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162 von 214 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sehr authentische Verfilmung mit einem Schwachpunkt... , 5. November 2008
... Regisseur Uli Edel hat in die rund 150 Minuten Film einfach zu viel hineingepackt. Ich kenne die RAF und ihren Terror nur aus Büchern und Dokumentationen. Somit ist zumindestens das Grundwissen bei mir vorhanden und es ermöglicht diesem komplexen Film halbwegs gut zu folgern. Aber diejenigen, die über den Film vielleicht mehr von der RAF und ihren Taten erfahren wollen, sind wahrscheinlich hoffnungslos verloren in der Komplexität der Ereignisse.
So wird die Zeit der RAF doch bei manchen Zuschauer ein erhebliches Defizit an Allgemeinwissen verursachen. Das man sagen muss, dieser Film ist eher für jemanden geeignet, der die Namen wie Ulrike Meinhof, Andreas Baader oder Brigitte Mohnhaupt zumindestens schon mal im Zusammenhang mit der RAF gehört hat und dem Namen wie Hans-Martin Schleyer oder Siegfried Buback nicht ganz unbekannt sind.
Die erschütternd authentisch wirkende Verfilmung des nationalen Traumas aus den 70er Jahren spart nämlich an keinem Detail. In Verbindung mit dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust bietet der Film für geschichtlich Interessierte trotzdem eine gute Ausgangsbasis. Dieser Film ist kein Terrorthriller für leichte Abendunterhaltung (eine TV-Version des Films soll im nächsten Jahr im Fernsehen starten), sondern eine beinharte Nachinszenierung der RAF-Zeit.
Uli Edels Film konzentriert sich dabei auf die Entstehung der RAF ab 1967 und endet mit dem Deutschen Herbst 1977. Hierbei konzentriert sich die Erzählung stark auf die Lebenswege von Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek), sowie die staatlichen Bemühungen unter der Führung vom Präsidenten des Bundeskriminalamtes Horst Herold (Bruno Ganz) die Bedrohung mit allen Mitteln Herr zu werden. Dies endet mit der Gründung der GSG 9.
Die Geschichte beginnt mit den Studentenkrawallen zum Besuch des Schahs von Persien in Berlin 1967, bei denen ein Polizist den Studenten Benno Ohnesorg erschießt. Die politisch vorwiegend links orientierte Studentenschaft, glaubt ein faschistisches Verhalten von Seiten des Staates zu erkennen und beginnt gegen diesen zu rebellieren. Das Verhalten der USA im Vietnamkrieg vertieft die Kluft zwischen den Studenten und ihren Sympathisanten und dem Staat. Nach ersten Protestaktionen (Brandstiftungen), eskaliert die Situation durch das beinahe tödliche Attentat auf Rudi Duschke, dem bekanntesten Wortführer der Studentenbewegung. In Folge dessen entsteht die RAF, lässt sich militärisch ausbilden, begeht Anschläge und finanziert sich durch Banküberfälle.
Die schauspielerische Leistung, die linksradikale, aufmüpfige Einstellung auf die Figuren zu projezieren gelingt den Darstellern mit Bravour. Besonders die Figur von Bruno Ganz (Horst Herold) bildet in dieser hektischen, brutalen, blutigen Realität des "Kampfes" der RAF einen willkommenen, bedachten Pol der Ruhe.
Allerdigns einige wichtige Figuren werden in dem Film nur kurz angerissen, so ist der Auftritt von Alexandra Maria Lara als Petra Schelm nur etwa eine Minute lang. Die Folgen dieses Todes und die dadurch losgetretene Diskussion in Deutschland (Schießausbildung der Polizei) werden gar nicht weiter erwähnt.
Fazit:
Wie denn auch? 150 Minuten Film sind zu einfach zu kurz, um dieses umfangreiche Kapitel deutsche Geschichte auch nur im Ansatz mit Tiefgang zu versehen. Herausgekommen ist ein düsteres "Best of RAF"-Konglomerat, das einem zwar ein paar geschichtliche Zusammenhänge nahebringt, aber dennoch nur die Ausgangsbasis für eine vertiefende Eigenrecherche sein kann/ darf. Für sich allein funktioniert der Film voll und ganz und hat seine obigen Sterne verdient. Als geschichtliches Lehrstück versagt er jedoch leider fast auf ganzer Länge. Bis auf die grundlegenden Zusammenhänge wird dem Zuschauer nicht klar, was genau da jetzt wirklich passiert ist und damit zeigt sich: Die Realität ist so viel komplexer als ein Film dies jemals darstellen kann. "Der Baader Meinhof Komplex" kommt zwar atmospährisch nah an das geschichtliche Erleben einzelner Situationen heran, kann aber die Gesamtheit der damaligen Zeit im Ganzen nur schwer nachstellen - dafür läuft der Film zu kurz.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erstklassiger deutscher Film mit nur einigen wenigen Kritikpunkten, 24. November 2009
Die Geschichte um die Baader-Meinhof-Gruppe hat mich als jungen Mann sehr fasziniert seit ich in der Schule davon gehört hatte, aber leider ging neben Hitlers Nationalsozialmus dieser deutsche Geschichtsabschnitt damals im Unterricht etwas unter. Die Faszination geht bei mir eindeutig davon aus, dass es junge Menschen waren, die eine überzeugte politische Einstellung hatten, aus diesem Grund wirklich aktiv geworden sind und was getan haben, anstatt ihr Leben nur fürs nächste Wochenende und den nächsten Discobesuch zu leben, um sich Aktivitäten wie "Komasaufen" und "Speed-Dating" hinzugeben.
Ich hatte den Kinofilm "Der Baader Meinhof Komplex" vor einem Jahr leider versäumt und freue mich daher über die hier vorliegende "TV-Langfassung", die in zwei Teilen im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Besonders im ersten Filmteil folgt ein brisantes Ereignis auf das nächste, so dass man danach froh ist, wieder atmen zu dürfen und die ganzen aufreibenden Ereignisse erstmal geistig rekapitulieren zu können.
Was die filmische Aufarbeitung von Regisseur und Drehbuchautor Uli Edel anbelangt, so kann ich mich in dieser Rezension leider nicht auf Stefan Austs Buchvorlage beziehen, sondern ausschließlich auf den Film. Die Story fokussiert sich eindeutig auf die Vorgänge innerhalb der Roten-Armee-Fraktion um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof, vergisst dabei aber leider, sich mehr um die Darstellung der polizeilichen Ermittlungen zu bemühen. Dass den Opfern, die durch den anarchistischen linken Terror ums Leben kamen, kaum Beachtung geschenkt wird, ist aus dramaturgischer Sicht verständlich, da man sich als Filmautor wahrscheinlich immer entscheiden muss, aus wessen Sicht man die Geschichte erzählt, damit die Handlung eine klare Linie beibehält; ein charismatischer Typ wie Andreas Baader, ein Mann aus dem Volk, liefert einem jüngeren Publikum bestimmt mehr Identifikationspotenzial als ein biederer, konservativer, alter Kriminalinspektor.
Wenn man Moritz Bleibtreu auf der Leinwand sieht, dann erhält man den Eindruck, Andreas Baader sei wiederauferstanden, so sehr ähnelt er ihm. Auch die anderen Darsteller sind die creme de la creme des deutschen Kinos - Bruno Ganz und Heino Ferch (die ermittelnden Kriminalkommissare) hätten allerdings im wahrsten Sinne des Wortes mehr Spielraum verdient.
Ein paar ethische und soziale Fragen, die sich mir an dieser Stelle auftun: Darf man für seine politische Überzeugung Menschen töten? Ist ein Menschenleben wirklich weniger wert als das Wohl der Gemeinschaft? Kann man in unserem Land nur durch Waffengewalt maßgebende Veränderung erwirken? Wie kann es sein, dass junge Menschen ein derart destruktives und hasserfülltes Verhalten an den Tag legen? Was ist da falsch in unserem Land?
Ich bin dafür, dass wir unseren Kindern beibringen, dass jeder Mensch etwas ganz Besonderes und Wertvolles ist. Menschenwürde sollte nichts mit wirtschaftlicher Leistung zu tun haben. So könnten wir in unserer Gesellschaft vielleicht Menschen heranziehen, die kapieren, dass "fu**ing" (Liebe machen) eben doch nichts mit "shooting" (Menschen töten) zu tun hat. Dann bin ich eben naiv, aber das ist in bezug auf junge Menschen immer noch besser als Zynismus!!!
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47 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein gutgemachter Film mit ernstem Hintergrund, 9. April 2009
Der Baader Meinhof Rummel aus den siebzigern wird hier sehr gut wiedergespiegelt. Die Darsteller erinnern in ihrem äußerem geradezu an die Personen, die sie hier verkörpern. Ein deutscher Film, der sich im internationalen Vergleich nicht verstecken muss, was zahlreiche Nomminierungen und Auszeichnungen beweisen. Die Akteure spielen ihre Rollen, als wären sie dabei gewesen. Das ist deutsches Kino, das an die große Zeit der Filme aus den siebzigern und achtziger erinnert als wir noch gute Themen und hervorragende Regiesseure hatten. Empfehlenswert.
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