College-Eminem + mysteriöser Newcomer-Produzent = neuer Hip Hop Star? Eine Pop-Rechnung, die hinterfragt werden muss!
Er ist eigentlich der Gegenentwurf zum klassischen Hip Hopper. Statt harter Kindheit und diverser Vorstrafen, schaut Asher Roth auf ein behütetes Elternhaus und einen soliden Bildungsweg zurück. Dennoch ist seine erste Single "I Love College" derzeit der Mitschunkel-Hit aus Übersee. Er spricht eben einem Klientel aus dem Herzen, dass sein Leben als Student genießt. Als "einer von ihnen" erhebt er auch gar nicht den Anspruch, ein harter Gangster- oder Conscious-Rapper zu sein, sondern bleibt authentisch und reimt sich solide und lässig in die Charts.
Als Asher Roth im letzten Jahr anfängt Dank seiner Mix-Tapes einen Bekanntheitsstatus zu erreichen, muss er sich vor allem der Kritik stellen, nur Eminem zu kopieren. Bei genauerer Betrachtung ist es jedoch nur seine Hautfarbe und Stimmlage - weder an die technischen Skills noch an die bissige Note Marshall Mathers reicht er heran. In seinem Debüt "Asleep In The Bread Isle" heißt es daher nicht ganz unklug "Flucht nach vorn", denn mit dem Titel "As I Em" nennt er das Kind beim Namen und entwaffnet die Kritiker: “Now the masses think that Asher wants to be a Marshall Mathers. They say: 'Asher is not a rapper, nah his ass is just an actor.' Cause we have the same complexion and similar voice inflection. It’s easy to see the pieces and reach for that connection.“
Dennoch sind es weniger die Collegeboy-Attitüde, die allem voran natürlich mit dem Party-Song "I Love College" propagiert wird, noch sein lässiger aber nicht außergewöhnlicher Rap, die "Asleep In The Bread Isle" ausmachen. Vielmehr überrascht und beeindruckt der junge und unbekannte Produzent Owen Yoel, der Roths Debüt maßgeblich geformt hat. Dafür wurde ihm kurzerhand sogar ein Artikel im Rolling Stone gewidmet, der das erfrischende Talent des Newcomers würdigt.
Folglich bedarf es einer kurzen genaueren Betrachtung Yoels, der über Roths Manager ins Boot geholt wurde: Quasi direkt vom Musikstudium zum begehrten Hip Hop Produzenten hat sich der 26jährige binnen kürzester Zeit gemausert. Seine vielseitigen Skills bei der Programmierung sowie dem Arrangement von Loops und Samples haben ihn seither nicht nur Respekt aus der Szene verschafft. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählen neben DJ-Größen wie Premier auch Legenden wie Jimmy Page, die seine musikalische Weitsicht untermauern und sich indirekt auch auf Asher Roths Debüt widerspiegeln.
Beispielsweise der Opener "Lark On My Go-Kart" schlägt mit progressiven Beats und einer verzerrten Hammond-Orgel zu Buche, dass es ein Freude ist. Erwähnenswert, weil musikalisch sehr einfühlsam und enorm "soulful" ist weiterhin "Be Myself", dem das durchdringende Organ des Sängers Cee-Lo Green den letzten Schliff verleiht. Im Titel "Lion's Roar" legt Asher Roth überraschend schnelle Raps vor, die ihm das genial verschleppte Drumset abverlangt. Ein R'n'B-Chorus lockert auf bis in der dritten Strophe Busta Rhymes einsetzt und unmissverständlich in Double-Time-Reimen klar macht, wer letztlich der Chef in diesem Metier ist.
Und so streift "Asleep In The Bread Aisle" diverse Ausprägungen der "Black Music" ohne langweilig zu werden. Im bereits erwähnten "As I Em" geht es sogar indie-rockig mit Dub-Elementen zu, was dem Mitwirken der US-Rockband Chester French geschuldet ist. Generell werden massentaugliche Pfade dabei nicht verlassen. Schwachstelle stellt beim ersten Hören lediglich "La Di Da" dar, das wie eine abgekupferte Version des Titels "Hate It Or Love It" von The Game feat. 50 Cent klingt.
Resümierend legt Asher Roth einem gefälligen, Chart-orientierten Start hin. Während er über Drinks, Weed und Girls philosophiert, zeigt Nachwuchsproducer Oren Yoel, dass Talent in ihm steckt und eine große Zukunft auf ihn warten könnte. Ein erfrischendes, partytaugliches Pop-Produkt.
Ohne dass das hier in Ami-Bashing ausarten soll: Die Kollegen von jenseits des Teichs brauchen manchmal ein bisschen länger fürs Offensichtliche, siehe George W., siehe Klimaschutz. Ja, Autos fahren auch mit weniger als 20 Litern - und weiße Mittelschichtkids ohne Drogen-, dafür mit Collegevergangenheit, können rappen. Der Hype um Newcomer Asher Roth ist aus deutscher Perspektive also ziemlich unverständlich, ja, es ist fast schon ärgerlich, wie gefeiert wird für Dinge, die 2009 selbstverständlich sein sollten - und natürlich für eine Single, die dümmlicher kaum sein könnte. "I love College" ist einer der Hasssongs des Sommers. Für die Saufhymne braucht man nun wirklich kein Talent. Aber selbst wenn "I love College" das "All Summer long" des Jahres 2009 ist: Roth kann was. Vielleicht nicht so viel, dass man ihn eine Sensation nennen dürfte, doch sein rumpelnder, poppiger Stil ist ein Bindeglied zwischen dem oft zu glatten, aber beattechnisch teils genialen US-Mainstream und dem weitaus dreckigeren britischen Pendant. Einige der Tracks gehen offensiv auf die Tanzfläche wie "She don't wanna Man" und "Lion's Roar" mit New Kingdom und Busta Rhymes. Es wird, wie es sich für den besseren HipHop gehört, smart und wortgewandt mit Bezügen und Samples gespielt, alles so geschmeidig produziert, dass Justin Timberlake neidisch werden könnte. Denn Roth kann im Gegensatz zu ihm rappen. Eigentlich ist damit alles gesagt, der obligatorische Referenzkünstler ist genannt, aber weil man nicht über Roth reden kann, ohne den Eminem-Vergleich zu ziehen, der ihm so auf den Sack geht, dass er gleich mal einen Song drüber gemacht hat ("As I Em"): Er klingt manchmal so. Aber wenn sogar die Amis schon schnallen, dass der Rap einen zweiten Weißen verkraften kann, können wir das auch.(kab)