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Geschlecht und Charakter. Sonderausgabe: Eine prinzipielle Untersuchung
 
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Geschlecht und Charakter. Sonderausgabe: Eine prinzipielle Untersuchung (Gebundene Ausgabe)

von Otto Weininger (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 667 Seiten
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin; Auflage: Nachdruck d. 1. A. Wien 1903. (1980)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3882213124
  • ISBN-13: 978-3882213126
  • Größe und/oder Gewicht: 21,7 x 13,2 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 291.362 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Geschlecht und Charakter
OA 1903 Form Sachbuch Bereich Sexualpsychologie
Mit Geschlecht und Charakter über die Psychologie der Geschlechter entwickelt Otto Weininger biologistische, romantische und psychologische Ideen seiner Zeit weiter. Die von ihm entworfene Karikatur der Frau bzw. des Juden entspricht einigen Tendenzen der zeitgenössischen wissenschaftlichen, philosophischen und literarischen Strömung.
Inhalt: Weininger stellt die Theorie der psychisch-physischen Bisexualität des Menschen auf. Jeder und jede Einzelne nimmt eine Zwischenstufe zwischen den idealtypischen Polen »Mann« (M) und »Weib« (W) ein (im Sinne der platonischen Ideen). Alle werden nach einem mathematisch formulierten »Gesetz der sexuellen Anziehung« von ihrem »Komplement« angezogen: Ein Mann mit der Gleichung 3/4 M + 1/4 W sucht eine Frau mit der Gleichung 3/4 W +1/4 M (männliche Frauen werden von weiblichen Männern angezogen, männliche Männer von weiblichen Frauen, usw.).
Im ersten Teil seines Werks begründet Weininger seine Psychologie auf dem psycho-physischen Parallelismus: Die Sexualität präge sämtliche Teile des Körpers wie auch der Psyche. Daraus leitet Weininger eine Theorie der Homosexualität ab, die seiner Ansicht nach angeboren sei und einen Sonderfall der menschlichen Bisexualität darstelle; beim Homosexuellen seien die »normalen« Anteile an M und W vertauscht. Dem Weib ordnet Weininger den Trieb, dem Mann den Geist zu; die höchste Erscheinungsform des Männlichen sei das Genie, während die Frau aus biologischen Gründen zu keiner geistigen Orientierung oder schöpferischen Produktivität fähig sei.
Im zweiten Teil seines Werks setzt Weininger sein dualistisches Denken fort, indem er die Bipolarität von Wahrheit und Falschheit, Gut und Böse, Gott und Teufel, Heiligem und Verbrecher, Mutter und Prostitutierter, anführt. Diese Pole führt er ebenso bei den Geschlechtern sowie bei den menschlichen Rassen der Arier und Juden an. Weininger bezeichnet die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen, Juden und Nicht-Juden als moralische Pflicht. Die Unterdrückung der Frau werde durch die sexuelle Anbindung des Weibes an den Mann erklärt, sie könne daher nur durch die endgültige Überwindung der männlichen Sexualität beseitigt werden. Weininger wollte mit seinem Werk vor allem vor den Gefahren einer »Verweiblichung« der Kultur seiner Zeit warnen.
Wirkung: Das Werk ist von den Zeitgenossen sehr ernst genommen, von den Gegnern im Detail kritisiert und von vielen Rezensenten mit Lob überhäuft worden. Viele sahen in Weininger den Helden, der ihre innere Unruhe und ihre Revolte verkörperte. Der österreichische Kultur- und Gesellschaftskritiker Karl Kraus (1874 bis 1936) sowie AugustR Strindberg haben das Werk begeistert aufgenommen; es beeinflusste Schriftsteller und Philosophen wie Georg R Trakl und Ludwig R Wittgenstein. Vertreter der wissenschaftlichen Psychologie verrissen es jedoch, so z. B. in einer bibliografischen Zusammenstellung der Veröffentlichungen über die Psychologie der Geschlechter im Psychological Bulletin von 1910. In dem Artikel wird festgestellt, dass Werke wie Geschlecht und Charakter oder Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes von Paul Julius Moebius (1900) überholt seien und dass die moderne Forschung auf diesem Gebiet zu einer soziologischen Erklärung der psychologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau neige.
Die (missverständlichen) Thesen von Weininger dienten als Quelle frauenfeindlicher und antisemitischer Ideologien. Der Philosoph Theodor Lessing (1872–1933) sah in ihm ein Beispiel des sog. jüdischen Selbsthasses (1930). Weiningers Leben und Freitod wurden in dem Theaterstück Weiningers Nacht (1988) von Joshua Sobol (* 1939) und in dem Roman Weiningers Ende (1993) von Miklos Hernádi literarisch gestaltet. B. W. B.

Kurzbeschreibung

Von den beiden Frauentypen, die Weininger unterscheidet, die absolute Mutter und die Hure, ist es in der aktuellen Phase unserer Kultur der zweite, der sich durchsetzt, in einem Grade, daß man ganz folgerichtig den Zeitpunkt vorausahnen kann, zu dem die -Mutter- verschwunden sein und die andere an ihrer Stelle triumphieren wird als die Unfruchtbare, in der die Idee der Mutterschaft erloschen ist. Was hierbei die Lust repräsentiert, ist genau das Gegenteil von dem, was die Mutterschaft repräsentiert. Die vom Mütterlichen befreite Sinnlichkeit. Eine Frau, die sich jedermann ganz -hingibt-, befreit mit einem Schlag die Gesellschaft von zwei Relikten: vom Mann als Vater und von der Frau als Mutter.

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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen In Teilaspekten verblüffende Erkenntnisse eines jungen Genies, 9. Oktober 2006
Es ist nicht zu bestreiten, daß große Teile dieser Arbeit heute angestaubt erscheinen. Weiningers verquaster Antisemitismus ist wohl nur mit dem damaligen Zeitgeist zu erklären und nach Auschwitz schlicht und einfach unerträglich. Seine Charakterisierung der beiden Geschlechter, seine Analyse der Beziehungen zwischen den Geschlechtern ist es bedauerlicherweise nicht.
Für Weininger sind die Mutter und die Hure die beiden Extreme weiblicher Existenz. Für die Mutter ist ihr Kind Lebensinhalt. Ihre Sexualität ist auf eine Schwangerschaft gerichtet. Ist dieses Ziel erreicht und das Kind geboren, verringert sich ihre Libido auf das zur Bindung des Mannes an die Familie erforderliche Mindestmaß. Er wird, wenn überhaupt, nur noch als Versorger benötigt.
Die Postituierte erwirbt sich den Lebensunterhalt durch sexuelle Dienstleistungen, deren der Mann bedarf. Es erscheint aus heutiger Sicht zwar naiv, dass Weininger das mit Interesse der Hure an ihrem Kunden verwechselt, aber die Oberkasse der käuflichen Damen sucht sich ihre Stammkunden durchaus nicht nur nach deren Vermögen aus.
So niederschmetternd diese Aussagen auf Männer wirken: wenn derzeit Eva Hermans "Eva Prinzip" für eine "neue" Weiblichkeit plädiert, ist es die alle Rolle der Frau als Mutter, zu der - das beweisen die Geburtenzahlen -inzwischen immer weniger Frauen bereit sind. Vor hundert Jahren wäre für die meisten Frauen Prostitution die einzig mögliche Alternative gewesen. Heute ist es - noch - die Berufstätigkeit, aus der Frauen jetzt allerdings angesichts der Massenarbeitslosigkeit herausgedrängt werden. Gewiß prostituieren sich in den Bordellen und Clubs hierzulande noch vorwiegend Frauen aus dem ehemaligen Ostblock aus Not. Die klassischen Kurtisanen sind zu Gespielinnen reicher Männer mutiert und werden von Blättern der Society Presse gefeiert. Weiningers Charakterkunde der Geschlechter, so verstaubt sie auf den ersten Blick wirkt, erscheint mir inzwischen zutreffender, als die aufwendigen Gender Studies wissenschaftlicner Institute, die zu ähnlichen Ergebnissen gelangen, sie allerdings politisch korrekter formulieren.
Fazit: Zwei Drittel dieses Werkes sind heute ungenießbar. Das restliche Drittel macht es noch immer lesenswert.
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1 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Sehr interessant, 26. Juli 2005
Ich habe diesen Weininger gelesen, um Jüngers "Marmorklippen" besser zu verstehen, was dadurch auch durchaus gelingt. Gerade die Symbolik der Schlange macht klar, daß Jünger hier Weininger meiner Meinung nach überwindet.

Für jeden philosophisch interessierten ein sehr lesenswertes Buch.

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