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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Dokumentarisches und Fiktionales aus der Exilantenszene, 15. Juli 1999
Von Ein Kunde
„Hitler in Hollywood" ist eine Roman, der sehr geschickt dokumentarische Elemente mit fiktionalen verknüpft. Es geht darin um die Figur des Georg Kupfer, einst Boheme in München-Schwabing, später verwickelt in die Wirren der Münchner Räterepublik, Häftling und Exilant. Er ist ein begnadeter Erzähler, von den etablierten Literaten nicht als einer ihresgleichen angesehen, aber akzeptiert als genialer Unterhalter. Im Exil in den Vereinigten Staaten arbeitet er als „Punchliner", als Lieferant für witzige Dialoge und Pointen in Hollywood. Hier gerät er ins Visier der Geheimdienste, soll als Agent und Killer angeworben werden. Vor dem Hintergrund der erfundenen Figur Kupfer macht es viel Freude, dem Strang der Erzählung um die deutsche Exilantenszene an der Westküste der USA zu folgen: Thomas Mann und Lion Feuchtwanger treten auf, Oskar Maria Graf und natürlich Bertolt Brecht. Verbürgte Geschehnisse sind hier verarbeitet, aber auch Klatsch und Tratsch und fingierte Szenen. Daß der Plan, ein Attentat auf Hitler zu verüben, bei den Intellektuellen zuerst auf Interesse stößt, später aber niemand mehr mit von der Partie sein will, spiegelt die Schwierigkeiten der geflüchteten Autoren und Künstler wider, mit einer Stimme zu sprechen. Eine andere Ebene des Romans ist die der Verlagsszene der 90er Jahre, welche die Rahmenhandlung liefert: Eine deutsche Lektorin flüchtet vor der Arbeit im Büro in eine aufregende, aber auch langwierige Recherche in die USA. Sie sucht nach dem sogenannten „Idealmanuskript" des Bert Brecht, das er für den Film „Hangmen Also Die" geschrieben haben soll. Bei dieser Suche stößt sie auf die Georg Kupfer und findet einiges heraus, an das sie zu Beginn nicht im Traum gedacht hat. Das Buch von Jürgen Alberts ist ein intelligenter Spaß, besonders für Freunde und Kenner der deutschen Literaturszene der Weimarer Zeit und des Exils. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5.0 von 5 Sternen
Falscher Titel, falscher Anreisser, schwer zu fassen, 22. Juni 2007
Dieses Buch ist ein Zufall. Als Bremer kenne ich natürlich seine Bremenkrimis und als die Stadtbücherei im Rahmen einer Ausmusterung "Hitler in Hollywood" für 33ct anbot, habe ich unbesehen zugeschlagen (gebundene Ausgabe, ungelesen, schönes Papier)...
Er fängt so an wie Romane anfangen die man weglegt, der Klappentext gibt nichts her und der Titel...
Es ist ein gut geschriebener Roman, intelligent, klug gestaltet und sogar spannend. Natürlich mit Sex (ohne Schmuddel, sehr geschickt für einen männlichen Schreiber), was ich in diesem Fall mochte, mit der Erwähnung des Anarchisten Mühsam, sehr sympathisch, und einer, find ich, tollen empathischen Beschreibung, besser tollen Beschreibungen, einerseits der deutschen Literatenkolonie in den USA, der "Boheme" der Weimarer Republik und nicht zuletzt des Literaturbetriebs in der Jetzt-BRD. Alberts zeichnet seine Figuren mit viel Sympathie und ohne den aus anderen seiner Romane aufscheinenden moralischen Zeigefinger. Das Buch ist zehn Jahre alt und man kriegt es für wenig Geld in einer guten Ausgabe. Es ist lesenswert, man lernt nicht unbedingt was aber kann das Gefühl gewinnen, etwas gelernt zu haben. Bei mir gibt es 5 Sterne wenn ein Roman unterhält, nicht trivial ist und meinen Intellekt kitzelt. Auch jetzt wüsst ich keinen Titel, keinen Klappentext, nichts was den Autor populärer machen würde.
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