Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zikade auf dem Zeigefinger, 7. Juni 2006
Das ist Cronenbergs bester Film, obwohl man sich natürlich darüber streiten kann, ob nicht doch vielleicht "Dead Ringers" diese Zuschreibung verdienen sollte - Jeremy Irons ist in beiden Filmen von absoluter Glaubwürdigkeit, und die hat die Story von "M. Butterfly" auch bitter nötig. Er gibt Gallimard eine spezielle Form der Hochnäsigkeit, die sich mit gnadenloser Naivität paart (entsprungen aus Unwissenheit und dem Festhalten am Mythos China), die den Zuschauer glauben lässt, dass sich ein Intellektueller tatsächlich auf eine Liebesbeziehung mit einem Transvestiten eingeht, ohne auch nur zu ahnen, dass er einen Mann bekuschelt. Die Inszenierung einer Liebe manifestiert das Beharren Gallimards - der spätestens zum Ende hin zu einer zutiefst lächerlichen, ganz am Schluss zu einer tragischen Figur wird - auf einer reinen, höheren Liebe zu einer sich opfernden Ostasiatin, was heute immer noch gerade viele deutsche Thai-Urlauber denken (sich einbilden), wenn sie in Phuket der Familie ihrer "Freundin" vorgestellt werden. Die Vermengung mit einer Kunstfigur (aus der Oper) ist da nur ein Hilfsmittel für den französischen Botschaftsmitarbeiter, der von nichts eine Ahnung hat und vielleicht auch gar nicht haben will. Die gleitende Kamera von Cronenberg-Freund Suschitzky, die schönen Bilder, die an Puccini gemahnende Musik von Howard Shore, der hervorragende Vorspann (mit chinesischen Requisiten, die von oben nach unten fallen), die androgyne Darstellung von John Lone, das Gesicht von Irons, immer wieder das Gesicht - wer kann schon so viel mit seinem Gesicht ausdrücken wie dieser Schauspieler? Die Sequenz im Gefängniswagen am Schluss ist natürlich eine Konfrontationssituation, wie sie sich in der Realität wohl kaum ergeben kann, aber ein schöner Kniff, um zu zeigen, dass Gallimard das "Begreifen" nicht ertragen kann - er hat eine Lüge geliebt (oder anders: sich eine Liebe imaginiert, die nie existiert hat). Wenn Sie das alles hier lesen und denken, dass ich zu viel verrate: Nein, tue ich nicht. Denn ich kann Ihnen nicht beschreiben, warum der Film tatsächlich funktioniert, und dass John Lone ein Mann ist, dürfte bekannt sein. Sie müssen es sehen! Zur Zikadensequenz: Sie illustriert fast ohne Worte, dass sich Herr Weißnix in einem Traum von China befindet - die Seltsamkeit des Insekts, des Zikadensammlers, die schwüle Nacht (nach der Liebeserklärung), das ist eine wunderbare Illustration seiner Stimmung. Ein unsympathischer Idiot (mit einer noch unsympathischeren Ehefrau, gespielt von Barbara Sukowa), der einem irgendwie leid tut. Besondere Extras darf man von der DVD jedoch nicht erwarten, schon "Dead Ringers" (deutsch: "Die Unzertrennlichen") bietet da nichts und wartet sogar mit Fehlern und Knistern auf der Tonspur auf - leider deshalb keine Empfehlung für den Zwillings-Film (deutsche Version).
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
blinde liebe, 13. März 2008
ich bin ja sowieso fan vom herrn cronenberg-
das hier ist mein lieblingsfilm von ihm !
schauplatz peking während der kulturrevolution:
der französischer diplomat rene gallimard verliebt sich in die chinesische operndiva song liling, die bei einem empfang an der schwedischen botschaft, die arie der (japanerin!!) madam butterfly vorträgt.
song hat erst nur spott für den europäer über, der peinlich wenig ahnung von der chinesischen kultur hat.
für gallimard aber (wie für viele andere europäer auch), verkörpert butterfly das idealbild der weiblichkeit, an das er voll sehnsucht, mit ganzen herzen glauben will ..gallimard verfällt "seiner" butterfly mit haut und haaren ..
der beste film über konsequenten selbstbetrug aus liebe, den ich kenne
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15 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Wesen der Liebe, 8. April 2008
Basierend auf dem historischen Spionagefall Bernard Boursicot entspinnt David Cronenberg ein bizarres Liebesdrama: Der akkurate französische Diplomat Rene Gallimard (Jeremy Irons) lernt bei einer Opernaufführung die chinesische Sängerin Song Liling kennen. Gefesselt von ihrer Darstellung der Madame Butterfly beginnt er, sie aggresiv zu umwerben. Song Liling ihrerseits/seinerseits ist lediglich (männlicher) Frauendarsteller der Peking-Oper, der im maoistischen China als degeneriert und potentiell konterrevolutionär erachtet wird und deshalb den Diplomaten aushorchen soll, um nicht selbst im Arbeitslager zu enden. Wir befinden uns 1964 am Beginn des Vietnam-Kriegs.
So klischeehaft Gallimards Vorstellungen vom "Wesen" der asiatischen Frau sind (die Musik Puccinis bildet die ideale Projektionsfläche für seine eurozentrierte Sicht), so falsch sind auch seine politischen Einschätzungen, die später auch zu seiner Abberufung aus China führen. Doch damit ist das Liebesdrama noch längst nicht vorbei.
Das eigentlich Erstaunliche ist nicht so sehr die Tatsache, dass Gallimard nicht merkt oder merken will, dass Song Liling ein Mann ist. Der Betrug ist nur möglich, weil Gallimard glauben will, dass sie seine perfekte Butterfly ist. Der Einwand mancher Kritiker, John Lone (als Song Liling) wirke weniger weiblich als beispielsweise Jaye Davidson in Neil Jordans "The Crying Game", so dass der Film unglaubwürdig sei, ist insofern nicht ganz schlüssig. Cronenberg geht es doch nicht um eine seltsame Transvestitengeschichte, sondern um ganz universelle Themen wie Liebe, Betrug, Selbsttäuschung, (sexuelle) Identität.
Wirklich aufregend wird die Beziehung der beiden nach Aufdeckung der Spinagetätigkeit Song Lilings. Eigentlich könnte er, der Gallimard nach Paris gefolgt ist, froh sein, die Maskerade endlich aufgeben zu können. Während er in China wenig skrupulös als Spion arbeitet (besonders haarsträubend die Szene, in der er Gallimard das angebliche gemeinsame Kind präsentiert), entwickelt er sich im Laufe der Zeit zum Liebenden, der ehrlich an der durch die Aufdeckung erzwungenen Trennung leidet. Und Gallimard? Er ist nicht über Song Lilings Spionagetätigkeit enttäuscht. Er jammert nur seinem verlorenen Ideal der aufopfernden Asiatin hinterher. Im Grunde hat er nie einen Menschen, sondern nur ein Bild geliebt. Quälende Frage: Liebt man einen Menschen um seiner selbst willen oder weil er (anscheinend) einer Vorstellung entspricht, die man für liebenswert hält. Oft mag das deckungsgleich sein, was aber passiert, wenn eigene Vorstellung und Liebesobjekt nicht (mehr) deckungsgleich sind? Fällt man da wieder ganz auf sich zurück und hört auf zu lieben?
Das Ende der zunehmend lächerlichen Figur Gallimards ist tragisch, löst aber nicht nur Mitleid, sondern auch Stirnrunzeln aus.
Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt. Ian Richardson ("Das Kartenhaus") als Gallimards Vorgesetzter verleiht dem Liebesdrama einen Hauch von englischem Agententhriller. Barbara Sukowa als Gallimards Ehefrau ist superb, angesichts der Unbedeutenheit der Rolle eindeutig zu gut besetzt.
Leider ist der Film längst nicht so bekannt wie es ihm gebührt. Er kam fast zeitgleich mit dem nicht minder beeindruckenden "Lebewohl meine Konkubine" (der ein ähnliche Thematik hat) in die deutschen Kinos.
Die Ausstattung der DVD ist schmal. Keine Extras und der entwaffnend ehrliche Hinweis, dass die DVD NICHT digital bearbeitet wurde. Dennoch kann ich es nicht übers Herz bringen, diesem Meisterwerk weniger als 5 Sterne zuzubilligen.
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