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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vollkommen unterschätzt, 30. Juni 2007
Ich habe mir hier mal die bisherigen Rezensionen durchgelesen und finde einfach dass dieses Album viel zu schlecht wegkommt.
Ich muss gleich dazusagen, dass ich ein sehr großer Blumentopf-Fan bin (seit "Kein Zufall"), die Jungs stammen ja aus Freising und dieses schöne Städtchen ist nur ein paar Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Ich fand ihre spassig-positive Herangehensweise an HipHop schon immer sehr erfrischend. Seitdem deutscher Rap ja nur noch von irgendwelchen überharten Gangstern regiert zu werden scheint, sind mir die fünf Jungs aber noch viel mehr ans Herz gewachsen.
Aber nun zum Album: Ich muss einem meiner Vorredner zustimmen, "Musikmaschine" ist das bisher wahrscheinlich experimentelste Album vom Blumentopf. Es gibt typische Topf-Songs wie "Mehr" oder "AEIOU", aber auch fast schon bluesartige Einflüsse sind festzustellen ("Du sagst mir"). Songs wie "Horst" oder auch "Profis" ergeben vielleicht nicht direkt Sinn, aber mal ehrlich, ich bin 25 Jahre und bin auch mit Videospielen aufgewachsen und finde daher schon einen Zugang zu dem Song.
Mit zwei Songs, die ich aber wirklich herausstellen möchte, werden aber viele Skeptiker entschädigt werden: Zum einen mit "Die City schläft", dieser Song handelt vom Nachtleben und geht Blumentopf-typisch ein wenig anders an die Sache ran, es geht nämlich nicht um Clubs oder Discos, sondern um das etwas andere Nachtleben, das aber mindestens genauso faszinierend sein kann. Der Beat ist sehr treibend und der Refrain blieb mir richtig im Ohr hängen. Die 3. Strophe von Kung Schu ist für mich persönlich ganz, ganz groß. Muss sich aber jeder selbst eine Meinung bilden.
Über den zweiten Song den ich etwas genauer vorstellen möchte, darf es aber eigentlich keine zwei Meinungen geben (ich betone eigentlich *g*): "Die Bretter, die die Welt bedeuten" beginnt schon ganz stilecht mit Skateboard-Fahrgeräuschen. Dieser Song ist ein Solostück von Holunder und eine einzige Liebeserklärung an das Skateboard-Fahren, ich gehe sogar noch eins weiter, es ist eine wahre Skater-Hymne. Er erzählt ein wenig von der "Entstehung" des Blumentopfs und seiner Jugendzeit mit den Jungs und den Brettern die die Welt bedeuten. Der Beat ist wunderbar zurückgenommen, Holunder´s Aussagen zum Ende hin sind einfach wunderbar ("Keep it real heißt ja nicht, man dürfe nicht mal Kurs korrigieren, stur bleiben und ignorieren ändert ja nichts") und im Refrain ein Vocal-Sampel von den Stieber Twins. Rap-Herz, was willst du mehr.
Zwei Sachen muss ich noch sagen:
1.
Über den Sinn mancher Texte kann man vielleicht streiten, aber wer sich deutschen Rap heute mal anschaut, der wird eins feststellen müssen, es geht fast ausschließlich um Drogen, Gewalt und solche Dinge. Sicherlich, Rap ist die Musik der Straße, ja, aber der HipHop-Ansatz war ein anderer, nämlich ein positiver. Diesen Ansatz bringt der Topf einfach wunderbar rüber. Solche ehemalige Mittelstands-Kids wie ich (und davon gibt es sehr sehr viele in Deutschland, auch wenn manche es nicht zugeben wollen) können sich in so Texten wie bei "Profis" (Videospiele) und eben "Die Bretter, die die Welt bedeuten" (Skaten, Freizeit, Jugend) einfach sehr viel besser wiederfinden als in irgendwelchen Gangster-Storys, denn diese Erlebnisse die vom Topf geschildert werden, spiegeln unseren früheren jugendlichen Alltag sehr schön wieder.
2.
Noch ein Wort zum Sound: Wir in Deutschland sprechen doch immer von Weiterentwicklung, wir wollen doch neue Ansätze für den Rap. Es gibt nun Leutchen die immer härtere Texte bringen, lächerliche Gangster-Images aufbauen um dadurch ihre Plattenverkäufe anzukurbeln und ihr Gesicht häufiger in die Teenie-Presse-Kamera halten, als viele Boy-Bands. Ein ganz harter Gangster hat auch vor einiger Zeit eine Girlband gegründet (gell, Bushido). Über sowas kann man nur lachen, solche Aktionen und die immer dümmer werdenden Texte sind der Grund dafür das Rap und der HipHop im allgemeinen nur noch als rohe, negative Musik und Kultur wahrgenommen werden. Wir sind uns aber auch alle einig, dass der Rap sich entwickeln muss und mit ihm die gesamte HipHop-Kultur. Dies kann meines Erachtens nur dadurch geschehen, dass Genre-Grenzen überwunden werden und neue Sounds ausprobiert werden (Funk, Soul, Blues,...). Künstler dann hinterher für diesen Mut zu kritisieren finde ich ein wenig einfach.
Ich möchte jetzt aber auch endlich zum Ende kommen, ich persönliche finde "Musikmaschine" für ein sehr gutes Topf-Album. Ich sehe eine positive Weiterentwicklung und freue mich sehr, dass München mit Main Concept und Blumentopf zwei Bands hat, die immer noch für die richtigen "HipHop-Werte" stehen.
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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Topf hat was Du brauchst., 20. August 2006
Der Titel des neuen Topf Albums Musikmaschine - trägt dem Inhalt kaum Rechnung.
Denn dabei herausgekommen ist eine musikalische Offenbarung, die vor Kreativität aus allen Nähten platzt. Man hört bei jedem Track den Bock auf das, was da passiert ist, was man da gemacht hat, ohne beschwerende Kopflastigkeit, ohne nach Charts schielendem Kalkül, ohne Breittreten von Klischees - und das ist die pure Wohltat. Insofern müßte das Album, wenn es denn nicht so uncool klänge, eher Musikbombe heißen oder Musikfeuerwerk oder so; es ist die zusammengefasste Schokoladenseite der Töpfe, sowohl in musikalischer als auch textlicher Hinsicht. Sie klingen so angekommen und rund wie man das nach zehn Jahren gemeinsamen Musikmachens nur kann und unterstreichen damit einmal mehr ihre Einzigartigkeit im deutschen Hip Hop-Getümmel.
Beim Hinhören vernimmt man hier vertontes Skateboardschreddern, da eine Komposition aus Spielkonsolengeräuschen, dann wieder Gitarrengeschrammel, das sich mit einer ordentlichen Portion Funk an synthetische Sounds schmiegt. Es würde auch nicht weiter Wunder nehmen, wenn sie bei der Produktion auch noch ihren Haushalt verwurstet hätten, auf der Suche nach Input und Ideen. Der genreübergreifende Einfallreichtum von DJ Sepalot und seinen Mitstreitern scheint grenzenlos zu sein.
Nach dem Intro wird man direkt von Mehr abgewatscht, das einem sowas von in die Glieder fährt, dass man nach dem Hören sofort hinausstürzen und die Weltherrschaft an sich reißen will, vor lauter Positiv-gestimmt-Sein. Man freut sich schon auf die kommende Liveperformance und auf totales Ausflippen; das ganze Album ist mehrheitlich eine deutliche Einladung dazu.
Zwischendrin werden auch mal ruhigere Töne angeschlagen, z. B. mit dem balladesken Du und ich. Man muß seinen Hut vor Schu und Johanna ziehen, die es geschafft haben, das Ende einer Beziehung mit derartiger Grandeur, fast schon schmerzhaft, weil so wahr, durchseziert zu haben. Auf Gästeseite findet sich außerdem die bereits bestens bewährte Kombi Esther/Topf sowie Clueso und Amos, Kennern von DJ Sepalots Fraud! Solo-Album vielleicht ein Begriff.
Wer dem Charme und der Ironie der Jungs bereits erlegen ist, sollte Platz 80 besondere Aufmerksamkeit schenken, ein sehr Blumentopf-typisches Liedchen, welches den geneigten Hörer mit einem dicken Grinsen beschenken wird.
Fazit: Da geht nicht nur einiges, sondern noch MEHR und man kann nur hoffen, dass einem die Töpfe in dieser Form noch lange erhalten bleiben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Musikmaschine arbeitet einwandfrei, 21. Dezember 2006
Blumentopf beschreitet neue Wege auf ihrem nunmehr fünften Studioalbum, und dafür kann man ihnen dankbar sein. Wenigstens eine Gruppe, die nicht unmotiviert und auf Sicherheit bedacht Alben aneinanderreiht, die sich in ihrer Machart und ihrem Stil kaum unterscheiden und keine Entwicklung erkenntlich machen.
Aber "Musikmaschine" ist nicht aus Selbstzweck innovativ gestaltet worden, sondern weil es sinnvoll erscheint - so sieht es zumindest der Hörer, der sich aufgrund der neuartigen, vielschichtigen und für sich stehenden Musik, die weit über den Begriff "Beat" hinausgeht, begeistert zeigt. Ob "Du sagst mir", dessen Text durch die kraftvolle, antreibende musikalische Begleitung in seiner lebensbejahenden Wirkung perfekt unterstützt wird oder "Die City schläft", das mit seinem unruhigen, energiegeladenen Beat das hektische Treiben einer nächtlichen Großstadt auch melodisch fühlbar macht - selten waren Text und Musik so einheitlich, homogen und intelligent aufeinander abgestimmt. Es mag abgegriffen klingen, aber wie sollte es auch funktionieren, wenn der eine Beat aus den USA stammt und der nächste aus Kroatien von einem Prdouzenten, den man nur vom Namen her kennt? Mit dem Resultat "Musikmaschine" vor Augen kann man Blumentopf nur dazu gratulieren, sich dieser gängigen Praxis einmal mehr versagt zu haben.
"Gern Geschehen" war ein gutes Album, zweifelsohne. Doch auch wenn die Reime saßen, die Beats für sich genommen überzeugten und so manche Textidee ("Manfred Mustermann") unbestreitbar originell ausfiel - hin und wieder machte sich der Eindruck breit, dass das Album etwas höhepunktlos dahinplätscherte, gerade musikalisch fehlte die Energie und den Songs beattechnisch die Eigenschaft, etwas einzigartiges zu sein. Auch waren die Beats nicht derart explizit auf die jeweilige Textidee angepasst.
Genau diesen Mangel hat Blumentopf nun erfolgreich kompensiert - und auch wenn die Texte diesmal inhaltlich und reimtechnisch nicht ganz so umwerfend wie auf "Gern Geschehen" ausfallen, die musikalische Vielfalt steigert die Hörbarkeit des Albums drastisch.
Anspieltipps: Du sagst mir, Lass die Show, Die City schläft, Du und ich
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