Aus der Amazon.de-Redaktion
Wolfmother sind quasi eine neue Band. Die beiden Gründungsmitglieder Myles Heskett und Chris Ross haben die hocherfolgreichen, australischen Stoner Rocker im Jahre 2008 verlassen. „Unüberbrückbare musikalische und persönliche Differenzen“ sollen der tausendfach im Pop angegebene Grund sein, was den einzig verbliebenen Ur-Wolfmother und Frontmann Andrew Stockdale nicht dazu trieb, die Band aufzulösen. Anstatt eines Trios sind die Australier nun zu einem Quartett angewachsen. Vier Jahre liegen zwischen dem selbstbetitelten Debüt und
Cosmic-Egg. So ganz sicher waren sich Wolfmother nicht, wo sie nun 2009 stehen, also gingen sie auf kleine Tour und spielten in kleineren Hallen, die aus allen Nähten platzten und in Schweiß getränkt wurden. Trotz Umbesetzung und langer Auszeit gelingt der Band aus Sydney ein erstaunlich geschmeidiger Übergang. Den Aussies erneut mit dem Vorwurf zu konfrontieren, sie seien ja so was von Retro macht ähnlichen Sinn, wie einem Schaf vorzuwerfen, es laufe mit einem Fell herum. Wolfmother kam die Gnade der frühen Geburt genauso wenig zuteil wie dem Großteil ihrer vielen Fans, die Black Sabbath, Doors, Soundgarden, Guns N’ Roses oder Led Zeppelin nur aus Geschichtsbüchern oder von Schallplatte kennen. Natürlich ist dieser psychedelischer Heavy-Rock-Sound pures Piratentum, aber Wolfmother plündern die 70er mit dem brillanten Gespür für die schärfsten Riffs. Dazu kommt eine noch eine satte Produktion und der Wille, sich an Neuem zu versuchen. „In The Morning“ mit seinen deutlichen Beatles-Zitaten deutet an, wohin die Reise in der Zukunft auch gehen könnte. -
Sven Niechziol
Trendresistent zitieren Wolfmother auch in neuer Besetzung weiterhin den großen Siebziger-Rock: Authentisch vom Sound bis zum Look.
Als Wolfmother 2005 mit ihrem gleichnamigen Album in der internationalen Rock-Szene debütierten, war das Echo auf ihren psychedelisierten Hard Rock szeneübergreifend breit gefächert. Auf einmal tanzte alles und jeder mit dem Wolf und stand eine junge Band im Rampenlicht, die mit der Authentizität alter Hasen der Riff-Gewalt von Black Sabbath und Blue Cheer, der sexuell entladenden Laszivität von Led Zeppelin und den elektrifizierten Neo-Blues-Roots der White Stripes kokettierte.
Vier Jahre später ist aus dem einstigen Trio ein Quartett geworden, das bis auf Songwriter, Gitarrist und Frontmann Andrew Stockdale auf den ersten Blick keine gemeinsame Konstante mehr aufweist. Zumindest bis man "Cosmic Egg" das erste Mal auflegt. Denn musikalisch sind Wolfmother zum Glück die alten, neuen Jungspunde geblieben, die den Classic Rock auch weiterhin in kontemporärer Form verkörpern. Daran lässt schon der Opener "Californa Queen" keine Zweifel aufkommen. Mit pumpenden Bass schmeißt sich das australische Rock-Rudel in eine anfängliche Up-Tempo -Nummer, die sich im weiteren Song-Verlauf zu einer jenen schleppenden dämonischen Sabbath-Riff-Walzen verwandelt, die Stockdales stimmliche Ähnlichkeit zu Mr. Osbourne ein weiteres Mal gespenstisch vor Augen führt. "Well, I've seen that you've grown now/With the horses you ride/Gonna have your say now/I see the new moon rising" singt Stockdale anschließend auf der ersten Single "New Moon Rising" und liefert damit den programmatischen Textbeleg für ein neues künstlerisches, wie personelles Selbstbewusstsein.
Wolfmother 2.0 sind tatsächlich gereifter. Davon zeugen vor allem die epischeren Nummern wie "In The Morning", welches sich seiner Beatles-Referenzialität nicht zu schämen braucht, oder das Album-abschließende "Violence Of The Sun", das einen fein dramaturgisierten Dynamik-Sturm zu entfachen weiß. Aber auch bei allen anderen Songs und Zwischentönen dreht sich das Spätsechziger/Siebziger-Kaleidoskop knackig auf Hochtouren und projiziert Paisley-Muster und mystische Versatzstücke der Vergangenheit vor dem inneren Auge. Dabei bleibt Stockdale mit seinem markanten Songwriting-Visionen und ebenjenem hypnotisierenden Sirenen-Organ zwar ganz klar amtierender Spielleiter auch dieses akustischen DSA-Abenteuers in Albumform, auch wenn das Zusammenspiel mit seinen neuen Wolfsjungen keineswegs Züge einer Statisten-Gruppe aufweist. Ein trotz aller widrigen Umbesetzungs-Umstände triumphales Comeback und sicherer Kandidat in den obersten Ranglisten der Rubrik Rock-Platten des Jahres mit Format.
Apropos Format: "Comic Egg" schlüpft neben der regulären Version auch in einer um vier zusätzliche Songs erweiterten Deluxe-Variante und somit im von Meister Stockdale intendierten Directors's Cut. Und selbstverständlich - stilecht im Siebziger-Geist - auch als dralles Doppelvinyl. Die Aussie-Wölfe liefern somit in jeder Beziehung keinen einzigen Grund zum Heulen.