Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schräges Märchen, 28. Oktober 2007
Sicherlich einer der ungewöhnlichsten Filme der letzten Jahre. Inszeniert wie ein Kammerspiel, gedreht in wundervoll stilisierten Kulissen, denen man das kulissenhafte jedoch absichtlich ansieht - ein reiner Studiofilm! - und mit einer traumhaften Musik von Carter Burwell unterlegt. Grandios, verträumt und völlig schräg - ein Wunder, dass Hollywood solche Filme produziert.
Bei aller Bravour sollte man jedoch nicht davon ausgehen, dass dieser Film tatsächlich etwas mit der realen Diane Arbus zu tun hat. Die Betonung liegt hier eindeutig auf "imaginär"! Sowohl die Figur von Nicole Kidman, als auch der von Robert Downey Jr. gespielte Part, sind überwiegend, respektive völlig fiktiv. Da ich die, dem Film zu Grunde liegende (?) Biografie gelesen habe, behaupte ich einfach mal, die grösste Übereinstimmung zur realen Diane Arbus, liegt in der Haartönung von Nicole Kidman.
Aber auch wenn man sich ernsthaft für Leben und Werk von Diane Arbus interessiert, sollte man sich dadurch nicht vom Genuss dieses Films abhalten lassen, sondern ihn stattdessen als (psychonanalytische) Traumvariante begreifen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine haarige Angelegenheit. Avantgardekino mit viel Gefühl., 1. November 2007
Diane Arbus, die amerikanische Fotografin, die freiwillig aus dem Leben schied, war zu Lebzeiten ein vielschichtiger Charakter. Steven Shainberg versucht mit -Fur- Episoden ihres Lebens aufzuzeichnen. Dabei hält er sich, wie uns auch schon der Untertitel des Films mitteilt, nicht immer an Fakten und geschichtliche Daten. Ganz im Gegenteil, Shainberg pickt sich bestimmte Phasen aus Arbus Leben heraus und stilisiert sie in teilweise beklemmenden wie auch beeindruckenden Bildern. Der rote Faden der Geschichte ist schnell erzählt: Diane Arbus(Nicole Kidman) wächst in reichen Verhältnissen auf. Die Eltern haben ein Pelz- und Modegeschäft. Sie heiratet Allan und assistiert ihm beim Fotografieren. Zwei Kinder werden geboren, um die sich Diane kümmert. Dann zieht ein seltsamer Obermieter in den Wohnblock der Arbus ein. Lionel(Robert Downey jr.) läuft nur völlig vermummt durch die Stadt. Sein Körper ist von oben bis unten mit Haaren bedeckt. Er trat früher in einer Freakshow auf. Jetzt lebt er zurückgezogen und ist tödlich erkrankt. Diane fühlt sich zu Lionel hingezogen und beginnt eine surreale Beziehung zu ihm. Sie wendet sich immer mehr von ihrem Mann und den Kinder ab und wird von Lionel in eine Welt der Freaks und Absonderlichkeiten eingeführt. Dabei entwickeln sich zarte Bande zwischen Diane und Lionel, die letztendlich nur der Tod zerstören kann.
-Fur- kann als Film für sich die gleichen Attribute beanspruchen, wie Nicole Kidman für ihre Darstellung der Diane Arbus: Sexy, seltsam, schwierig, verrückt. Sicher ein gewagter Dreh, der nicht nur Beifall nach sich ziehen wird. Wer sich auf -Fur- nicht rückhaltlos einlässt, der wird keine Freude an dem Streifen finden. Er ist eine Gratwanderung zwischen Märchen und Psychoanalyse, Liebesgeschichte und Drama. So verstört und zerissen die Geschichte teilweise wirkt, so eindringlich und einfühlsam ist sie auf den zweiten Blick. Nicole Kidman hat ein Gespür für solche Rollen. Man muss sie nicht mögen, um trotzdem festzustellen, dass sie eine großartige Hauptrolle spielt. Und Robert Downey jr. zeigt uns wieder einmal, dass er auch völlig verfremdet und vermummt schauspielerische Höchstleistungen bringt.
Mit Diane Arbus wirlichem Leben hat -Fur- ganz sicher nicht all zu viel zu tun. Aber ihr Fühlen und Denken wird sich vermutlich in den Bereichen abgespielt haben, die Shainberg für seinen Film aufzeigt. Zugegeben, ziemlich sexy, sehr seltsam, extrem schwierig, abenteurlich verrückt und doch: Gefühlvoll schön.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Haarige Liebesgeschichte..., 23. November 2007
Im amerikanischen Original heißt der Film "Fur: An Imaginary Portrait of Diane Arbus". Der Untertitel nimmt es vorweg, es geht nicht darum, die Lebensgeschichte der US-Kunstfotografin Diane Arbus möglichst genau wiederzugeben, sondern darum, jene dunklen, bisher unbekannten Winkel in ihrem Leben auszuleuchten, die ursächlich für all die Kreativität gewesen sein könnten. Steven Shainberg als Regisseur ist für dieses Unterfangen eine prima Wahl. Man denke nur an sein Meisterstück "Secretary", worin auch alle Ecken, Kanten und Winkel der menschlichen Psyche ohne falsche Scham betrachtet werden.
In "Fell" lässt Shainberg Diane Arbus mit Lionel zusammentreffen. Er ist ein ganz besonderer Mensch: intelligent, charismatisch, direkt, leidet aber an Hypertrichose, Ganzkörperbehaarung. Früher verdingte er seinen Lebensunterhalt als Zirkusattraktion, jetzt führt er ein zurückgezogenes Leben in der letzten Etage über Diane. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung à la The-Beauty-and-the-Beast. Diane gibt ihm bisher ungeahntes Selbstwertgefühl, Lionel fördert im Gegenzug ihre verschütteten Talente. Eine märchenhafte Symbiose.
Die reale Diane Arbus stand jahrelang im Schatten ihres Mannes Allan, der zuerst Filmschauspieler und danach Modefotograf war. Die Ehe scheiterte, Diane machte danach eigenständig Karriere (sie bevorzugte ungewöhnliche Sujets wie siamesische Zwillinge oder einen Jungen mit Handgranate), beging aber mit nur 48 Jahren Selbstmord. "Fell" hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Film "Sylvia", indem Gwyneth Paltrow die Literatin Sylvia Plath spielt, deren beruflicher Werdegang, Ehe und Leben ein ganz ähnliches Ende nahmen.
Was die beiden Hauptrollen in "Fell" angeht, hat Regisseur Shainberg richtig gewählt. Nicole Kidman kann die zerbrechliche Künstlerinnenseele nuancenreich rüberbringen. Eine gewagte Rolle, weit abseitig vom Hollywood-Mainstream. Man denke nur an die Rasurszene gegen Filmende - mutig! Robert Downey, jr. ist als mähniger Lionel einmal mehr der sympathische Außenseiter. Fazit: Schwierige Kost, kein Allertage-Film, eine haarige Lovestory mit Tiefgang.
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