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19 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Widerstand und die Faszination des Bösen, 1. Juni 2003
Eines gleich vorweg: Für eine TV-Dokumentation ist der Film herausragend gemacht. Ebenso ist er ausgezeichnet, bis in die Nebenrollen besetzt, Donald Sutherland, Cary Elwes bestechen genauso, wie (leider) Jon Voigt. Ebenso muss man dem Film zugute halten, dass er sich um historische Genauigkeit (bis hin zu Stroops umgehängter Schutzbrille), genauso wie um Tiefe bemüht.Hier sterben die Helden zum Teil ganz unheroisch, z.B. wenn die SS die Bunker mit Gas vollbläst. Auch hier erwartet man fast, dass der ein oder andere Anführer des Aufstandes, irgendwann aus irgendeiner dunklen Ecke ins Licht zurückkehrt. Aber nichts dergleichen passiert. Schon allein das, muss Hollywood viel Überwindung gekostet haben. Der verzweifelte, aussichtslose Kampf der Ghettofighter wird packend beschrieben. Und wie bei Polanski in 'Der Pianist' sind auch hier einige Szenen Originalphotos aus dem Ghetto nachgestellt, zitieren Darsteller Originalbriefe und Aussagen damals Beteiligter. Das Alles macht den Film groß. Ein zwiespältiges Gefühl allerdings hinterlassen (wieder einmal) die Deutschen. Wenn man davon absieht, dass sie ausschließlich negativ gezeichnet sind, was in den Ghettowirklichkeit wahrscheinlich sogar sehr nahe kommt (man denke nur an Josef Blösche und Heinrich Klaustermeyer), so kommt der Film nicht ganz umhin, die Faszination des Bösen zu beschwören. Gemeint ist SS-General Jürgen Stroop, gespielt von Jon Voigt, der das Ghetto Straßenzug um Straßenzug einebnen lässt. Wie so häufig in amerikanischen Produktionen, wird das Böse auch hier überhöht und überzeichnet. Ein daraus morbides Interesse bis hin zu verholener Faszination an der Person Stroops kann da durchaus die Folge sein. Die Darstellung von Nazis als kultivierte, grausame Monster kommt dem jedenfalls entgegen. Dieser amerikanische (TV-)Umgang mit (deutscher) Geschichte ist nicht unproblematisch. Man merkt es, wenn sich die Darsteller in einem (von zwei) Audiokommentar(en) über ihren deutschen Waffenrequisiteur am Set, 'Adolf' unterhalten. Es stellte sich heraus, dass dieser zufällig in der deutschen 'Armee', und auch an der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes beteiligt war. Die Darsteller fanden ihn wirklich nett und seinen derzeitigen Job, eine Ironie der Geschichte. Dass die Kämpfe im Ghetto zuletzt ein Massaker waren und es sich um eine 'Mordexpedition' an zumeist Nichtkämpfenden Zivilisten handelte, verliert sich bei derlei Anekdoten schnell aus den Augen. Ob nun Adolf in der Wehrmacht oder auch SS war. Genauso mit Stroop. Es beginnt schon, wenn man den SS General erstmals sieht, und er über französischen Rotwein philosophiert, sogar französisch spricht. Stroop kam in Wirklichkeit nie über die Volksschule hinaus. Ebenso, wenn er am ersten Tag, mitsamt seinem Schreibtisch(!) ins Ghetto vorrückt und dann auch noch mitten im Granathagel, (selbst von seinem Adjutanten) nicht vom Fleck zu bewegen ist... Stroop wird dadurch zwar nicht sympathisch, aber die Figur versucht die (neuerdings für Nazidarstellungen anscheinend) übliche Faszination am Bösen zu wecken. Was auch der Audiokommentar der Darsteller beweißt, welche die angesprochenen Szenen durchweg ansprechend finden. Aber das hat Stroop nicht verdient. Schon gar nicht angesichts der Opfer die seine Maßnahmen fordern. Es gehört nichts dazu, mit einem Feldgeschütz, Haus um Haus aus sicherer Entfernung zusammenschießen zu lassen. Wenigstens das wird im Film gezeigt. Stroop war in der Realität ein grausamer und dabei einfach banaler Charakter: Als er zusammen getriebene Juden auf dem Sammelplatz, bereit zum Transport nach Treblinka, besuchte, sah er einmal ein hübsches junges Mädchen, dass sein Interesse weckte. Er verlangt, dass sie sich auszieht. Nachdem er sie so sieht, nach etwas Gelächter und dem Spiel überdrüssig, meint er zu seinen umstehenden SS-Schergen: "So können wir sie natürlich nicht laufen lassen. Erschießen sie sie!" Noch während er sich abwendet wird die junge Frau davon geführt und in den Hinterkopf geschossen. Und auch die Antwort Stroops auf die Frage, wie mit kleinen Kindern umgegangen werden solle, die seinen Soldaten in die Hände fallen: "Packt sie an den Füßen und schlagt sie mit dem Kopf an die Wand" zeigt den wahren Stroop, dessen einzige 'Leistung' es war "... nachweislich 56.065 Juden zu erfassen beziehungsweise nachweislich zu vernichten. Dieser Zahl hinzuzusetzen sind noch die Juden, die durch Sprengungen, Brände und so weiter ums Leben gekommen ... Alles, was an Gebäuden und sonst vorhanden war, ist vernichtet." Das war die SS, das war Jürgen Stroop. Beides hatte nichts Faszinierendes an sich.
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