Aus der Amazon.de-Musikredaktion
Platten von Sophia springen einem nie sofort ins Gesicht, sie wollen entdeckt und entschlüsselt werden. So ist es auch mit dem famosen
Technology Wont Save Us, dessen Album-Titel finstere Zukunftsvisionen erahnen lässt und doch eine menschliche Tragödie meint. Das gleichnamige Instrumentalstück und episch-artrockende Eröffnungsstück wurde inspiriert durch die Geschichte eines von den Fluten überraschten, auf einer Sandbank stehenden Vaters und dessen Sohn, die trotz Kontaktes mit ihrem Mobiltelephon zu den vermeintlichen Rettern in der nebeligen Nordsee ertrinken. Die Natur war stärker als alle Technik - was für eine finstere Metapher. Auch danach drücken die fast im Alleingang eingespielten, durch Calina de La Mares Streicherarrangements wunderbar ausstaffierten, erstaunlich transparenten Songs des Sophia-Zentralgehirns Robin Proper-Sheppard aufs Gemüt. Where Are You Know erzählt vom Ende einer Beziehung. Der akustische Gitarren-Track Big Riot City entstand Weihnachten 2005, als unsere tragischer Held in seiner Wahlheimat London alles schmeißen will, weil er abgebrannt, verzweifelt und desillusioniert ist. Ein aufwühlendes Stück folgt dem nächsten, so wie Lost, dass vom Tod von Proper-Sheppards Mutter erzählt und einen doch hoffnungsvoll stimmt. Wie auch Weightless, in dem die Worte ...give me love, give me hate, give me anything thats not just o.k
.make me laugh, make me cry, something anything to feel alive
. Ausdruck einer Angst vor dem Mittelmaß im Leben, Mittelmaß, dass auf
Technology Wont Save Us nie herrscht. Schon gar nicht auf der limitierten Sonderausgabe, die sechs reizvolle, akustische Songs extra enthält.
--Sven Niechziol
Robin Proper-Sheppard ist Sophia - und der beste aller traurigen Geschichtenerzähler. Wie etwa im Titelstück seines vierten Albums. Da berichtet er von Vater und Sohn, die vor der britischen Küste ertrinken, trotz ständiger Handyverbindung mit einem Rettungsteam. Angemessene Worte findet Proper-Sheppard nicht, der Song bleibt instrumental, ein feierliches, orchestrales Intro mündet in agressive Industrialklänge. Wenn es aber ums eigene Leid geht, ist der Exillondoner nicht um eindringliche und kitschfreie Texte verlegen. Wie etwa bei der Überballade Where are you now", die verzweifeltes Liebesleid zelebriert. In Big City Rot" beschreibt Proper-Sheppard sogar eine kreative Identitätskrise. Unnötige Bedenken: Mit Pace" ist wieder eine Hymne für die Indiedisco dabei, und wie schon beim Vorgänger gelingen neben der Gestaltung opulenten Schmerzes auch die Wutausbrüche. Zum Abschluss will er die Gitarren so klingen lassen, als werde der Kopf des Hörers mit einer Kettensäge abgetrennt - und auch dieses Theme for the May Queen No. 3" funktioniert beängstigend prächtig. Das bisher beste Sophia-Album. (cs)