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Der Titel
Re: Pasolini erscheint wie die Betreffzeile einer Antwort per E-Mail auf das Phänomen Pasolini. Sie stammt von dem italienischen Pianisten Stefano Battaglia und ist die musikalische Annäherung an Leben und Werk von Regisseur Pier Paolo Pasolini. Im spannungsvollen Nebeneinander extremer Gegensätze ist dessen uvre ebenso reich an Interpretationen, wie seine Biographie an Spekulationen, nicht zuletzt über seinen jähen, gewaltsamen Tod während eines Fußballmatches in Ostia, 1975. Eine Antwort kann zwar auch
Re: Pasolini nicht liefern, weil es die gar nicht geben kann, wohl aber eine musikalische Reflexion. Und die ist ausgesprochen hörenswert!
Stafano Battaglia ist spätestens seit seinem ersten Doppel-Album Raccoltto auch hierzulande ein Begriff. Schon damals, im Jahr 2005, handelte es sich nicht um den überraschenden Schnellschuss eines Newcomers, sondern um das Einbringen einer Ernte so die deutsche Übersetzung von Raccoltto-, Resultat langjähriger, musikalischer Erfahrungen im Zusammenspiel mit Musikern wie Kenny Wheeler, Steve Swallow und Lee Konitz, sowie der Mitwirkung an diversen CD-Einspielungen. Vielleicht liegt es ja an Battaglias Wurzeln in der klassischen Musik, dass Bedächtigkeit und Weitsicht ihn davon abhielten, aufgrund wachsenden Erfolgs Arbeitstempo und Produktivität zu steigern, auf die Gefahr hin, wie so viele andere spätestens nach dem dritten Album zu verglühen. Stattdessen nun also in gemessenem Abstand Re: Pasolini, wieder eine Doppel-CD und wieder in bewährter stilistischer Trennung der beiden Scheiben. Eine naheliegende Entscheidung in Anbetracht der Vielschichtigkeit eines Werkes, dessen Faszination von groben Brüchen und krassen Gegensätzen lebt. Battaglia erweist sich hier als profunder Kenner, nicht nur der Filme Pasolinis, sondern auch dessen literarischer Arbeit. In seinen Kompositionen schwingt Pasolinis Liebe zu Landstrichen des Friaul ebenso mit, wie innere Zerrissenheit gegenüber Land, Leuten und Kirche. Vereinfacht ließ sich feststellen, dass die erste CD eher lyrisch-melancholisch ausgefallen ist, mit ihrer getragenen Hommage an die Schauspielerin Laura Betti (Canzone di Laura Betti) und ihren tiefen, ruhigen Betrachtungen in Anlehnung an Pasolinis Gedichte (Fevrar) und Erzählungen (Il sogno di una cosa). Das verrät bereits die Besetzung von Cello (Aya Shimura) in Kombination mit Doppel-Bass (Salvatore Maiore) und Trompete (Michael Gassemann), sowie Schlagzeug (Robero Dani). Die zweite CD unterscheidet sich grundliegend, und zwar sowohl personell als auch stilistisch. Das musikalische Stimmungsbild ist von Unruhe und Angst geprägt, jedoch keineswegs minder faszinierend interpretiert von Dominique Pifarély (Violine), Bruno Chevillon (Doppel-Bass) und Vincent Courtois (Cello), sowie Michele Rabbia (Percussion). Eine Schlüsselposition kommt der Komposition Ostia zu, benannt nach dem Ort von Pasolinis Ermordung. Pasolini selbst äußerte einst: Der Tod bestimmt das Leben. Ich vergleiche ihn mit dem Schneiden eines Films. Wenn das Leben zu Ende ist, gewinnt es einen Sinn; bis zu diesem Augenblick hat es keinen. Das ist auch der Grund, warum erst die letzten Töne der zweiten CD von Re: Pasolini der hervorragenden Arbeit Battaglias ihren wahrhaftigen Sinn verleihen. Andreas Schultz