Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
WARUM HÄME?, 20. April 2008
Vorab: Mir hat der Film gefallen. Ein Film ist erst mal ein Film und nicht zwingend ein Medium, um ein Buch in Bilder umzusetzen. Vollkommen müßig deshalb, sich darüber die Haare zu raufen, ob Regisseur, Drehbuchschreiber und Akteure die Figuren und die Handlung des gleichnamigen Bucherfolgs von Michel Houellebecqe RICHTIG umgesetzt haben oder nicht.
Trotzdem, es geht auch im Film um die These des Romanautors, dass in der heutigen Gesellschaft letztlich alles im Reagenzglas stattfinden kann. Folglich ist eine absolute Trennung von Sexualität und Fortpflanzung auch bei den Menschen möglich: Sex und Partnerschaft ist keine zwingende Voraussetzung, um die nächste Generation zu sichern.
Michael Djerzinski (Christian Ulmen) ist ein introvertierter junger Wissenschaftler, der ein Forschungsprojekt in Irland abgebrochen hatte, mit dem er die Reproduktion und Manipulation menschlichen Erbguts vorantreiben wollte. Seine jetzige Führungsposition in einem deutschen Institut kündigt er jedoch ebenfalls, um möglicherweise seine abgebrochene Arbeit fortzusetzen.
Da trifft er seine stille Jugendliebe Annabelle (Franka Potente) wieder, die ihn eigentlich noch immer liebt. Mathematische Formeln und Gleichungen hatten in Michaels Leben jedoch schon immer Vorrang vor den Reizen des weiblichen Geschlechts.
Ganz anders dagegen sein Halbbruder Bruno Klement (Moritz Bleibtreu). Der ist schlichtweg triebgesteuert. Er ist Deutschlehrer und geilt sich an seinen jugendlichen Schülerinnen auf. Ergebnis: Eine gescheiterte Ehe, die er nur im Suff erträgt und auch sexuelle Nötigung einer Schülerin. Er begibt sich bei Dr. Schäfer (Corinna Harfouch in einer Nebenrolle, leider recht beliebig) in psychiatrische Behandlung. Schließlich lernt er die muntere Esoteriktussi Christiane (Martina Gedeck) kennen, und beide tollen sich in Swinger-Clubs aus, bis sich so etwas wie Liebe zueinander entwickelt. Doch bald wird ihre ungewöhnliche Beziehung einer harten Probe unterworfen.
Letztlich geht es um die analytische Aufarbeitung individueller Schicksale der Personengruppe Michael, Bruno, Annabelle und Christiane. Dazu kommt noch die krasse Mutter der beiden Halbbrüder. Das ist Jane. Die wird von Nina Hoss verkörpert (auch eine Nebenrolle, aber wie genial ausgelebt), einem Überbleibsel der Hippie-Generation der 68er, die deren Ideale der sexuellen Freizügigkeit LEBT. Dass das auf Kosten ihrer beiden Söhne geht, erkennt sie nicht wirklich, denn die sollen sich ja FREI entwickeln, was denen auf unterschiedliche Weise eben NICHT wirklich gelingt.
Insgesamt also ein schwieriges Umfeld, das viel leichter in einem Roman zu beschreiben, als in einem unterhaltsamen Film darzustellen ist. Aber genau das ist eindeutig erfolgreich geschehen. Dem Regisseur ist mit ELEMENTARTEILCHEN ein großer Wurf gelungen, auch wenn sich manche daran künstlich hochziehen werden, weil sie die mutige, bis teilweise schockierende Inszenierung nicht verkraften.
Ich rate, Film ansehen, ein eigenes BILD machen und dann es geht nicht anders Beifall klatschen. HMcM
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29 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Elementarteilchen - Eine Romanverfilmung, 8. Januar 2007
"Man darf den Film nicht mit dem Buch gleichsetzen. Um ein 400 Seiten-Werk auf 100 Filmminuten zu komprimieren, muss man notwendigerweise Handlungsstränge kürzen, Personen rauslassen oder auf bestimmte Charakterzüge limitieren. Der Film sollte wie das Buch als eigenständiges Werk dastehen." Diese weisen Worte, im Interviewteil gesprochen von Koproduzent Oliver Berben, geraten zur Ehrenrettung dieses Films. "Elementarteilchen" angemessen zu verfilmen ist schließlich ein Anspruch, an dem man nur scheitern kann. Vom französischen Skandalbuch zum deutschen Unterhaltungsfilm das Ergebnis ist zwangsweise das Ergebnis einer starken Transformation. (Ich betone die Nationalitäten deshalb, weil die extreme Darstellung von Sexualität und Geisteskrankheit eine ur-französische Sache ist, man denke an den Film "Baise-moi" oder eben Houellebecqs Romane selbst. Deutschen hingegen stehen Filme wie "7 Zwerge" einfach besser. Meine Ansicht.)
Und so nimmt Regisseur und Autor Oskar Roehler den Roman auch komplett auseinander und konstruiert aus seinen Einzelteilen einen völlig neuen, kohärenten Ablauf, der mehrere Jahrzehnte auf ein paar Monate eindämpft. Das ist ihm auch sehr gut gelungen. Leider bleiben dabei so einige Aspekte gänzlich auf der Strecke:
Dass Houellebecqs spannende Auseinandersetzungen mit Huxley, Leary, der Quantenphysik, der Molekularbiologie oder der Hippie-Kultur nicht im Film unterzubringen sind, da kann man Roehler keinen Vorwurf machen. Auch die Gestaltung der Charaktere hält sich stark an der Romanvorlage und bleibt doch immer mindestens einen Schritt dahinter zurück.
Moritz Bleibtreu als Bruno vermittelt durch verstärkten Tränendrüseneinsatz zwar die Verzweiflung seiner Figur. Die pochende innere Leere, die durch einen unstillbaren Sexhunger gefüllt werden will, vermittelt er hingegen nicht. Klar, hätte man hier den Roman umgesetzt, hätte Bleibtreu mehr Masturbations- und Sexszenen gehabt als Dialoge. Im Film zerbricht er am Selbstmord seiner letzten Liebe. Im Buch läuft sein Leben komplett ins Leere, nachdem ihm klar wird, dass damit die letzte Chance, überhaupt Liebe zu finden, verloren ist. Die Trauer hingegen spielt da keine große Rolle.
Christian Ulmen als Mich(a)el Dzjerdzinski degradiert den ebenfalls innerlich toten und in der realen Welt orientierungslosen Wissenschaftler zum liebenswert- unbeholfenen Nerd. Keine theoretischen Krisen, auch sein Forschungsthema, die Reproduktion des Menschen ohne Sexualität bleibt eine reine Requisite. Hier ist besonders viel vom theoretischen Sprengstoff des Buches drangegeben worden.
Franka Potente als Annabelle kommt besonders gut weg. Während Houellebecq für sie ihm Buch unheilbaren Gebärmutterkrebs und Suizid vorsieht, schenkt ihr Roehler ein Happy End mit ihrer Jugendliebe Michael. Dass die Gebärmutter nun futsch ist, ist im Film lediglich ein kleiner Wermutstropfen, macht ja auch nichts, der Mann ist ja Wissenschaftler, der kann uns ja alle klonen. Ihre Enttäuschung vom Leben ist ein Lippenbekenntnis, zudem sieht Potente einfach mal zu frisch und -wie auch Bleibtreu und Ulmen- zehn Jahre zu jung aus, gerade nach der Krebs-OP.
Am besten besetzt ist da noch Martina Gedeck als Brunos späte Geliebte Christiane, die als einzige aussieht, wie die Rolle, die sie spielt und die glaubwürdigste Figur des Films darstellt. Letztlich hat der Regisseur aus der Vorlage einen brav-netten Liebesfilm gemacht, der einen im Glauben an die Liebe zurücklässt, während Houellebecq eine weitaus düsterere Weltsicht offenbart, der einen am Sinn von wirklich Allem zweifeln lässt.
Als das, was es ist und sein soll, kann der Film durchaus überzeugen: ein guter, deutscher Unterhaltungsfilm mit hochwertiger Besetzung. Aber eben einer, der sich zu seiner Romanvorlage verhält wie Becks zu Absinth.
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28 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Wie man einen klugen Franzosen vergewaltigt!, 28. März 2008
Ich war neugierig auf die Verfilmung eines meiner Lieblingsbücher, aber auch skeptisch. Zweifel beschlichen mich, ob man einen solch hochintellektuellen Text filmisch überhaupt umsetzen kann. Meinen Zweifel waren berechtigt.
Houellebecq wurde für sein Buch in Frankreich als der zweite Voltaire gefeiert. Die namhaften deutschen Literaturkritiker, speziell die prüde Frau Löffler, auch Elke Heidenreich haben den Text verrissen und hätten ihn am liebsten einem reinigenden Feuer anheim gegeben. Houellebecqs schonungslose Offenheit brachte die Damen und Herren zur Verzweiflung.
Nur Reich-Ranicki hatte die gedankliche Tiefe des Franzosen begriffen. Aber Reich-Ranicki ist ja auch erfrischend intelligent.
Etwas später erlebte ich Houellebecq während einer Lesung in Frankfurt. Seine feinsinnige Intellektualität hat mich zutiefst berührt. Endlich mal kein Schwätzer! Endlich einer , der die Dinge beim Namen nennt! Endlich einer, der wirklich analytisch denken kann und dabei ein Schriftsteller voller Poesie ist.
Das Buch thematisiert die Vereinzelung der Menschen, die es nicht mehr schaffen, zueinander finden, die pausenlos masturbieren, weil ihnen nichts anderes bleibt, dabei zutiefst unglücklich sind und sich unendlich einsam fühlen. Der Text nimmt Kritik an der 68er Generation, sieht in ihr den Auslöser für das was folgte.
Weil die Menschen emotional so verkrüppelt sind, erhofft sich Houllebecq ein geklontes Ideal. Er provoziert natürlich bewusst und will wachrütteln. Er ist der Messias der ganz zarten Empfindungen, der letzte Romantiker, den die Literaturszene aufweist.
Im Übrigen ist er ein wundervoller Lyriker.
Was wird davon im Film vermittelt? Nichts! Gut, die Schauspieler spielen Ihre Rollen prächtig. Immerhin! Aber leider zu einem Drehbuch, das mit heißer Nadel gestickt worden ist! Eine paar Romanhandlungen wurden übernommen, aber vom Geist des Buchs ist nichts erhalten geblieben. Leider!
Ich verzichte darauf, diese Handlungen nachzuerzählen. Das haben andere bereits vor mir getan.
Aber überzeugen Sie sich bitte selbst!
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