Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mit Gott und Marx in Teheran, 25. Dezember 2008
Der Film behandelt die Lebensgeschichte der 1969 geborenen Iranerin Marjane Satrapi, die heute in Paris lebt. Die Verfilmung im Comic-Stil basiert auf dem vierbändigen Comic. Die deutsche Stimme der Marjane ist Jasmin Tabatabai, die selbst in Teheran aufgewachsen ist. Persepolis ist der Name der Hauptstadt des antiken Perserreichs, die aber im Film keine weitere Bedeutung hat.
Marjane erlebt als Schülerin die Islamische Revolution von 1979, durch die der Staat des Schah Reza Pahlani abgelöst wird von dem totalitären Regime Ajatollah Chomeinis, das auf die Errichtung eines islamischen Gottesstaates zielt. Schon der Staat unter dem Schah, dem die USA an die Macht geholfen haben, war totalitär und ließ durch seinen Geheimdienst liberal-westlich orientierte, marxistische und islamische Oppositionelle hinrichten. (Der Besuch dieses Schahs in Berlin mündete im Tod Benno Ohnesorgs.) Marjanes Familie, ihre Eltern und ihre Großmutter sind liberal, und unter ihren weiteren Verwandten gibt es viele Regime-Gegner, die sowohl vor der Revolution als auch anschließend verfolgt werden. Insbesondere ihr Onkel, der der marxistischen Oppositionsbewegung angehört, bleibt zwangsläufig auch unter Chomenei inhaftiert und wird hingerichtet. Marjane muss als Schülerin nun eine Burka tragen, zuhause bei ihren Eltern wird diese hingegen nicht gerne gesehen. Ihre Eltern besuchen heimlich verbotene Parties hinter abgeschotteten Fenstern und brennen Alkohol selbst. Auf einem "Schwarzmarkt" besorgt Marjane sich westliche Hard Rock- und Punk-Musik, die sie mit großer Vorliebe hört.
Dann, 1980, bricht der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak aus. Die Bombardierung Teherans in diesem Krieg, in dem viele Freunde und Nachbarn der Familie Marjanes umkommen und die Stadt zerstört wird, veranlasst Marjane schließlich, auf eine Schule in Wien zu gehen.
Alle Ereignisse werden aus der subjektiven Perspektive der Autorin erzählt. Das führt zum einen dazu, dass Ereignisse wie die Erschießung des Onkels im Gefängnis nebeneinander erzählt werden mit einem Vorfall, bei dem Marjane von zwei Polizisten auf der Straße gestoppt wird, weil sie gerannt war, was Frauen nicht dürfen, sowie mit dem Kauf von Musikkassetten und dem ersten Verliebtsein. An einigen Stellen wirkt diese Verniedlichung von allem, hervorgerufen durch das Nebeneinander von Politischem und Privatem, und der damit verbundene manchmal krasse Wechsel von Dramatischem und Banalem, etwas bemüht. In Wien wird aber deutlich, dass auch scheinbar banale Probleme wie Liebeskummer existentiell bedrohlich sein können, was zum Beispiel die parallele Erzählung solcher "kleinen" mit geschichtlichen Ereignissen rechtfertigen kann. An einer Stelle wird von der streng subjektiven Darstellung abgewichen: wo in einer kurzen Zusammenfassung die Geschichte Irans erzählt wird. Hier werden Erinnerungen geweckt an die Comic-Darstellung der Geschichte der USA in "Bowling for Columbine".
Die Geschichte setzt sich fort mit der Rückkehr Marjanes nach Iran und einer neuerlichen, endgültigen Emigration nach Frankreich. Gott und Marx sind für Marjane die beiden konkurrierenden Ideen, die sie immer wieder aufbauen, wobei keiner von beiden eine eindeutige Vorherrschaft gewinnt. Der Film entzaubert das vermeintlich Exotische des islamischen Iran. Er kritisiert den Islam und die auf dem islamischen Glauben gründende totalitäre Staatsherrschaft im Iran, wo kirchliche Autoritäten zugleich fast alle staatlichen Ämter einnehmen. Die persönliche Erzählung im Comic-Stil erleichtert den Zugang zu diesem "schweren" Thema.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wunderbarer Film zum Iran und dem Erwachsenwerden, 20. Mai 2008
Ich kenne die Comics, die diesem Film zugrunde liegen nicht, aber der Zeichenstil ist einfach toll. In der Vergröberung und Reduzierung zu Schwarz und Weiß erscheint plötzlich vieles klarer und deutlicher, als es ein Realfilm hätte transportieren können.
Die Protagonistin des Films erlebt ihre Kindheit im Iran und führt uns so in eine unbekannte Welt und Mentalität. Durch ihre kindliche Unvoreingenommenheit lernen auch wir Westler die Mentalität der Menschen im Iran verstehen, und wir merken, dass uns diese Menschen nicht allzu fremd sind, im Gegenteil!
Auch sie wollen Frieden, Party und Spaß!
Natürlich führt der Film auch durch die Schattenseiten der iranischen Geschichte, ist dabei nie verklärend, aber auch nie brutal. Deutlich, aber eben durch Kinderaugen werden die Unrechtsregime und die Unterdrückung der Frau gezeigt und die Ungerechtigkeit, die nach dem Sturz des Schahs im Iran einkehrte.
Insgesamt ist dieser Film für mich eine tolle Art der Völkerverständigung und darüber hinaus ein wunderbares Kunstwerk, welches wohl so manche Dokumentation und Nachrichtenmeldung überdauern wird. Diesen Film kann ich uneingeschränkt empfehlen, für jung und alt und für alle Ethnien. In meinen Augen sollte dieser Film Pflichtprogramm in Schulen werden, denn hier werden noch ganz ungezwungen Werte vermittelt! Toll!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mit Punk, Iron Maiden und ABBA gegen das Regime, 27. Oktober 2009
Die Vita des iranischen Mädchens Marjane hat es in sich: Schon als 8-jähriger kleiner aufmüpfiger Dreikäsehoch rannte sie einst mit einem weißen Stirntuch und einem Knüppel in der Hand durchs Wohnzimmer und bekämpfte in kindlicher Theatralik und mit demonstrativen Gesten den Schah. Später, inzwischen in der grauen und brutalen Realität des Mullah-Regimes angekommen, wandelt sie mit dem Slogan Punk Is Not Dead auf dem Rücken ihrer Kapuzenjacke und einem Michael Jackson Sticker auf der Brust in Teheran über den Schwarzmarkt, um einem Händler eine Iron Maiden Kassette abzukaufen, wo sie, die auch ABBA schon mal gern hört, prompt auch von zwei Moralwächterinnen aufgegriffen wird. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Marjane und ihre Familie, die Repressalien des Regimes zu spüren bekommen. Die Rückzugsrefugien (z.B. illegale Parties mit moderner Musik und dem ein oder anderen alkoholischen Getränk) werden vom Regime systematisch ausgedünnt. Es folgt die Emigration Marjanes ins Ausland auf eine französische Schule in Wien. Dort desintegriert, unverstanden, von menschlichen Enttäuschungen der ersten Liebe gebranntmarkt und mit nicht mehr zu unterdrückender Sehnsucht nach ihrer Heimat, kehrt sie schließlich als junge Frau wieder zu ihrer Familie in den Iran zurück. Es folgen Hochzeit, Scheidung, ein Besuch auf dem psychologischen Kanapee und der triste Alltag im Regime mit dem täglichen Ankämpfen gegen die verordneten Dogmen.
Marjane Satrapi gelingt eine wunderbar subversive Comicverfilmung ihrer eigenen Vergangenheit in autobiographischen Episoden. Während große Animationsstudios wie Pixar und Disney sich auf möglichst realistische Animationstechniken konzentrieren, behält Satrapi den einfachen und abstrakten Schwarz/Weiß-Stil ihrer Buchvorlagen bei. Farbschattierungen entfallen nur auf die Szenen in der Realität am Flughafen, wo sich Marjane an die Vergangenheit zurückerinnert. Mit diesem Trick der einfachen Striche rückt sie die Handlung in den Vordergrund und schafft eine hohe Identifikation des Zuschauers mit den Figuren. Je nach Szenerie verwendet sie dabei passende Überzeichnungen, beispielsweise als die beiden Moralwächterinnen auf Marjane zukommen und sich plötzlich visuell in immer größer werdende Seeschlangen ausdehnen. Folterungen, Hinrichtungen, Säuberungswellen und Krieg werden in dezent visuellen Bildern verfasst, so dass der Film, der von der FSK ab 12 freigegeben ist, auch von Heranwachsenden gesehen werden kann. Trotz der ernsten Thematik besticht der Film durch ein hohes Maß an Dialogwitz und charmanter Ironie.
Die Figuren werden im Original von Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni gesprochen. Die deutsche Synchronisation kann mit den Stimmen von Jasmin Tabatabai, Hanns Zischler und Nadja Tiller locker mithalten. Viele Zusatzinfos hält die DVD im Making Of und in einem Interview mit Marjane Satrapi bereit. Entfallene Szenen sind ebenfalls abrufbar.
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