Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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57 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wer A sagt muss auch B sagen, 18. November 2007
Nachdem zum Verkaufsstart der beiden Filme ein schickes Steelbook auf den Markt gebracht wurde, welches ziemlich schnell ausverkauft war, kommt nun anscheinend eine neue Box zu Eastwoods grandiosen Iwo-Jima Filmen in den Handel. Dies ist nur zu begrüßen, da die beiden Filme ohne jeden Zweifel zusammen gehören. Aber nun einige Worte zu den Filmen an sich.
"Flags of our fathers"
In den USA blieb das Einspielergebnis des Films weit hinter den Erwartungen zurück, in dieser Hinsicht ist er also gefloppt. Nachdem ich den Film geshehen habe vermag mich das nicht zu verwundern.
In "Flags of our fathers" geht es nicht in erster Linie um die Demaskierung des Mythos vom "heldenhaftem" amerikanischen Soldaten, so meisterhaft geschehen in Kubricks "Full Metal Jacket" und Stones "Platoon", sondern um die Demaskierung eines amerikanischen Mythos: Dem Hissen der amerikanischen Flagge auf dem Hügel von Iwo-Jima.
Dieser Ansatz allein macht noch lange keinen guten Film, jedoch kommt an dieser Stelle die meisterhafte Regie Clint Eastwoods ins Spiel. Ihm gelingt es eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer mühelos zwei Stunden in den Bann zieht. Getragen wird der Film von den in ständigen Zeitsprüngen erzählte Lebensgeschichten dreier GIs, die bei der Invasion Iwo Jimas beteiligt waren, und den zweiten Sternenbanner auf dem Hügel hissten. In Folge dieser Aktion werden die drei in die USA zurückbeordert und als "amerikanische Helden" auf eine Werbetour geschickt.
Die ständigen Zeitsprünge, die Eastwood verwendet, führen zum Ziel. Der Vorwurf diese würden den Zuschauer verwirren ist unverständlich. Dem Zuschauer wird die teilweise völlig absurd wirkende Werbetour in Amerika vor Augen geführt, immer wieder unterbrochen von beeindruckenden Bildern der Invasion, die in schonungsloser Brutalität gezeigt werden. Dies ist auch keine Effekthascherei, sondern nötig um sich in die drei Soldaten hereinversetzen zu können. Folglich kommen auch nicht alle der drei mit dem Erlebten zurecht.
Das Eastwood aber auch subtil sein kann beweist er vor allem in einer Szene: Das Bild der Erdbeersoße, welches sich wie Blut auf das Vanilleeis in Form des berühmten Denkmals ergießt, ist ebenso simpel wie genial.
Die Botschaft des Films ist vielschichtig: Die drei Hauptprotagonisten sind keine Helden (Sie sehen sich selber nicht als Helden), sie werden vom Staat dazu gemacht, in einer Zeit in der die Bevölkerung und der Staat Helden braucht. Und dieser Held kann auch plötzlich ein Indianer sein, trotz der Rassen-Diskriminering in Amerika, welche in diesem Film auch thematisiert wird. Folgerichtig werden diese Helden auch ebenso schnell wieder fallengelassen, wenn man sie nicht mehr braucht.
"Ein Foto kann über Sieg und Niederlage entscheiden", heißt es am Anfang des Films. Eastwood macht eindrucksvoll deutlich, dass es dabei völlig unerheblich ist, ob dieses Foto echt oder unecht ist. Es geht einzig und allein darum, was die Menschen in diesem Foto sehen wollen. Gerade in unserer von den Medien dominierten Welt ist dies ein zeitloses Thema.
In einem Aspekt ist der Film jedoch zu eindimensional: Die Japaner werden als unmenschliche, gesichtslose Masse dargestellt. Ein Aspekt welcher der Intention Eastwoods zwei Filme zu drehen, jweils aus amerikanischer und japanischer Sicht, geschuldet ist. Dies führt dazu das dieser Film in seiner Eigenständigkeit Schwierigkeiten hat, er kann nicht ohne den zweiten Teil gesehen werden. Da aber wohl jeder, der "Flags" gesehen hat, auch Letters gesehen hat (hoffe ich wenigstens), ist dieser Kritikpunkt zu vernachläsigen.
"Letters from Iwo Jima"
Nach "Flags of our Fathers" durfte man gespannt sein, welchen Ansatz Eastwood im zweiten Film wählen würde. Ging es im "Flags" noch um die Demaskierung eines amerikanischen Mythos, so stehen in "Letters from Iwo Jima" wieder das Schicksaal einzelner Soldaten im Vordergrund.
Die Geschichte des Films basiert auf Briefen, welche nach dem Krieg auf der Insel gefunden wurden sind. Die Japaner erwarten, numerisch und technisch weit unterlegen, den Angriff der Amerikaner. Zu Beginn des Films werden die einzelnen Charaktere vorgestellt. Mit Hilfe kurzer Rückblenden führt Eastwood in die Einzelnen Personen ein, und erreicht somit, das der Zuschauer eine emotionale Bindung mit den einzelnen Figuren eingeht.
Unter diesen ist beispielsweise der junge Bäcker Saigo, welcher unbedingt überleben und zu seiner Frau zurückkehren möchte. Herauszuheben ist unter anderem die schauspielerische Leistung von Ken Watanbe, der den Oberbefehlshaber Kurubayashi spielt. Diesem kommt die Aufgabe zu die Insel zu verteidigen, und seine Männer zu motivieren, wohl wissend, dass sie und er diese Insel nicht lebend verlassen werden.
Der Film ist in seinen Aussagen überaus vielfältig, und greift in seiner Wirkung auf "Flags" zurück: Sah man die Schlacht im ersten Teil aus Sicht der Amerikaner, so bekommt man nun zum Teil die selben verwaschenen, ausgebleichten Bilder, nur eben aus anderer Perspektive, zu sehen.
Eastwood gelingt es ein weiteres Mal die Sinnlosigkeit des Krieges zu verdeutlichen. Die Szenen in denen sich japanische Soldaten selbst in die Luft sprengen, um der Gefangenschaft zu entgehen, sind von ungeherurer emotionaler Intensität, und gleichzeitig ein Versuch die japanische Mentalität im zweiten Weltkrieg zu verdeutlichen.
Untermalt wird der Film von einer ruhigen, melancholischen Musik, welche viel zur Atmosphäre beiträgt. Zu dieser trägt auch die Entscheidung Eastwoods den Film ausschließlich auf japanisch zu drehen einen großen Teil bei.
Neben den Greul des Krieges macht der Film aber vor allem eines deutlich: Die einzelnen japanischen und amerikanischen Soldaten unterscheiden sich in ihren Ängsten und Sehnsüchten kaum von einander. Dies wird auch an der Rolle des Generals Kurubayashi verdeutlicht, welcher seit einem Besuch in Amerika das Land sehr liebgewonnen hat, und nun gezwungen ist gegen dieses zu kämpfen.
Neben den Schrecknissen des Krieges gibt es allerdings auch Momente der Hoffnung, zum Beispiel dann wenn japanische Soldaten sich um einen verletzten GI kümmern.
Eastwood schreckt aber auch in diesem Teil nicht davor zurück "unliebsame" Probleme aufzuzeigen. Kamen im ersten Teil noch die Japaner als brutale und grausame Maße rüber, so zeigt er in diesem Teil konsequenterweise auch die Erschießung japanischer Kiregsgefangener durch amerikanische GIs, welche die Gefangenen als Ballast empfinden.
Auch dieser Film kann somit nicht alleine bestehen. Sowohl "Flags" als auch "Letters" brauchen einander. Mir persönlich hat "Letters from Iwo Jima" noch einen Tick besser gefallen, auf Grund der Tastsache das er auf Grund seines Ansatzes die Schicksaale einzelner Soldaten zu beleuchten, weitaus emotionaler als "Flags" wirkt.
Fazit
Insgesamt bleibt somit festzuhalten, dass sich beide Filme zu einem großartigen Ganzen fügen. Wer "A" sagt, muss auch "B" sagen. Eastwood hat hat das beherzigt, und mit seinen beiden Filmen aus amerikanischer und japanischer Sicht einen Meilenstein des Anti-Kriegsfilm abgeliefert. Chapeaux Mr. Eastwood!
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29 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Tribut an die Helden eines grausamen Kriegskapitels, 12. April 2008
FLAGS OF OUR FATHERS
Mit seinem Weltkriegsdrama "Flags of Our Fathers" erzählt Clint Eastwood die Lebens- und Leidensgeschichte der sechs US-Soldaten, die 1945 eine amerikanische Flagge auf dem Gipfel des Mount Suribachi auf der pazifischen Vulkaninsel Iwo Jima aufrichteten, dabei zufällig von einem Kriegsberichterstatter fotografiert wurden und infolgedessen, mehr oder weniger ungewollt, zu Ikonen amerikanischen Heldentums avancierten - die Fotografie diente bspw. als Vorlage für das berühmte USMC War Memorial bei Arlington.
Drei der sechs Soldaten - fünf Marines und ein Navy-Corpsman - starben in der Folge in Kampfhandlungen auf Iwo Jima, die Überlebenden - John "Doc" Bradley (überzeugend gespielt von Ryan Phillippe), Rene Gagnon und der Indianer Ira Hayes - kehrten in die USA zurück und wurden als Werbeträger für den Verkauf von Kriegsanleihen und den Propagandaapparat missbraucht und von einer medienwirksamen Veranstaltung zur nächsten gereicht.
Durch gekonnt miteinander verknüpfte Rückblenden rollt Eastwood die Nachkriegsjahre der verbliebenen Helden auf und erzählt davon, dass nicht jeder der drei mit der unerwarteten Berühmtheit zurechtkam: Ira Hayes war durch die Traumatisierung der Kriegserlebnisse, den Tod seiner Kameraden und den andauernden Kult um seine Person zum Alkoholiker geworden und nur zehn Jahre nach Rückkehr aus dem Pazifikkrieg betrunken, in seinem eigenen Blut liegend, erfroren.
Alles in allem hat mir "Flags of Our Fathers" gut gefallen, auch wenn die moralische Beimischung à la "Wir waren Helden" teilweise etwas zu forciert wirkte; doch das tut der Spannung des Films im Ganzen keinen Abbruch. Regisseur & Produzent Eastwood versteht es nunmal einfach, fesselnde Geschichten ("Million Dollar Baby", "Mystic River") zu erzählen bzw. zu adaptieren (gem. der gleichnamigen Buchvorlage von James Bradley, "Doc's" Sohn, erschienen 2000), und letzten Endes sind es genau solche, nach denen man sich als Zuschauer sehnt. Dass inmitten des martialischen Schlachtengetümmels oder auch in späteren Szenen immer die einzelnen Protagonisten und deren Schicksal im Mittelpunkt stehen, das macht diesen Film meines Erachtens sehr menschlich - trotz oder gerade aufgrund seines erschütternden Grundthemas, dem erbarmungslosen Kampf um Iwo Jima.
Deswegen lautet mein Gesamturteil auch: Volle Punktzahl.
LETTERS FROM IWO JIMA
Geschätzte 7.000 amerikanische und weitere 20.000 japanische Soldaten ließen bei einer der wohl blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs ihr Leben. Mit seinem Fortsetzungswerk "Letters from Iwo Jima" thematisierte Eastwood im gleichen Jahr (2006) den verzweifelten Verteidigungskampf der Japaner und realisierte somit auch eine nicht minder mitreißende "Feind-Perspektive" des Schlachtgeschehens.
Im Gegensatz zu "Flags of Our Fathers" behandelt dieser Film nicht im ständigen Wechsel mehrere Zeitebenen, sondern erzählt relativ linear die Geschichte verschiedener japanischer Soldaten - von ihren Angriffsvorbereitungen bis hin zum Ende der Schlacht. Auch thematisch geht es in "Letters from Iwo Jima" in erster Linie nicht um kollektiv erfahrenes Heldentum; vielmehr wird dem Zuschauer die gnadenlos erscheinende Ausweglosigkeit in Unterzahl kämpfender Japaner vor Augen geführt, die sich in zum Teil bedingungsloser Pflichterfüllung dem Befehl ihres Kaisers, die Stellungen auf jeden Fall zu halten, unterwerfen - was zeitweise unerträgliche Momente ergibt, in denen man sich als Zuschauer in die jeweilige Extremsituation des Films hineinversetzt fühlt.
Auch diesem Film gebe ich die volle Punktzahl, wenn mir auch "Flags" ein bißchen besser gefallen hat - aufgrund seiner eher ungewöhnlichen und dadurch nicht so sehr vorhersehbaren Machart und Erzählweise; teilweise fällt das Ganze in seiner heroisierenden Porträtierung natürlich auch etwas zu "proamerikanisch" aus.
Im Ganzen aber eine absolut empfehlens- und kaufenswerte Collector's Edition, deren Filme sich angenehm von allzu patriotischen Hollywood-Kriegsschinken unterscheiden.
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25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
...eine wunderbare Idee und eine geniale Umsetzung, 2. Dezember 2007
FLAGS OF OUR FATHERS
...eine gelungene Gratwanderung
Eingebettet in die Erinnerungen an ein, von gnadenloser Propaganda inszeniertes Heldentum und an die realen Kampferlebnisse junger bis jüngster Soldaten gelingt Eastwood eine soweit ungeschönte und reale Darstellung einer schmerzlichen Erfahrung über das Überleben und den, im Dienste des Staates gewaltsamen Tode einerseits und das zielorientierte Anheizen von Emotionen und Kriegsbegeisterung andererseits. Wohl selten wurde bis jetzt die auf amerikanischer Seite erfolgte Instrumentalisierung von Menschen zum Zwecke eines Krieges oder einer Kriegshandlung so deutlich und unverblümt, ja gerade grotesk und ohne jegliches Pathos gezeigt.
Auf hohem Niveau bannen ständig wechselnde Spektakel und Charakterstudien grandiose und drastische Bilder von Leiden und Farce auf die Leinwand, vor einer, jeweils meisterlich gewählten Kulisse und mit hervorragend agierenden Schauspielern.
LETTERS FROM IWO JIMA
...eine leise Geschichte über einen gigantischen Selbstmordbefehl
In diesem schmerzhaften Pendant zu "Flags of our Fathers" wird den japanischen Toten posthum ein tief ergreifendes Denkmal gesetzt. In einem nahezu schwarz/weiß Film zeigt Clint Eastwood in einer kleinen, düsteren Palette von Farben konzentriert und faszinierend ein Figurenkabinett über den Antagonismus von Heldentum und Aufrichtigkeit sowie von Grausamkeit und Ergebenheit.
Die Menschen durch die klaustrophobische Extremsituation auf das Elementarste reduzierend konzentriert sich dieses erneute Meisterstück reflektorisch und dissonant auf die Inszenierung eines Kriegsschauplatzes mit ihren inter- und intraindividuellen Auseinandersetzungen und Überlebenstrieben sowie auf die Auseinandersetzung mit dem Bekannten und dem Fremden.
Ein geradliniger und genialer Film, mit exzellenten Hauptdarstellern und einen tiefen Eindruck in die Welt der hilflos Eingeschlossenen und ihrer Surrealität.
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