zu hoch. Zwei Stunden kann man sich hier auf gutem Niveau unterhalten, aber die Welt verändern wird Emmerichs Katastrophenfilm, der zu den Besten seines Genres zählt, nicht. Auch wenn das vielleicht das Marketing versprochen hat. kob.