Aus der Amazon.de-Redaktion
Es schien fast, als hätten die Walkabouts den Rock aus den Augen verloren. Mit
Acetylene schließt die in Seattle gegründete Gruppe dort an, wo sie einst zu Grunge-Zeiten Ende der 80er mit
See Beautiful Rattlesnake Gardens und
Cataract begannen und zwischenzeitlich mit
New West Motel (1993) aufhörten. Danach folgten viele gelungene und selten gescheiterte Exkursionen in die Welt der Coverversionen, Melancholie, Streicherarrangements und amerikanischen Folk, sei es als Walkabouts, Chris & Carla oder als Solisten. So roh und kraftvoll, so dicht an dem lauten Neil Young klang die Band um Hauptsongwriter Chris Eckman und Carla Torgerson schon lange nicht mehr.
Acetylene, benannt nach dem Namen für ein giftiges Gas, entstand im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2004. Die Stimmung pendelt laut Eckman zwischen Wut, apokalyptischen Gedanken und Frustration. Die Band rückte eng zusammen, stellte sich im Studio wie um ein Lagerfeuer im Kreis auf und spielte die Songs live und rau ein. Wenn die Welt verroht, die Menschheit seit Jahrtausenden technische Quantensprünge macht und dabei ethisch kaum voran kommt, warum sollen sie dann ein poetisches Werk einspielen? Trotzdem verzichten sie bei all dem kantigen Rocke nicht auf Feinheiten, ruhigere Zwischentöne, und vor allem verzichten sie nicht auf brillante Songtexte wie in der Singleauskopplung
Devil In The Detail. Warum Jack Wolfskin gerade diesen Song mit seinen surrealen Sätzen wie ...the future is a muscle you dont have... für einen Tv-Spot aussuchte, ist wirklich merkwürdig, sagt Chris Eckman. Sichtlich erfreut, nach 20 Jahren endlich einmal für ein paar Sekunden die breite Masse zu erreichen. Verdient hätten die Walkabouts mehr, ihr Songwriting bleibt zeitlos wie einzigartig.
-- Sven Niechziol
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