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Abschied vom Homo Oeconomicus: Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen
 
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Abschied vom Homo Oeconomicus: Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen (Gebundene Ausgabe)

von Gunter Dueck (Autor)
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"...argumentiert er kenntnisreich und mit der ihm üblichen Ironie, (...) die Analyse der gegenwärtigen Malaisen jedoch ist durchaus lesenswert und unterhaltsam. Seine Fragen stimmen und um die Antworten wird früher oder später jedes System, jede Organisation und jeder Einzelne ringen müssen." (Süddeutsche Zeitung, 15./16. März 2008) "Dueck ruft zum Querdenken auf (...) ist ihm erneut ein spannendes und anregendes Buch gelungen, dessen Lektüre sich nicht nur für Manager lohnt." (Handelsblatt, 25. April 2008) "Aktueller denn je. So manch ein deutscher Vorstandschef sollte diese Buch in die Hand nehmen." (Cash, 1. Mai 2008) "Mit seinem neuen Buch Abschied vom Homo oeconomicus erklärt er mal eben ganze Bibliotheken kluger Wirtschaftsliteratur für ungültig. Ein gewagter Versuch - und ein sehr gelungener. Denn Dueck erläutern einleuchtend und unterhaltsam, warum Menschen in der Rezession Dinge sagen und tun, von denen sie im Boom nichts mehr wissen wollen, und umgekehrt. (...) wer lieber Querdenker als vorbildliches Mitglied einer Hammelherde ist, der wird sich in diesem Buch bestätigt sehen." (Harvard Business Manager, 1. Mai 2008)

"Besonders schief liegen wir mit unserer Einschätzung der Dinge, wenn es wirtschaftlich bergab geht. Darauf gründet Duecks Theorie des"Phasic Instinct". Sie erklärt die enormen Auf- und Abschwünge in der Wirtschaft, die sich nach dem"Stresslevel"der beteiligten Akteure richten - wir sind eben keine Rechenmaschinen, sondern"eher eine große Masse von leicht erregbaren Individuen, die wie Lemminge hin und her rasen, je nachdem, wohin der Trend zeigt". Oder anders: Wir neigen habituell zu Überreaktionen, und Wirtschaftstheorien, so Dueck, haben im Wesentlichen die Aufgabe, diese Maßlosigkeit rational aussehen zu lassen." (Steffen Martus, Berliner Zeitung, 20. August 2008)l aussehen zu lassen." (Steffen Martus, Berliner Zeitung, 20. August 2008)


Kurzbeschreibung

IBM-Chefstratege Gunter Dueck entwirft ein Modell für eine wertorientierte ökonomische Vernunft

Wenn Unternehmensgewinne wachsen, Steuereinnahmen sprudeln und Löhne steigen, geben Manager, Politiker und Arbeitnehmer das Geld mit vollen Händen aus. Naht der Abschwung, heißt es Gürtel enger schnallen: Personal freisetzen, Steuererleichterungen streichen und jeden Cent auf die hohe Kante legen. Und auch emotional fallen wir von einem Extrem ins andere: Im Aufschwung sind wir zuversichtlich, fair und kreativ, in der Krise regieren Darwin und Wirtschaftskrieg, ziehen Angst, Stress und Vorsicht in die Köpfe.

Den Menschen ernst nehmen, sagt Gunter Dueck, heißt, diese Emotionen ernst nehmen. Was immer wir über die Wirtschaft denken, ist abhängig von unserem Bauchgefühl. Je nach Stresslevel halten wir unterschiedliche Dinge für richtig. Trotzdem operiert man in der Wirtschaft mit dem Modell von einem Homo oeconomicus, der stets rational handelt und auf immer gleiche Weise durch Geld und Nutzen zu motivieren ist. Das ist falsch, sagt Gunter Dueck und fordert eine ökonomische Vernunft, die den Menschen in den Blick nimmt und uns lehrt, in fetten Jahren Maß zu halten und in mageren gelassen zu bleiben.



Der Autor über sein Buch

Es sind gar nicht Wirtschaftstheorien, nur Tagesgedanken!

Mit sozialer Marktwirtschaft und protestantischer Arbeitsethik wuchs ich auf, erlebte später erfolgreiche Streiks für schädigend hohe Lohnerhöhungen und danach die zwangsläufigen Rationalisierungswellen bis hin zur "Darwin-Sicht" des Menschen: Jeder ist heute für sein nacktes Leben selbst verantwortlich. Jede dieser Phasen wird von Wirtschaftsexperten theoretisch begründet und wissenschaftlich erklärt. Dabei widersprechen sich die Ansichten oft diametral!

Meine Sicht: Es gibt fast keine allgemeingültigen Wirtschafts-"Theorien", sondern vorwiegend nur Tagesgedanken, die die jeweilige Bauchstimmung wiedergeben. Wer Leute entlässt, kennt Darwin, und wer händeringend Ingenieure sucht, sieht in Menschen wertvolle Experten. Was der Bauch uns instinktiv als "wahr" in den Kopf schickt, verarbeiten wir zu ökonomischen Weisheiten und diese wiederum zu Managementmethoden, die den ursprünglichen Bauch abbilden.

Etwa alle 40 oder 50 Jahre erleben wir eine umfassende Technologiewelle, die unsere ganze Infrastruktur umkrempelt: Eisenbahn, Stromnetz, Auto(-bahn), jetzt Internet. Jede neue Infrastruktur frisst einen Teil der vorhergehenden, und das führt zu Überlebenskämpfen und "Turbokapitalismus". Danach blüht die Welt unter der neuen Infrastruktur wieder auf bis hin zu wuchernden Luxusphasen.

Wegen dieses Hin und Her ist also jede beliebige Wirtschaftstheorie etwa alle 40 Jahre einmal eine Zeit lang wahr. Das erfreut deren Anhänger so, dass sie für immer an sie glauben. Deshalb nennen sie sich stolz Keynesianer oder Neoliberale, sind aber nur die geistig kristallisierte Stimme eines Zeitin-stinktes. Oh je! Und da streiten sich die polaren Wirtschafts-"Theoretiker", wer JETZT Recht hat und versäumen es, wirklich ökonomisch zu denken. Dazu will ich mit dem Buch Anstoß geben/erregen.



Über den Autor

Gunter Dueck, Jahrgang 1951, lebt mit seiner Frau Monika und seinen beiden Kindern Anne und Johannes in Waldhilsbach bei Heidelberg. Er studierte von 1971-75 Mathematik und Betriebswirtschaft, promovierte 1977 an der Universität Bielefeld in Mathematik.
Er forschte 10 Jahre mit seinem wissenschaftlichen Vater Rudolf Ahlswede zusammen, mit dem er 1990 den Prize Paper Award der IEEE Information Theory Society für eine neue Theorie der Nachrichten-Identifikation gewann. Nach der Habilitation 1981 war er fünf Jahre Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld und wechselte 1987 an das Wissenschaftliche Zentrum der IBM in Heidelberg.

Dort gründete er eine große Arbeitsgruppe zur Lösung von industriellen Optimierungsproblemen und war maßgeblich am Aufbau des Data-Warehouse-Service-Geschäftes der IBM Deutschland beteiligt. Gunter Dueck ist einer der IBM Distinguished Engineers, IEEE Fellow, Mitglied der IBM Academy of Technology und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Er arbeitet an der Strategie und der technologischen Ausrichtung der IBM mit und kümmert sich um Cultural Change. 2009 wurde er zum Business Leader Dynamic Infrastructure ernannt. In dieser Rolle beteiligt er sich am Aufbau eines neuen strategischen Wachstumsfeldes der IBM Corporation, das auf die wachsende Industrialisierung der IT-Infrastrukturen bis hin zum so genannten Cloud Computing zielt.


Auszug aus Abschied vom Homo Oeconomicus von Gunter Dueck. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Gibt es stabile Ökonomie?

Eigentlich sollte sich alles im Gleichgewicht befinden, wenn man an Theorien glaubt. Die Preise und die Märkte, Angebot und Nachfrage. Ist das so?

Nein, die Ökonomie fährt Achterbahn. Sie verzeichnet Schweinezyklen und Lehrerschwemmen, Sparwut und Innovationsmangel. Die Ausschläge der Märkte werden in letzter Zeit heftiger. »Die Volatilität steigt«, sagen wir. »Die Welt befindet sich in einem unaufhörlichen, immer schnelleren Wandel. « Auf nichts ist Verlass, alles ändert sich. Jeder muss sich anpassen, um nicht unterzugehen. Werden wir noch unsere erhoffte Rente bekommen? Alles ist ungewiss, wir fürchten oft, dass wir das alles in vielerlei Sinne nicht gut überleben. Immer stärker spüren wir heute den Stress in allen Poren. Wie wird es unseren Kindern ergehen? Können wir uns überhaupt Kinder leisten? Die alternde Bevölkerung schrumpft schon - es ist nicht mehr für so viele Menschen Platz oder Arbeit da.

Die Wirtschaftstheorien und das Alltagsreale

Darf ich Sie einmal zurückbitten? Auf Zeitreise? In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann mein eigenes Arbeitsleben. Die Löhne und Gehälter stiegen damals jedes Jahr um sechs, sieben Prozent, einmal gab es nach langem Streik deutlich über zehn Prozent. Das Wort »Profit« war ein Schimpfwort. Selbst die Unternehmen vermieden es schamhaft und versteckten heimlich ihre nötigen Gewinne durch überhöhte Abschreibungen, so gut sie konnten. Jede Stadt erbaute eine große neue Universität zur Investition in die Zukunft. Grundlagenforschung wurde großgeschrieben. Ich erinnere mich an Naturwissenschaftler, die nach ihren Vorträgen auf die Frage nach der Anwendbarkeit ihrer Forschungsergebnisse antworteten: »Ich hoffe nie!« oder »Da bin ich sicher, ich lasse mir da von Ihnen überhaupt nichts vorwerfen!« Wer etwas Nützliches erforschte, stand nämlich im Verdacht, ein Knecht oder Büttel der Großindustrie zu sein und die Wissenschaft zu verraten. Wissenschaft sollte nie wieder die Baupläne für Atombomben oder die Unterdrückung der Arbeiterklasse liefern. Soziologen und Politologen der 68er-Bewegung palaverten fremdwortwütig über die Abschaffung des Establishments, und ich erinnere mich noch an meinen Schrecken, als man mich auf dem Göttinger Universitätscampus anpöbelte, weil ich ein Handelsblatt unter dem Arm trug.

Denken Sie sich noch einmal eine Weile in diese Denkstimmungen hinein! Heute plagt uns die Sorge um das Morgen, den Arbeitsplatz, die Ausbildung der Kinder. Damals beschäftigte uns das Ringen um die Utopie einer bestmöglichen Zukunft, die uns das unendliche Wachstum durch Technologie bescheren würde.

Und in Ihr Denken hinein stelle ich Ihnen die Frage: Wohin führt es, wenn wir alle so wie heute oder alle so wie damals denken? Warum dachten wir damals so positiv und schwelgten in Utopien? Warum jammern wir heute und verzagen so sehr, dass uns der Optimismus fast vom Arzt verordnet werden muss?

In den sechziger- und siebziger Jahren entstand in uns die Vorstellung einer sozialen Marktwirtschaft. Heute versprechen wir uns mehr vom Neo-Kapitalismus. Früher stand der weltberühmte fleißige Deutsche im Zentrum unseres Weltbildes, heute ist es der stinkfaule verwöhnte Deutsche mit seinen 30 Tagen Jahresurlaub, die weltweit seine Weltfremdheit gegenüber der Arbeit dokumentieren.

Was ist da in unseren Köpfen oder vielleicht Bäuchen los? Warum denken wir über das Gleiche mal so und mal so? Ist es das Gleiche? Sind wir die Gleichen? Haben wir in guten Zeiten wunderschöne Wirtschaftstheorien und in schlechten Zeiten eben drakonisch harte? Ist es ökonomisch sinnvoll, unser Denken dem Kneifen im Bauch anzupassen?

Nach den Wirtschaftstheorien sind wir Menschen ja angeblich ein Homo oeconomicus , ein Mensch, der ausschließlich von Erwägungen wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit geleitet wird. Ein Mensch, der streng rational auf seinen eigenen Vorteil sieht und seinen Nutzen maximiert. Unsere Wirtschaftstheorien nehmen dazu noch regelmäßig an, dass jeder Mensch genaue Präferenzen oder Nutzenfunktionen hat, die über die Zeit einigermaßen stabil bleiben.

Doch das sind Märchen, um einfache Theorien für nette Vorlesungen zu erhalten! Eingeweide sind nicht stabil.

Ich möchte es »Phasic Instinct« nennen, was uns da aus dem Bauch heraus unser Denken diktiert. Je nach Lage dort draußen leben wir in Gottes bestmöglicher Welt oder in einer, die von Darwin erschaffen scheint. Gott hatte doch wohl einen Weltbauplan, aber Darwin setzt auf die faktische Macht des Zufallsprinzips. Wir glauben mal dies, mal das, je nachdem wie
unsere Eingeweide sich in der jeweiligen Zeit anfühlen.

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