Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
66 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Illusionsloses und kompromissloses Kammerspiel, 25. Juli 2002
Auf Grund der furiosen Presse, die sich hauptsächlich mit den Fakten der "nackten Tatsachen" auseinandersetzte, ließ sich möglicherweise ein Großteil des Publikums in die jeweils falsche Richtung locken. Übrig bleibt ein kompromissloses Werk, das in nüchterner und illusionsloser Weise erzählt, das ein gesuchtes sexuelles Abenteuer (nur sexuell?) lediglich ein Abenteuer bleiben kann, wenn die Spielregeln eingehalten werden. Zwei so unterschiedlich geführte Protagonisten, mit so unterschiedlichen Konsequenzen aus ähnlichen Lebenserfahrungen, treffen sich, um das miteinander zu machen, was im gewöhnlichen Ehegatter oft nicht mehr lustvoll möglich scheint: Sex. Das auch das in einer Katastrophe endet, weil der Mensch das Subjekt seiner Begierde besitzen möchte, liegt nahe. Der Film führt in scheinbar moralische Zwickmühlen. Das ist sein Atem und gleichzeitig sein Reiz und seine Ausweglosigkeit. Wer hier moralisch ansetzen will, einen lustvollen Kunstporno sehen will, oder das Heil in obszöner Promiskuität finden will, der wird mit diesem Film nicht glücklich. Wer sich jedoch fern der bürgerlichen Wertvorstellungen noch berühren lassen kann, sich hingebungsvoll auf die Suche nach Erfüllung der beiden Hauptfiguren einlassen will, der bleibt erst einmal atemlos und ein wenig verstört zurück. Da bleibt bestenfalls ein Mut zur Ratlosigkeit.
|
|
|
50 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erschreckend ehrlicher wahrhaftiger Film ..., 9. Februar 2007
... der nichts beschönigt, sondern die Dinge auf den Punkt bringt: Die wöchentlichen Treffen, zu denen sich eine spontane sexuelle Begegnung von Jay und Claire entwickelt hat, diese wöchentlichen Treffen SIND bereits der Gipfel der Intimität, zu der die beiden Protagonisten dieses schonungslos inszenierten Gefühlsdramas fähig sind. Dass der Sex relativ direkt gezeigt wird (wobei genitale Details weitgehend im Dunkel der sich besinnungslos ineinander verschlingenden Körper verborgen bleiben, ich also das "skandalöse" dieses Films beim besten Willen nicht nachvollziehen kann) entspricht seiner Wertigkeit im Kontakt zwischen Jay und Claire. Beide sind sich der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst und geraten so mehr und mehr in einen Sog der Ereignisse, wobei Jay immer deutlicher spürt, dass er sich - obwohl er Jahre zuvor Frau und Kinder verlassen hatte - durchaus nach einer festeren Beziehung und mehr Verbindlichkeit sehnt, während Claire immer mehr erkennen lässt, dass sie - obwohl in Ehe und Familie lebend - im Grunde bindungsunfähiger ist als er.
In vielen kleinen Szenen zeigt sich beiden, dass sie der Größe ihrer Leidenschaft seelisch nicht gewachsen sind. Jay wertet ihre Besuche im Gespräch mit seinem Angestellten Ian ab, kann seiner Frau nicht in die Augen schauen, als er ihr die gemeinsamen Kinder nach einem Besuch wieder bringt - man spürt in ihrem Blick das nackte Unverständnis darüber, dass er sie verlassen hat und auch die Liebe, die einmal war - während Claire versucht, sich an dem festzuhalten, was sie meint zu haben, ihrer unglücklichen Ehe mit dem tumben aber sie vergötternden Taxifahrer Andy, ihren Theaterkursen und den Auftritten im Hinterzimmer einer Vorstadtkneipe, bei denen ihr mangelndes Talent um so schmerzhafter bewusst wird.
In einer Nebenrolle ist übrigens die unvergessene Marianne Faithfull als Betty, eine Freundin von Claire zu sehen.
Fazit: Dieser Film ist nicht schön wie eine geschmackvoll geschminkte Frau schön ist. Er ist eher kraftvoll, wie ein Vulkanausbruch, der ein Dorf verschlingt. Allerdings sind für meinen Geschmack ein wenig zu viele kaputte Leute in die Handlung eingebaut worden (z.B. Victor, der Freund von Jay), so dass ich für überzogenen Pessimismus einen Stern abziehe, den Film aber an sich für bis ins Detail authentisch halte.
|
|
|
27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ewig Suchender trifft Lebenshungrige, 1. August 2007
Der Barkeeper Jay erhält jeden Mittwoch Besuch von einer Unbekannten. Sie bleibt für ein paar Stunden leidenschaftlichen Sex und verschwindet wieder. Die beiden wissen nichts voneinander und reden kaum, bis Jay eines Tages Claire heimlich folgt, um mehr über ihr Leben zu erfahren. Er findet heraus, dass sie regelmäßig in einem Pub Theater spielt, verheiratet ist und Kinder hat. Auch Jay war einmal verheiratet und hat Kinder. In Rückblenden und Gesprächen mit dem Barkeeper Ian erfährt der Zuschauer, dass Jay eines Tages seine Familie verlassen hat, einfach so, ohne tiefere Gründe anzugeben.
"Ich dachte, du wüsstest etwas, das ich nicht weiß, und du würdest es mir irgendwann sagen" begründet Jay den Reiz, den Claire auf ihn ausübt, und formuliert damit gleichsam die Erwartung, die er - unbewusst - an diese Beziehung stellt. Jay ist der "ewig Suchende" , der sich im Grunde zutiefst nach mehr Nähe und Verbindlichkeit sehnt, aber nicht wirklich imstande ist, seine eigenen Ansprüche einzulösen, wie sich am Scheitern seiner Ehe zeigt.
Claire hingegen lebt in einer alltagstauglichen Verbindung. Mit einem Mann, der ihr treu ergeben und sehr fürsorglich, aber leider hochgradig unerotisch ist. Sie weiß genau, was sie von Jay will: "Er weiß seine Energien zu nutzen" erläutert sie ihrer besten Freundin seine Vorzüge. Für Claire war daher die Welt in Ordnung, solange sie Jay treffen und seinen Körper genießen konnte - ein freizügiges Geben und Nehmen ohne Forderungen, etwas anderes wollte sie nicht von Jay.
Indem Jay Claire folgt, um ihr "Geheimnis" zu ergründen, verletzt er die unausgesprochenen Spielregeln der beiden und zerstört letztlich das filigrane Gewebe dieser Beziehung.
Intimacy ist eine sparsame, aber sehr präzise und realistische Charakterzeichnung zweier Menschen, die mittels ihrer erotischer Treffen einmal wöchentlich der Tristesse des Großstadtlebens entfliehen - zumindest für eine Weile.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|