Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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68 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht..., 9. Dezember 2007
Wenn ich bei diesem Film Aussagen wie "verstanden" oder "nicht verstanden" lesen darf, dann zweifle ich. Insbesondere über die, die sich über diejenigen zu erheben scheinen, die diesen Streifen nicht verstanden haben.
Wieso? Hm. Inland Empire, und das ist meine feste Überzeugung, entzieht sich bewusst und beabsichtigt jedem kognitiven Zugang. Ich schätze Lynch sehr - allerdings ohne ihn kultisch zu verehren. Dennoch ist Lost Highway einer meiner absoluten Lieblingsfilme, dennoch schätze ich die eigene Ästhetik des letztlich etwas kitschigen "Dune", dennoch mag ich das Verwirrspiel um Traum und Wirklichkeit in Mulholland Drive - ich mag die ruhigen Momente im Elefantenmenschen und in the Straight Story - aber bei Inland Empire versagt jeder Versuch, sich diesem Film auf irgendeine konventionelle Ebene zu nähern. Es scheitert sogar der Versuch, sich Inland Empire auf Lynch-typischem Wege zu nähern. Man kann diesen Film nicht verstehen -es gibt schlichtweg nichts zu verstehen.
Inland Empire ist ein Panoptikum Lynchs, ein audiovisuelles Meisterwerk - einmal mehr. Postmoderner Cineasmus. Helden, Charaktere, Handlungen - gibt es hier schlichtweg nicht mehr. Jaja, die alternde Schauspielerin die eine Rolle in einem Film bekommt, der sich als geheim gehaltenes Remake offenbart - aber das ist als Handlungsfaden derart dünn, dass es nicht für einen 30 Minütigen Kurzfilm reichen würde - und für einen drei Stunden langen Kinofilm mit Überlänge schon mal gar nicht.
Für jeden, der schon mit den vergleichsweise verständlichen und geradewegs direkt zugänglichen Lost Highway oder Mulholland Drive Schwierigkeiten hatte, ist dieser Film hier vollkommen ungeeignet. Inland Empire entstand ohne Drehbuch - und das verwundert kaum. Atmosphärische Schnippsel werden aneinandergereiht und schaffen es, den Zuschauer ins Universum Lynchs zu ziehen - oder in nie zuvor erlebter Art und Weise zu nerven und zu langweilen. Ich bin durchaus jemand, der Spaß daran hat, einen roten Faden in Filmen zu suchen, ich puzzle gerne cineatisch, suche Bilder und Hinweise, wie man einzelne Szenen zusammenfügen kann, damit sie Sinn ergeben - allein bei Inland Empire bleibt dieser Sinn verborgen, egal, wie sehr man sich müht. Und solange, bis mir niemand eine in sich schlüssige Interpretation dieses Werks vorlegen kann, werde ich von dieser Behauptung keinen Millimeter abrücken. Wer behauptet, in Inland Empire einen roten Handlungsstrang zu erkennen blufft um sich selbst pseudointellektuell zu profilieren.
Nichtsdestotrotz liefert IE die altbekannten Stärken Lynchs - es sind Szenen, die den Zuschauer, der sich auf diesen Wahnsinn einlässt, gefangen nehmen können und faszinieren. Nur : Ein Spielfilm ist das nicht mehr.
Dementsprechend schwer fällt mir die Bewertung. Am liebsten hätte ich mich einer Bewertung enthalten. 5 Sterne für die immer wieder funktionierenden Stilmittel Lynchs - aber 0 Punkte unter der Prämisse, dass hier irgendwas inhaltliches vermittelt werden sollte. Somit werte ich mal etwas ratlos 3 Sterne - auch wenn drei Sterne einen durchschnittlichen Film suggerieren. Durchschnittlich ist an Inland Empire wahrlich nichts. Ich weiß nur nicht, ob ich das ganze lieben oder fassungslos verspotten soll. Es ist irgendwas von beiden Extremen in mir.
Sollte eines Tages eine Special Edition mit umfangreichen Audiokommentar Lynchs erscheinen, ich werde sie mir ohne mit der Wimper zu zucken zulegen. Und wer weiß, vielleicht würde ich hinterher tatsächlich aufwerten. So bleibt nur ein extrem diffuser Eindruck nach einem selbst für Lynchverhältnisse außergewöhnlich konfusem Streifen.
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32 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das innere Königreich, 23. Januar 2008
Der Titel des Films ist ein Schlüssel. "Das innere Königreich."
So ist es eine gute Möglichkeit sich den Filmen von David Lynch zu nähern, indem man sie nicht als etwas Äußerliches betrachtet, etwas das man von außen betrachtet, sondern als etwas, das im Inneren geschieht. Im eigenen Gehirn oder in der eigenen Wahrnehmung.
David Lynchs Filme erzählen von der Psyche. Ähnlich wie Bücher von Freud, nur eben nicht wissenschaftlich sondern künstlerisch. Was geschieht mit der Psyche des Menschen wenn er in unbekannte, nicht vorhersehbare Situationen gerät, die sein Verstand nicht mehr erklären kann?
Das innere Chaos in das der Mensch gerät, der über die Grenzen der normalen Realität hinausgeht ist das Thema in diesem Film. Um das zu veranschaulichen bedient sich der Film einiger Tricks, wie z. B. der Verschiebung der Zeit und das damit verbundene Verlieren der alten Persönlichkeit.
Der Film beginnt mit dem Auftritt einer Hexe, die als unbekannte Nachbarin eine Schauspielerin aus der Nachbarschaft besucht. Sie erzählt die Geschichte des Films, indem sie zuerst die Situation schildert in der sich die Schauspielerin befindet. Dann sagt sie, dass sie nicht mehr wüsste worüber sie gerade geredet hätte und das sie nicht mehr wüsste, ob es jetzt 12 Stunden später oder früher wäre als gerade eben. Sie sieht die Schauspielerin 12 Stunden später auf einem Sofa am anderen Ende des Raumes sitzen. Die Schauspielerin, die am anderen Ende des Raumes auf einem Sofa sitzt, ist auch die letzte Einstellung des dreistündigen Filmes.
Zwischen der nicht chronologisch ablaufenden Geschichte aus der Psyche der Schauspielerin werden immer wieder Szenen gezeigt in denen Menschen mit Hasenköpfen auf einer Bühne agieren und sich unterhalten. Diese Dialoge stehen in keinem zeitlichen Zusammenhang, so als würden 12 Stunden dazwischen liegen. Ein imaginäres Publikum im Off, wie in Comedy Vorabend-Serien, applaudiert zu diesen völlig absurden und sinnlosen Dialogen. Die Menschen mit den Hasenköpfen auf der Bühne sind in der Zeit voneinander getrennt! Jede der Figuren lebt in einer anderen Zeit und so können sie sich nicht verstehen und reden aneinander vorbei. Dasselbe Schicksal ereilt die Schauspielerin, wobei gezeigt wird, wie ihr langsam die Zeit entgleitet. Zuerst vermischt sich die Realität mit den Dreharbeiten zu ihrem Film. Danach vermischen sich diese Filmszenen mit einer isolierten Traumebene des Bewusstseins.
Die vorherrschende Stimmung ist eine albtraumartige Reise in verschiedene Zustände der Wirklichkeit bis hin zu vollkommen entrückten Bildern und absurden Handlungssträngen. Doch selbst diese entrückten Traumbilder entwickeln ihre eigene Realität, für die Darstellerin und die weitere Handlung des Filmes.
Eine Bedeutung dieses Filmes könnte sein, dass jeder in seiner eigenen Zeit lebt, doch wir haben uns auf eine gemeinsame Zeit geeinigt. Ohne diese Einigung auf eine gemeinsame Wirklichkeit, würde jeder in seiner eigenen, für andere unbekannten Dimension der Zeit leben.
David Lynch zeigt dies aber nicht als äußerliche Tatsache, sondern als inneres Erleben. Das Äußere ist die gemeinsame Wirklichkeit, die wir alle miteinander teilen, während das Innere zu unserer eigenen Zeit führt, zu unserem inneren Königreich.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verstörend schön, 26. Juni 2007
Dass ein Film von David Lynch nicht unbedingt sofort zu verstehen ist, kennt man als Fan des Regisseurs von "Lost Highway" und "Mulholland Drive". Was mich dann aber auf der Leinwand erwartete, war noch einmal so dermaßen weit mehr ab von allem, was ich je gesehen hatte und dabei trotzdem fesselnd und schön. Benannte Werke aus dem ¼uvre des Independant Filmers oder auch Streifen wie "Stalker" von Tarkowskij oder "Singapore Sling" von Nikolaidis - nur um zwei weitere schwierige Lichtschauspiele zu nennen - wirken dagegen wie ein lauer Sommerspaziergang. Das nur als Einleitung, denn dieser Film ist nur etwas für Leute, die sich gerne auch mal intelektuell einlullen lassen.
Der fantastischen Rezension meines Vorredners "Boris Filmstudent" lässt sich so gut wie nichts hinzufügen. Außer vielleicht der Hinweis, dass es Herr Lynch durchaus versteht zu unterhalten, so man sich denn als Zuschauer auf den Film einlässt. Was in der Praxis bedeutet: Nicht krampfhaft verstehen wollen sondern einfach die Stimmung wirken lassen; ein Tipp, den man durchaus auch bei den eingangs genannten Filmen beherzigen sollte. Denn egal wie weit Herr Lynch einen in die Ferne schiebt, er schafft es am Schluss des Films einen mit einem guten Gefühl wieder einzufangen. Mir sind während meines zweiten Kinobesuchs - ja, ich bin stolz darauf behaupten zu können, INLAND EMPIRE tatsächlich zweimal im Kino gesehen zu haben - und während des Abspanns vor Rührung fast die Tränen gelaufen; und zwar ohne dass ich erklären könnte, warum ich so bewegt war.
Ich persönlich werde mir im August auf jeden Fall die englische DVD kaufen, bevor dann im November endlich die deutsche Scheibe erscheint.
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