Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Voll begeistert mit der ganzen Familie, 25. Dezember 2004
Ich hatte schon im Sommer 2004 Gerüchte gehört, dass eine Hörspielversion des 500 Jahre alten, 4845 Achtzeiler und einige hundert Personen umfassenden italienischen Wahnsinnswerkes "Orlando furioso" ("Der - vor Eifersucht - rasende Roland")kommt.Meine Befürchtung war, dass sie entweder literarisch abgehoben oder wagnerianisch-pathetisch wie die letzten gereimten deutschen Übersetzungen und die berühmten Doré-Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert ausfallen würde. Nichts davon! Die mir just zu Weihnachten vorliegenden 5 CDs machen schon von außen einen so tollen Eindruck, dass ich sie augenblicklich ins Herz geschlossen habe. 40 Schauspieler als Sprecher! Merek Becker, Lamprecht, Traugott Buhre ... Und dann die voll auf dem Punkt sitzende Ankündigung (Zitat von der CD-Hülle:) "Der Stoff, aus dem der 'Herr der Ringe' geschmiedet wurde" (SIC!) Ebenso liebevoll gestaltet auch die Innenseiten. Hier jedoch ein großer, wenn auch produktionstechnisch verständlicher Kritikpunkt. Das an sich hübsch gemachte und informative Beiheft ist aufgrund der winzigen Grafikerschriftgröße leider nur mit der Lupe lesbar. Aber dann die ersten Hörproben (sehr gespannt, aber auch ein wenig zagend, denn immerhin habe ich selbst zwei Jahre lang Tag für Tag an der ersten deutschen Prosaübertragung dieses gewaltigen Stoffes gearbeitet, die dann im Sommer 2002 als umfangreicher Roman erschienen ist). Wie würde eine Institution wie der WDR mit dem vor Eifersucht wahnsinnig werdenden Basis-Rambo Orlando, dazu Zauberern, angeketteten nackten Jungfrauen, Hippogryphen, Orcas, Mondfahrten von Rittern mit einem Raumschiff aus dem Alten Testament, einem Dutzend blonder (!) Prinzessinnen, mehr Hauptpersonen als in einer Vorabend-Soap und der ganzen damals bekannten Welt von Frankreich bis Damaskus, China bis Island und von Skandinavien bis zum Paradies-Berg südlich der Sahara als Schauplätzen umgehen? Die Antwort: Hervorragend! Super! Ich umarme euch! Schöner und begeisternder kann man es nicht machen! (Nebenbei: einige Kritiker werden wieder an der "historischen Wahrheit" der Geschichte zu mäkeln haben, weil Paris nie die Hauptstadt Karls des Grossen war usw. Vergessen wir's!) Insgesamt: Ich bin glücklich, diese Höspiel-Stunden erleben zu dürfen. Auch wenn sie anders aufgebaut sind und der Urstoff viel mehr gestrafft und gekürzt werden mußte als bei einer möglichst quellengetreuen Romanversion, weiss ich, wie viel Begeisterung, Liebe zum Deteil und letztlich Arbeit von allen Beteiligten (die man hier gar nicht einzeln lobend erwähnen kann)nötig ist, um ein so wunderbares Ergebnis zu erzielen. Nochmals: 5 Sterne für einen Meilenstein! PS Einer der vielen wohl durchdachten Einfälle bei dieser Produktion ist für mich z.B. die Besetzung von Friedhelm Brebeck als Berichterstatter im großen Krieg zwischen Christen und Sarazenen (Mohammedanern) vor dem eingeschlossenen Paris. Sehr gut, erinnert sofort an die wunderbaren, schon legenden Hörbilder von Radio Tyros im SFB.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine der ältesten Phantasiesagen der Kulturgeschichte, 17. Januar 2005
Eine grandiose Rittersaga zur Zeit Kaiser Karl des Großen, mit unverkennbaren Anleihen aus dem Mythenstoff der Griechen, den Märchen der Völker und dem historischen Stoff der Zeit um das Krönungsjahr Kaiser Karls. Orlando Furioso, ein furioses Abenteuer von Ludovico Ariosto.Die Handlung ist schnell erzählt aber der Rahmen sprengt dann doch den vorhandenen Platz. Orlando Furioso ist ein Ritter im Gefolge Kaiser Karl des Großen, manchmal ist er aber auch auf Abwegen, meistens wegen der Liebe. Die Sarazenen stehen vor den Toren Europas, in Paris tobt eine Schlacht und die Helden kämpfen gegen Drachen, Zauberer, Magier und Hexen. Das geflügelte Pferd der griechischen Mythologie ist ebenso mit von der Partie wie Zauberringe die unsichtbar machen und Schwerter die alles schneiden, was sich ihnen in den Weg stellt. Diese phantastisch märchenhafte Welt wurde aufwendig vertont, welches dem Edelmut und der Rittertreue nur zu Gute kommt, italienische Renaissance Versatzstücke werden ebenso eingeschmolzen, wie China (das Cathay) zum Handlungsort wird. Der Glkauibenskampf und die Liebessehnsucht paaren sich hier in unverkennbarer Weise zu einem der grandiosesten Epen der Kulturgeschichte. 46 Gesänge wurden bearbeitet und verdichtet zu sechs Gesängen in fünf Teilen. 15 Lieder aus dem Sagenstoff der Umgebung von „Orlando Furioso" wurden eingeflochten und ergeben ein harmonisches Gesamtbild. Wie ein Troubadour der alten Zeit versuchen die Erzähler den Stoff erzählerisch wiederzugeben, was an und für sich gut gelungen ist, mit Ausnahme der „Radiomoderatorstimme", welche ein wenig gewöhnungsbedürftig scheint. Mit sehr viel Liebe zu Detail wurde hier ein Sagenstoff vertont, welches seines Gleichen sucht. Unzählige Mitarbeiter, Sprecher, Sänger und das Regieteam haben ein wirklich beeindruckendes Werk erschaffen, welches mit Teils auch modernen Mitteln, einen Sagenstoff hörbar und zum Erlebnis machte. Den CD's muß genau gefolgt werden, beiläufig ist das Werk nicht geeignet zum Hören und im Hintergrund kann es ebenfalls nicht laufen, dazu ist der Stoff zu aufwendig vertont und inszeniert. Ein Genuß für denjenigen, welches sich Zeit nimmt das abendländische Epos zu hören, aus dem alle großen Phantasiesagen hervorgegangen zu sein scheinen. Orlando Furioso - ein Ritter ohne Furcht und Tadel, ein bewundernswertes Stück von Ludovico Ariosto.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ungewöhnlich, gewöhnungsbedürftig... aber gut! , 21. Dezember 2008
Diese Umsetzung von Ariost' ORLANDO FURIOSO als Hörspiel mit modernen Einsätzen ist sicherlich nicht jedermanns Sache - auch wenn man in der Werbung den durchaus nicht abwegigen Vergleich zum "Herrn Der Ringe" heranzieht.
Tatsache ist jedenfalls: viele Elemente, die Fans moderner Fantasy bekannt vorkommen finden sich bereits in diesem 500 Jahre alten Epos. Egal ob Drachen, Hippogryphen, magische Waffen, verhexte Schlösser, Geister, der Schöpfer Ariost ging in die Vollen und zog alle Register. Ich denke zwar, dass es noch eine ganze Menge weitere Quellen gibt, aus denen sich die heutige Fantasy speist, aber immerhin: ORLANDO FURIOSO ist ein schönes Beispiel dafür, das weder Tolkien noch Gary Gygax die meisten Fantasy-Klischees erfunden haben (was beide allerdings auch nie behauptet haben).
Die Neubearbeitung ist definitiv mit großem Aufwand betrieben und zeigt viele Ideen, ist allerdings ohne wenn und aber anstrengend. Die Erzählperspektive und der Standort wechselt häufig, viele Nebenhandlungen sind vorhanden, die vielen Namen tun noch ihr übriges, um den Hören anfangs regelrecht zu stressen. So mal nebenbei kann man dieses Werk sicherlich nicht konsumieren - ORLANDO FURIOSO will die ganze uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Die Epen der damaligen Zeit waren eben anders aufgebaut als heutige Geschichten, und verlangten vom Hörer ein hohes Maß an Konzentration.
Wer also erwartet eine gradlinige Geschichte ohne wesentliche Verästelungen zu hören der sei vor diesem Werk gewarnt: er wird sicherlich mit ORLANDO FURIOSO nicht glücklich.
Die Struktur des Ganzen ist ebenfalls ungewöhnlich: moderne Soundpassagen mit Nachrichtensprechern und Sportkommentatoren finden ebenso ihren Platz wie die Verwendung von Diktiergeräten und ähnlichen Effekten. Das kann man gut finden oder nicht - aber es gibt dieser Version des ORLANDO ein ganz eigens Flair.
Im Endeffekt dürfte diese Version wie eingangs erwähnt ganz sicher nicht jedermanns Sache sein. Sie ist unkonventionell, weder traditionell noch um jeden Preis modern inszeniert, sondern schlichtweg sehr eigen.
Gerade das macht sie aber auch spannend und interessant - sie fordert vom Hörer viel Aufmerksamkeit, ist aber auch mit großer Aufmerksamkeit konzipiert worden.
Die Macher haben ohne jeden Zweifel viel Arbeit in diese Version gesteckt und sich definitiv etwas einfallen lassen, und wer sich auf dieses ungewöhnliche Werk einlässt wird zumindest ein Hörspielerlebnis haben, was weitab von aller Dutzendware liegt. Ganz im Gegenteil: egal wie man diese Version finden mag, ich denke jeder wird sich einig sein das sie zumindest SEHR eigenständig ist.
Mir selbst hat dieser ungewöhnliche Trip in die mitunter sehr durchgeknallte Welt des Ariost jedenfalls gut gefallen!
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