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Lieder für diesen Hausschatz zu schreiben, ist die schwierigste Aufgabe für einen Musiker. Denn an sein tiefstes Inneres kann niemand rühren. Dort sind alle Menschen wahrhaftig und subjektiv, unbeeinflussbar von Trends und Strömungen, Einflüsterungen und Zwängen. Wolke haben hier ihren Platz gefunden. Vom ersten Ton an, der im Frühjahr 2005 aus den Boxen drang. Damals erschien "Susenky", ihr Debüt. Elf Songs von schlichter Schönheit.
Manchmal muss man eine Sache, um ihre wahre Komplexität begreifen zu können, auf das Wesentliche reduzieren: die Idee. Gesang und Bass, Klavier und elektronische Beats - mehr brauchen Oliver Minck und Benedikt Filleböck nicht, um Songs zu schreiben, die bleiben. Und nebenbei einen ganzen Kosmos neuer Möglichkeiten zu erschließen. Was "Susenky" manifestierte, setzt "Möbelstück" konsequent fort. Noch immer wirken die Songs, auch die grüblerischen, leicht wie ein Pinselstrich. Und man ist traurig, dass schon wieder nach elf geradezu klassisch arrangierten Drei-Minuten-Popsongs Schluss ist.
Am Konzept ändert es keinen Deut, wenn respektierte Kollegen für schmückende Facetten sorgen. Mit Suzie Kerstgens (Klee) singt Oliver das Duett "Wir werden immer jünger", Harald "Sack" Ziegler stellt ein paar Hörner aufs "Möbelstück" und Tim Bindels (Doppelherz 2000) Saxophon ist der schwelgerische Tropfen, der "Mein kleiner Schmerz" zum Überlaufen bringt. Seit "Susenky" wissen Wolke, dass ihr ganz eigener Weg trägt und keine Sackgasse ist. Auf "Möbelstück" gehen sie nun ein großes Stück weiter. Das zeigen nicht zuletzt die Gastauftritte, aber auch die klarer akzentuierten Beats, die sich bisweilen sogar im HipHop bedienen. Der Weg wird breiter, und hie und da tun sich Verzweigungen auf, die das Sujet bereichern, ohne es diffus werden zu lassen.
"Second Hand Gefühl" - der Opener des Zweitwerks wird auch die Single-Auskopplung sein. Ein klares und gänzlich unironisches Statement: Wolke sind - ganz genau wie jede einzelne ihrer Namensgeberinnen am Firmament - einzigartig, unkopierbar. Wobei: wünschen täte man sich so einen Trend bisweilen schon ganz gerne, hin zu mehr Schlichtheit im Pop und weniger Firlefanz oder, ganz einfach, hin zu mehr guten Songs. Aber Wünschen ist ja auch erlaubt. Denn Wünsche kommen von ganz tief drinnen. Von dort, wo Wolke wohnen. Sebastian Züger
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