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Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt
 
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Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt (Broschiert)

von Georg Klauda (Autor)
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 168 Seiten
  • Verlag: Männerschwarm; Auflage: 1 (September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3939542342
  • ISBN-13: 978-3939542346
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 13,4 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 406.630 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung Homosexueller immer wieder in den Blickpunkt der westlichen Medien, die solche Vorfälle gern als Zeichen kultureller Rückständigkeit interpretieren. Einige Bundesländer schlugen deshalb vor, Muslime im Einbürgerungsverfahren nach ihrer Einstellung zu Homosexuellen zu befragen. Zeigen sich deklassierte Halbstarke aus Migrantenfamilien aggressiv gegenüber Schwulen, werden reflexhaft religiöse Motive unterstellt.Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des Orient noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des aufgeklärten Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll.Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.Anhand zahlreicher historischer und aktueller Quellen belegt der Autor, dass die Schwulenverfolgung in Ländern wie Iran und Ägypten weniger das Relikt einer vormodernen Vergangenheit ist. Vielmehr handelt es sich um das Resultat einer gewaltsamen Angleichung an die Denkformen ihrer ehemaligen Kolonialherren, die Homosexuelle im Prozess der Modernisierung erstmals identifiziert, benannt und zum Objekt staatlichen Handelns gemacht haben. Homophobie ist eine Erfindung des christlichen Westens, die im Zuge der Globalisierung in die entlegensten Winkel dieser Welt exportiert wird.


Über den Autor

Georg Klauda, geb. 1974 in der Nähe von Bamberg, studierte Soziologie, Neuere Geschichte und Linguistik in Erlangen und Berlin. In den 90er Jahren engagierte er sich als Schwulenreferent im AStA der Freien Universität und beteiligte sich an der Gründung der Zeitschrift „Gigi“. Heute publiziert der Diplomsoziologe in Zeitschriften wie „Phase 2“, „Arranca“, „Inamo“ und „MRZine“ über Themen wie Homophobie, Rassismus und Islamophobie.

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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, 12. November 2008
Von Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 10 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Ein kluges Buch hat da der Autor Georg Klauda geschrieben, denn es geht hier um nichts anderes als verbaute Flucht in die elysischen Gefilde der islamischen Welt zu Zeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts - alles in Verbindung mit der heutigen Situation in der islamischen Welt, wo immer noch Menschenrechte und die Rechte von Minderheiten mit den Füßen getreten werden.


Es ist erschreckend mit anzusehen, wie schnell sich die Zeiten ändern und die Einstellung der Menschen in den verschiedensten Staaten immer intoleranter wird. Das Buch von Georg Klauda zeigt den Widerspruch in der Literatur des Abend-/ und Morgenlandes dazu auf, zeiht vergleichende Schlüsse und offenbart uns mit akribisch geschrieben Details die Situation in der heutigen islamischen Welt - so ganz und gar nicht mehr offen und Freigeistig.

Der historische Anteil an der Geschichte ist ganz immens und es zeigt sich immer wieder, dass selbst im Deutschland von Heute die Fesseln der Heteronormalität nicht gänzlich abgelegt werden konnten.

Ein echter Lichtblick ist und bleibt die klassische arabische Liebeslyrik - welche leider heute nicht mehr anzutreffen ist.

Sehr empfehlenswert!
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6 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Sehr einseitig, 15. April 2009
Der Autor dieses Buches ist erfüllt von einer romantischen Liebe zu allem orientalischen und muslimischen, und gleichzeitig von einer tiefen Abneigung gegen alles Westliche und moderne. In dieser Antimodernen Haltung gleicht er Michel Foucault, auf dessen Vorbild er sich ausdrücklich beruft. Klauda ist sich dabei der erkenntnistheoretischen Fragwürdigkeit von Foucaults höchst umstrittenen Theorien durchaus bewusst (s. S. 11f.), übergeht diese Problematik aber, indem er auf das Verständnis, dass Menschen in ihrer Zeit von ihren Handlungen und Gefühlen hatten", verweist, dass seiner Meinung nach offenbar höher wiegt, als das, was objektiv passiert ist. Der daraus resultierende Relativismus zeigt sich an vielen Stellen des Buches, z.B. zitiert Klauda Foucault: Das Ausmaß an Freiheit zwischen einem System und einem anderen zu messen hat, glaube ich, nicht viel Sinn. Und man erkennt nicht, welche Art von Messung oder Maß man anwenden könnte:" (S. 102) Demnach gibt es also keinen Maßstab, um festzustellen, wo mehr Freiheit herrscht: im Afghanistan der Taliban oder in Mitteleuropa. Von John Locke und seiner Begründung der bürgerlichen Freiheiten aus dem Gesellschaftsvertrag der Bürger hat Foucault (und mit ihm Georg Klauda) offenbar noch nie gehört.

Dder Autor nimmt eine Reihe ziemlich willkürlich wirkender Texte von Europäischen Orientreisenden aus dem 18. und 19. Jahrhundert und einige ziemlich kitschige Verse arabischer Dichter als Basis für seine These von der allgemeinen Akzeptiertheit der Homosexualität in muslimisch geprägten Gesellschaften, der er die ebenso allgemeine, tief in ihrem Wesen verankerte Homophobie der westliche Kultur gegenüber stellt, die angeblich durch Kolonialherren" (Wer soll das gewesen sein? Iran und Saudi-Arabien, als besonders repressive Länder, waren niemals Kolonien irgendeiner westlichen Macht) in die islamische Welt exportiert wurde. Das Verfahren gleicht dem Foucaults, dem allerdings inzwischen nachgewiesen wurde, dass ein Großteil seiner Rekonstruktionen der Geschichte schlicht falsch sind (s. Richard F. Hamilton, The Social Misconstruction of Reality).

Klauda weiß natürlich, dass Homosexualität schon im Koran an vielen Stellen verurteilt wird und das islamische Recht von Anfang an scharfe Strafen dafür vorgesehen hat, allerdings führt er dies auf offenkundige Einflüsse aus dem oströmischen (christlichen) Reich zurück, die durch Konvertiten in den seinem Wesen nach schwulenfreundlichen Islam drangen und in erster Linie als Vorwand dienten, um politische Gegner ausschalten zu können. All dies bleiben natürlich Vermutungen, die der Autor aus Büchern der ihm ideologisch nahestehenden Queer Theory" (die sich im Wesentlichen genau wie Klauda auf Foucault beruft) übernimmt.

Ein weiterer Punkt, der Nach Klauda zur praktischen Akzeptanz der Homosexualität im Islam beiträgt, sind die strengen Prozessvorschriften der Scharia, die eine Verurteilung wegen homosexuellem Verkehr nur zulassen, wenn entweder vier Tatzeugen existieren, oder ein Geständnis vorliegt, wodurch Verurteilungen erschwert werden. In diesem Zusammenhang wirft der Autor den iranischen Mullahs vor, sich moderner kriminologischer Methoden bedienen (die eine Verurteilung wahrscheinlicher machen), um dann mit deren Ergebnissen Urteile auf der Basis der Scharia zu fällen, gewissermaßen ihre Verwestlichung, die zu verstärkter Homosexuellenverfolgung führt, vor. Eine besonders bizarre Bemerkung ist wohl diese: Wurden zwischen 1983 und 1985 allerdings auch hunderte von sudanischen Männern und Frauen wegen Zina (Unzucht) ausgepeitscht, ist bis heute kein einziges Urteil wegen liwat (Analverkehr) bekannt." (S. 38) Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Klauda dies als positiv empfindet.

Erstaunlich auch bei einem Buch, dass sich so intensiv mit der Genese von Homosexualität beschäftigt, dass Klauda in keinster Weise auf die Ergebnisse der modernen Biologie und Medizin eingeht, die grade in diesem Bereich ja erheblich zum besseren Verständnis beigetragen haben. Aber wahrscheinlich würde er das als unangemessenen Objektivismus" verstehen. Ähnliches gilt auch für das von Klauda praktisch allen Heterosexuellen unterstellte verdrängte gleichgeschlechtliche Verlangen", in dem er die Ursache für Homophobie zu erkennen meint.

Da es nach Foucault (und anderen Postmodernisten) keine erkennbare objektive Realität gibt und der Bereich des Erkennbaren lediglich aus Texten (Diskursen") besteht, ist es natürlich in gewisser Weise konsequent, aus irgendwelchen Texten weitgehende Schlüsse zu ziehen, allerdings gerät das ganze mitunter höchst unplausibel. So etwa, wenn Klauda aus einer Statistik, nach der zwischen 1980 und 1996 die Anzahl von Jugendlichen, die sexuelle Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht sammeln, von zehn auf fünf Prozent zurückgegangen ist, schließt, dass es unter ihnen eine gesteigerte Überwachung des eigenen Verhaltens im Dienste eines strikten heterosexuellen Identitätsmanagements" (was immer man sich darunter vorzustellen hat) gegeben habe. Auf den näher liegenden Gedanken, dass sich in dieser Zeit gesellschaftliche Veränderungen gegeben haben könnte, die den Umgang mit dem anderen Geschlecht erleichtern und daher weniger homosexuelle Ersatzhandlungen erforderlich machen, kommt Klauda nicht.

Alles in allem ein eher ärgerliches als aufklärendes Buch, in dem aus jeder Zeile die ideologische Position des Autors spricht. Erschwert wird die Lektüre durch den unsäglichen Foucault-Jargon, dessen sich der Autor bedient. Da ist ständig von Diskursen und Konstruktionen und Projektionen die Rede, z.B. von der diskursiven Rekonstruktion gleichgeschlechtlicher Liebe", von Diskursifizierung" usw.

Es verwundert schon ein wenig, dass ein Text von solch zweifelhafter Wissenschaftlichkeit als soziologische Diplomarbeit an einer deutschen Universität angenommen worden sein soll.

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