Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein amerikanischer Alptraum - American Beauty, 20. März 2009
Es gibt zwei provokante Meinungen über Sam Mendes' AMERICAN BEAUTY von 1999 - entweder ist dies der beste amerikanische Film der letzten zehn Jahre, oder einer der meistüberschätzten Filme aller Zeiten.
Das Thema: die Dekonstruktion des Amerikanischen Traums, die Hölle hinter der Vorstadt-Idylle, das Versagen menschlicher Emotion und Kommunikation, der Werteverfall einer überreizten Plastik-Gesellschaft und die Unfähigkeit, inmitten aller Erwartungen von Umfeld und Familie erwachsen oder gar glücklich zu werden. All das präsentiert AMERICAN BEAUTY anhand einer Familie, deren Oberhaupt Lester Burnham (Kevin Spacey) in einer tiefen Midlife-Krise steckt. Seine frustrierte Gattin (Annette Bening) interessiert sich mehr für die Möbel als für ihn und pflegt ihre Affäre mit einem ekelhaften Immobilien-Hai (Peter Gallagher, perfekt besetzt), dafür begehrt Lester die minderjährige Freundin (Mena Suvari) seiner Teenager-Tochter (Thora Birch). Er macht einen radikalen Schnitt, kündigt seinen Job, trainiert seinen Körper, kifft, stößt alle vor den Kopf und fühlt sich so gut wie lange nicht mehr. Doch seine neu gefundene Freiheit ist eine Illusion - die Realität kann diesen neuen Weg nicht zulassen und wird ihn gnadenlos zerstören.
Ich weiß nicht, wo ich mit einer Aufzählung aller bemerkenswerten Elemente von AMERCIAN BEAUTY beginnen soll. Allein für die Wiederentdeckung von Annette Bening, deren Karriere fast schon in Vergessenheit geraten war, und die hier eine atemberaubende Vorstellung abliefert, muss man Sam Mendes dankbar sein. Kevin Spacey war nie besser, und auch die Jungstars Suvari, Birch und Wes Bentley werden brillant geführt. Die vielleicht beeindruckendste Leistung zeigt Chris Cooper (ein Schauspieler mit enormer Wandlungsfähigkeit, siehe "Adaptation") als beängstigender Nachbar, dessen unterdrücktes Begehren (das er - anders als Spacey - nicht ausleben kann/darf) die Katastrophe herbeiführt, die im Finale sämtliche Figuren erschüttert.
Dabei wahrt Mendes immer die Balance zwischen schriller Farce und heftigem Melodram. Surreale Traumsequenzen wechseln mit Postkartenansichten der Vorstadt, die frühe Farbigkeit wird im Verlauf düsterer und bedrückender. In der Welt von AMERICAN BEAUTY gibt es weder Schwarz noch Weiß. Spacey mag ein Lustmolch sein, der seinen Jugendwahn für eine Minderjährige (deren Nachname "Hayes" eine deutliche Hommage an Nabokovs Lolita-Figur, "Lolita Haze" sein dürfte) auslebt, aber wir müssen uns mit ihm identifizieren, weil er unsere tiefsten Ängste repräsentiert. Annette Benings sarkastische Hysterie ist nichts anderes als ein Schrei nach Liebe und Aufmerksamkeit. Die leidende Tochter Birch kann ein gemeines Miststück sein. Mit Eltern, die selbst nicht reifen können, kann sie nur die Außenseiter-Rolle wählen. Besondere Erwähnung verdient zuletzt noch Komponist Thomas Newman, der hier einen exemplarischen Soundtrack komponiert hat. Seine Themen werden heute noch verwendet (leider auch gerne in Doku-Soaps, die keine Schamgrenze kennen), Newman hat seinen Score seitdem häufig variiert, etwa in dem thematisch ähnlich gelagerten "Little Children", der AMERICAN BEAUTY sehr nahe kommt.
Viele finden AMERICAN BEAUTY überzogen. Darauf kann man nur erwidern, dass es sich um eine Satire handelt, als solche muss sie überzogen sein. Dass ein Film, der so kaputte und ausgebrannte Charaktere der Lächerlichkeit preisgibt und gleichzeitig für Verständnis plädiert, das Publikum spaltet, ist ganz natürlich. Ich jedenfalls kann nichts an diesem Meisterwerk aussetzen. Ein großer amerikanischer Film, von denen es nicht mehr allzu viele gibt.
Die DVD zeigt AMERICAN BEAUTY in wünschenswerter Qualität und mit vielen Extras, darunter ein interessanter Audiokommentar von Regisseur Mendes, ein Making Of, Storyboards und Trailer.
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34 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
...sehen Sie genau hin, 9. April 2007
American Beauty, der in den Jahren 1999 und 2000 wohl mit am meisten diskutierte und gelobte Film mit den meisten Oskars (5), ist ein grandioser Gesellschaftsfilm des britischstämmigen Regisseurs Sam Mendes und gleichzeitig dessen Regiedebut.
Neben den fantastischen schauspielerischen Leistungen von Kevin, Annette, Thora, Wes, Mena, Chris und Peter sowie der excellenten Regie von Mendes wird der Film auch durch die Kunst und Menschlichkeit des Kameramanns Hall und die so berührende Musik von Newman getragen.
Es ist ein tief bewegender Film über die Beziehung zwischen älteren Männern und jungen Frauen, über Besessenheit, Drogenkonsum und Teenager Sex, über eine von der Hauptfigur Lester Burnham post mortem erzählte Geschichte über das, was sich hinter den Wänden verbirgt und abspielt, und über die unendlich tiefe Liebe.
...ein überaus sehenswerter Film mit dem Thema einer "ironisch überspitzten Schauseite menschlichen Philistertums. Künstlerisch gerahmt und perfekt ausbalanciert zwischen Farce und Tragik des Seins; bitter und schön wie das wirkliche Leben".
Hauptdarsteller:
Kevin Spacey: Lester Burnham
Annette Bening: Carolyn Burnham
Thora Birch: Jane Burnham
Wes Bentley: Ricky Fitts
Mena Suvari: Angela Hayes
Chris Cooper: Col. Frank Fitts
Peter Gallagher: Buddy Kane
Auszeichnungen:
Oscarverleihung 2000: Bester Film, Beste Regie: Sam Mendes, Beste männliche Hauptrolle: Kevin Spacey, Beste Kamera: Conrad L. Hall, Bestes Originaldrehbuch: Alan Ball
Golden Globes 2000: Bester Film (Drama), Beste Regie, Bestes Drehbuch
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36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Amerika erkennt sich selbst, 7. Februar 2007
Schon formal ist der Film großartig. Eine prägnante Filmmusik leitet die Handlung ein. Eine Vorstadt wird gezeigt, in schönen Bildern, die dem Zuschauer aber auch nicht ein gewisses Gefühl von Gleichförmigkeit, Langeweile und Anonymität zeigt. Berühmt geworden ist die Szene mit der Tüte im Wind, die zeigt, dass Freude sich in ganz ungewöhnlichen Augenblicken versteckt. Und die Darsteller stellen äußerst verschiedene, aber immer extreme Charaktere immer glaubwürdig dar - so dass man selbst mit den schrecklichen unter ihnen gemeinsam die Probleme und Konflikte erleidet. Und dann gibt es natürlich den im Trailer oft verwendeten Höhepunkt: Die Verwandlung der eher durchschnittlich aussehenden, blonden Teenagerin in eine nackte Göttin mit blutroten Lippenstift zwischen Rosenblättern. Ein Männertraum. Es wird auch nur ein Traum bleiben.
Natürlich ist das gesamte Setting des Films typisch amerikanisch. Da ist nicht nur die Vorstadt, da ist auch die "Pursuit of Happiness" des "American Dreams". Da sind dumme Jobs mit hoher Bezahlung, McDo-Jobs mit mehr Sinn aber weniger Geld, da sind die dummen Sprüche der üblichen Motivationstrainer. Da ist das leere Glück des mittelständischen Reichtums mit Eigenheim und Familie, aber immer am Rande des sozialen und emotionalen Absturzes. Da ist auch die permanente Präsenz von Gewalt und Sex, die beide auf ihre Weise die amerikanische Massenkultur prägen. Aber im ernst: Sind wir in Europa nicht auch längst auf dem Weg dahin?
Vor diesem Hintergrund kämpfen nun die Hauptpersonen um ihr Glück. Bei vielen könnte man dabei von einem "Coming Out" sprechen. Insbesondere Lester, der Familienvater erkennt, wie weit sein Leben inzwischen von seinen eigenen Wünschen entfernt ist. Und plötzlich beginnt er, diese Wünsche auszuleben. Natürlich muss er das mit dem neuen Leben erst einmal lernen. So wirkt ein Mann in den besten Jahren (also irgendwo in den 40ern) nicht wirklich sexy sondern lächerlich, wenn er einer Teenagerin hinterher steigt. Aber dennoch ist es er, der wohl am konsequentesten die Neurosen seines Lebens durchschaut und daraus seine Schlüsse zieht. Und am Ende kriegt er ja auch noch die Kurve, als er merkt, dass sich hinter seiner Leidenschaft nur ein unsicheres, kleines Mädchen verbirgt, das verzweifelt um Anerkennung kämpft.
Seine Frau kriegt wohl nicht mehr die Kurve. Zu verquert ist ihr Leben, zu schräg sind die Lügen, die sie sich und anderen immer wieder erzählt. Dazwischen ist dann noch die Tochter, ein Freak, aber ein Freak mit Verstand. Merkwürdig, dass die Veränderung ihres Vaters nicht für mehr Nähe zwischen den beiden sorgt. Aber sie lebt vielleicht zu isoliert in ihrer Welt, um die Veränderungen wahr zu nehmen. Und auch sie wird erst dann wirklich frei, als sie ihrem Nachbarn begegnet, auf seine Weise auch ein Freak, aus einer Problemfamilie, die Lesters Probleme noch weit in den Schatten stellt.
Und so gibt es noch viele, andere, wunderschön schreckliche Geschichten in diesem Film, und das schöne ist, dass für jeden etwas dabei ist. Und das teilt der Film mit vielen anderen, schönen Kunstwerken - es gibt mehr als eine Aussage, Bedeutung und Geschichte. Wenn es alles nicht (auch) so traurig wäre, würde ich sagen: Mehr davon!
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