Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Quintett aus Schweden bleibt sich auch auf seinem fünften Album treu und erlaubt sich keinerlei Aussetzer.
Give Me Fire ist mindestens so stark wie das 2007 erschienene, extrem erfolgreiche Vorgängerwerk
Never Seen The Light Of Day, ohne das Mando Diao dabei musikalisch auf der Stelle treten. Sicher, die Zutaten, mit denen die Band auf den 13 neuen Songs hantiert, sind weitgehend bekannt, aber Langeweile kommt trotzdem nicht eine Sekunde lang auf. Angefangen bei der ungemein eingängigen Single "Dance With Somebody", mit der Mando Diao sich mal wieder locker selbst übertreffen, über das hymnische "Gloria" bis hin zu dem mit Trompetenklängen veredelten Schleicher "High Heels" liefert die Gruppe um die beiden Sänger und Gitarristen Björn Hans-Erik Dixgard und Gustaf Erik Norén wie bereits in der Vergangenheit gewohnt nur erstklassiges Material ab. Trotz aller Eingängigkeit bleibt jedoch immer noch genug Raum das eine oder andere kleine Experiment zu wagen, wie zum Beispiel beim geradezu überschäumend auftrumpfenden "The Shining" oder noch ein wenig besser beim Titel "You Got Nothing On Me", bei dem Mando Diao erfolgeeich auf den Spuren englischer Rockmusik der frühen Siebziger wandern. Doch auch ohne solche durchaus lobenswerten Ausflüge in angrenzende Gefilde überzeugt man auf der ganzen Linie, nachzuhören bei dem mitreißend rockenden "Blue Lining" oder dem mit einem genialen Gitarrenriff veredelten "Come On Come On", auch wenn sich die Formation dabei in bereits bekannten Regionen bewegt. -
Franz Stengel
Mando Diaos "Give Me Fire" ist da. Entgegen dem Albumtitel versprühen sie jedoch eher Tanzbein treibendes Feuer als selbiges zu fordern.
Es ist schon erstaunlich, was diese Burschen aus Borlänge seit ihrem Debüt "Bring 'Em In" im Jahre 2002 so alles vollbracht haben. Die ungestümen und doch immer noch Zuhörerherzen-im-Sturm-erobernden Garagen-Zeiten waren schon passé, als nonchalant in die "Hurricane Bar" zur geschichtsbewussten Hit-Happy-Hour geladen wurde, doch erst "Ode To Ochrasy" brachte den Jungspunden nachträglich den Vorschuss zur zeitlosen Pop-Unsterblichkeit.
Denn niemand sonst war und ist in der glücklichen Lage, das Erbe der Spätsechziger und dann auch Siebziger in solch treffende, gewandte und gelungene Dreiminüter zu fassen. Nach dem eher psychedelisch episch ausbrechenden, aber nicht minder großem Interims-Album "Never Seen The Light Of Day", nun also der nächste Streich. Und "Give Me Fire" zögert nicht lange, um genau seinen namensgebenden Titelanspruch in die heiße Tat umzusetzen.
Allein die erste Single "Dance With Somebody" gibt hier einen Takt an, der nicht nur nach 70er Disco schreit, sondern ihn förmlich exaltiert. Auch "Gloria" scheint diesem Ruf zu folgen und Mando Diao sind stärker auf der historischen Tanzfläche unterwegs, denn je. Dennoch muss sich der Beat(-les)-affine Fan der ersten Stunde keine Sorgen machen, dass seine Jungs nun auf einmal die große Sechziger-Songwriting-Schule für ein paar weiße Anzüge, Galoschen, Disco-Kugeln und eine lebenslange Mitgliedschaft im Gloria Gaynor-Fanclub ("The Shining") eingetauscht hätten.
Weit gefehlt. Denn obgleich gegebener offensichtlicher Tanzflächenkiller im Travolta-Gewand, haben Mando Diao immer noch genug Klasse und Chuzpe um einer weitern Retro-Trendhörigkeit - wie immer - meilenweit voraus zu sein. Davon zeugen Songs wie "Mean Street", der einfach nur vergessnen Ragtime-Rock zelebriert, oder der fast schon vergleichsweise fahrige Vollprogramm-Opener "Blue Lining, White Trenchcoat" zumindest völlig. Und wer dann beim rumpeligen Rocker "Come On Come On" immer noch kein Feuer unterm Arsch verspürt, dem ist eh nicht mehr zu helfen.
Mando Diao sind zurück. Etwas anders, aber immer noch mit dem gleichen Genie in den Genen. Ganz einfach. Oder eben auch nicht, denn trotz aller Abschau-Weisen macht es ihnen doch nahezu keiner nach.