Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
zehn jahre nach "slow train coming", 14. September 2009
im jahre 1989 beglückte mich bob dylan mit dieser produktion, die für mich die auch sehr guten alben in der zeit von 1981 bis 1995 deutlich überragt.
der religiöse einschlag von "slow train coming" ist verschwunden.
dem dahinholpernden "political world" folgt mit "where teardrops fall" eine astreine ballade, danach mit etwas mehr gas "eyerything is broken". "ring them bells" leitet zu der für mich besten nummer auf dem album über, nämlich "the man in the long black coat". dies ist für mich eine gänsehautnummer, wie hier die gitarren bzw BD's stimme in die durch zirpende grillen verdeutlichte stille platzen, ist unbedingt hörenswert.
fortgesetzt wird mit dem formidablen raunzer "most of the time" erst dann fallen die restlichen songs ein ganz klein wenig ab, dies jedoch nur auf grund der bis dahin deutlich überdurchschnittlichen performance.
klanglich ist dies eine der am besten aufgenommenen dylan-platten überhaupt. die durchaus als audiophil zu bezeichnende aufnahme tut hier wirklich gut. alles hat viel luft, dylans stimme schwebt hautnah und klar von allem instrumentarium getrennt zwischen den lautsprechern, die gitarren sind dynamisch nicht beschnitten und der bass reicht knochentrocken bis in den frequenzkeller.
klare fünf sterne, weil mehr leider nicht geht!
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zeremonienmeister der Melancholie, 15. April 2006
Mit "Oh Mercy" scheint Dylan fast genau da weiterzumachen, wo er gut 10 Jahre vorher mit "Blood on the Tracks" aufgehört hat... Ein stimmungsvoll-düsteres Album, voller Balladen und Songs über die Härten des Lebens. Das alles ist meisterlich arrangiert von Daniel Lanois, der die insgesamt eher sparsame Instrumentierung punktgenau einsetzt. Auch wenn ich mir vor allem die besten Songs des Albums, die Tracks 4, 5, 6 und 10, auch hervorragend in allersparsamster unplugged-Instrumentierung vorstellen könnte, wie auf ylans "World Gone Wrong" von 1993 -- so, wie sie hier zu hören sind, sind sie umwerfend.
Je sparsamer in Szene gesetzt, desto besser: Mit dem "Man in the Long Black Coat" erreicht Dylan einen der vielen einsamen Gipfel in seinem Gesamtwerk. Eine düstere Ballade, die die Geschichte der Frau, die mit dem geheimnisumwitterten Mann im schwarzen Mantel davionging, in poetischen Genrebildern erzählt. Genial ist schon der Auftakt: "crickets are jamming" -- und im Hintergrund hört man tatsächlich die Grillen zirpen. Eine stimmungsvolle Momentaufnahme aus einem weiten Land, wie man sie sich schöner kaum vorstellen kann.
Überhaupt: Die Stimmung, die Atmosphäre -- sie durchdringen das ganze Album. Am ehesten fallen noch "Political World" und "Everything is Broken" aus dem Rahmen -- vor allem "Political World" ist aber dennoch ein typischer Dylan, eine wortgewaltige Anklage über den Niedergang der Welt; Shakespeare-Kenner könnten womöglich Versatzstücke aus dem 66. Sonett wiedererkennen, denen aber kein versöhnliches Couplet folgt.
Ansonsten beweist Dylan hier wieder mal in (leider nur) 39 Minuten, dass er derjenige welcher unter den Songwritern ist. "Oh Mercy" gehört zu den Dylan-Alben, bei denen von Anfang bis Ende so ziemlich alles stimmt, hinzu kommt diese dichte Atmosphäre, die gekonnte Instrumentierung, die musikalischen Anleihen bei den unwahrscheinlichsten Genres: "Where Teardrops Fall" zum Beispiel, eine edle Schwofnummer mit melancholischem Saxophon am Ende.
Das Filetstück dieses Albums aber sollte man sich am Stück anhören, nachdem man sich zuverlässig von allen potentiellen Störenfrieden abgeriegelt hat: "Ring Them Bells", "The Man In The Long Black Coat" und "Most of the Time" folgen direkt hintereinander und zelebrieren die Abgründe der Melancholie. Schließlich will auch Melancholie gewürdigt sein, und hier wird sie's wie selten zuvor.
Und nicht nur bei "The Man in the Long Black Coat" sollte man genauer auf den Text achten; "Most of the Time" lässt einen auch verstehen, warum Dylan seit Jahren als potentieller Literatur-Nobelpreisträger gehandelt wird.
Auch die anderen Tracks auf "No Mercy" sind solideste Dylan-Ware, und was das heißt, weiß man. Hervorheben sollte man noch den Schlusspunkt: das zum Heulen schöne "Shooting Star".
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Persönlich, bewegend, verzweifelt, 25. September 2009
Was unterscheidet eine gute Dylan Platte von einer sehr guten? Die Qualität der Melodien und die der lyrics; und wenn Dylan es schafft beides auf hohem Niveau zu vereinen, und dabei auch noch die Dinge die ihn bewegten als er diese songs schrieb offenzulegen, dann wird es eine brilliante Platte.
So geschehen auch bei diesem Meisterwerk von 1989. ,Oh Mercy' ist eine sehr persönliche, bewegende und verzweifelte Platte, in der er sich oft genug selbst in Frage stellt und versucht seine Fehler zu ergründen. Beziehungsbewältigung betreibt er da und hinterfragt wohl daraus resultierend auch die Welt um ihn herum, ob die ihn vielleicht dazu gebracht hat ebendiese Fehler in seinen Beziehungen zu machen.
Musikalisch wartet er hier auf allen 10 songs mit wunderbaren Melodien auf, die sich stilistisch im Folk und Blues bewegen. Das düstere ,Man In A Long Black Coat' wäre wie geschaffen gewesen für Johnny Cash's American Recordings Serie, und ,What Was It Wanted' schlägt in die gleiche Kerbe. Die schönsten Melodien hat er auf dem nach Erlösung flehenden ,Ring Them Bells', auf ,Most Of The Time' (nie wurde das Gefühl des sich selbst Belügens, um über eine gescheiterte Beziehung hinwegzukommen, besser ausgedrückt als hier) und auf dem - im Grunde erschütternden - ,What Was It You Wanted'.
Die Arrangements von Daniel Lanois sind hier schön zeitlos und sparsam, aber nicht akkustisch. Da gibt es twang-Gitarren, Orgel und drums und auch einen schönen tragenden Bass und klanglich geht das hier auch mehr als in Ordnung.
Ein Album das keinen Auslasser zu verzeichnen hat, das sehr intim ist, aber emotional auch schwer zu ertragen ist. Für sensible Gemüter zum Weinen schön. Es ist wohl so - die bewegendsten songs werden wohl aus innerer Verzweiflung heraus geboren.
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