Sich neu erfinden: Gemusst hätte Ledisi das nicht. Ihr Debüt "Lost and found" vereinte bereits so vieles, Jazz und R'n'B, Soul und Funk, Traditionelles und Zeitgenössisches. Doch wenn die Sängerin und Songschreiberin unbedingt andere Töne anschlagen will, darf sie das gern. Denn "Turn me loose" hört sich klasse an - und auf persönlicher Ebene scheint es die Künstlerin sogar noch weiter gebracht zu haben als auf musikalischer. Lockerer und entspannter fühle sie sich, seit sie sich nach halbjähriger Schreibblockade zur Zusammenarbeit mit anderen geradezu gezwungen habe, sagt sie. Nicht, dass man sie überzeugen musste, Produzentenkoryphäen wie Terry Lewis oder Raphael Saadiq an ihre Songs zu lassen. Nur: Das Loslassen fiel der Selfmadefrau nicht leicht, die vor ihrem Durchbruch bereits zwei Alben in Eigenregie aufnahm. Dem Ergebnis ist der schwere Start dennoch nicht anzumerken. Von poppig-locker über jazzig-vertrackt bis funkig-ekstatisch: Alles klingt bei Ledisi, als ob es genau so sein sollte, nie über- oder unterfordert. Die Leichtigkeit ernst nehmen und das Schwere leicht: Dieses Kunststück beherrscht Ledisi meisterhaft. (kab)