Im Wintergarten, zwischen Teetasse und Spitzenstickereien, Geschichten erzählen und halbvergessenen Träumen nachhängen: Stacey Kent nimmt uns mit auf die verwischten Spuren unserer Kindheit. Diesmal bedient sich die Jazzsängerin aus New Jersey beim Schatz des Chanson und füllt ihr Album auf mit Frischkomponiertem. Ob Klavier, Schlagzeug, Bass oder Gitarre: Alle Instrumente unterwerfen sich der Dramaturgie und fließen im Dienst der gemeinsamen Erzählung zusammen - angeführt von Kents Stimme, die mal flüstert, mal aus der Ferne widerhallt und manchmal aufsteigt, bis sie den Wolken die Zehen kitzelt. Trotz aller Ruhe, die diese Musik ausstrahlt, rieselt sie nicht auf uns herab wie die Klänge einer Wellnessoase. Sie lässt uns nicht abschalten, sondern erinnert uns an eine Zeit, als noch nicht das stakkatische Chaos der Gleichzeitigkeit den Alltag prägte. Ein lohnender Ausflug ins Land der Entschleunigung. (is)