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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Bruch mit einem Tabu in Deutschland, 12. Juli 2005
Die Protagonistin befindet sich auf ihrer letzten Reise: unglücklich verliebt und privat gescheitert hat sich Anna das Leben genommen und ihre Seele wandelt durch die Unterwelt. 40 Tage währt die Reise und an jedem einzelnen schreibt sie einen Brief an den Angebeteten.
Die russische Autorin Maria Rybakova, geboren 1973 in Moskau und Enkelin des bekannten Autors Anatolij Rybakow (1911-1998; Die Kinder des Arbat, Roman der Erinnerung), wählt ein weitestgehend tabuisiertes Thema und eine sehr eigenwillige Form der Erzählperspektive für ihr Erstlingswerk, das 2001 im Rowohlt-Verlag erschienen ist. Offen und ohne Einschränkungen wird der Leser dazu aufgefordert, sich mit dem Thema Tod und Sterben eines Menschen auseinander zu setzen. Du lebst - ich bin tot." (S. 232) fasst den Hintergrund des Romans in fünf Worten zusammen.
Zentrales Thema des Briefromans ist neben dem Leben und dem Tod auch die Liebe, hier eine unerwiderte, unglückliche und in ein tödlich endendes Abhängigkeitsverhältnis mündende Liebe der Protagonistin zum Altphilologen und Kommilitonen Wilamowitz. Dieser ist der Adressat ihre Briefe aus dem Reich der Toten, in denen sich Anna erklärt und durch die ihre Seele wohl die letzte Ruhe finden soll. Die Briefe stellen den Versuch dar, mein Leben noch einmal zu leben, indem ich Dir davon erzähle." (S. 84)
Wenngleich nicht Thema des Romans, zeichnet die Autorin mit ihren wenigen Aussagen genaue und kritikbehaftete Bilder von Moskau und den Schwierigkeiten eines neuen Existenzaufbaus in Berlin, der sich zunächst in sprachlichen Problemen äußert und in allgemeine gesellschaftliche Fragestellungen mündet. Scheinbar nebenbei erfährt der Leser somit interessante Details über das Leben in Moskau und das Überleben osteuropäischer Auswanderer in Berlin.
In einem dezenten Tonfall wird das Deutschlandbild der Autorin vermittelt, das leider auch nach 60 Jahren nicht ohne einen Bezug zur politischen Vergangenheit Deutschlands im letzten Jahrhundert auszukommen scheint.
Tiefgründig, wehmütig und teils desillusionierend erzählt die Autorin die Geschichte einer jungen Frau, die sich aus Moskau auf den Weg nach Deutschland macht, um in Berlin ihr Glück zu finden. Sie versucht, im Großstadtdschungel Fuß zu fassen, beginnt Griechisch und Latein zu studieren und knüpft fragwürdige soziale Kontakte, die in erotischen Episoden enden, ohne ansatzweise eine Zukunft in sich zu bergen. Beim genaueren Betrachten der Vita der Autorin kommt man nicht umhin, sich die Frage zu stellen inwiefern hier die eigene Geschichte erzählt wird.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lockrufe aus dem Unendlichen, 5. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Manchmal ist man schon erstaunt, was die Literatur alles bietet. So geht es einem auch bei der Lektüre dieses Buches eines jungen Mädchens aus Russland. Ihr erster Roman ist eine Offenbarung. Briefe sind es aus dem Totenreich, doch voller Leben. Voller Witz, Ironie und auch gespickt mit genauen Beobachtungen des Alltäglichen, z. B. aus dem Berlin von heute. Und ganz nebenbei erhalten wir eine Unterweisung in Geschichte des Altertums, der germanischen Göttersagen und anderem mehr. Auch ist sie neugierig und reiselustig, auch in Gefilde traumhafter Erinnerungen und Sehnsüchte. Ja, kann es denn möglich sein, daß ein junges Mädchen so viel in sich birgt ? Und sie versteht es noch dazu, uns alles irgendwie plausibel zu machen durch ihren grandiosen Stil. Briefe sind es, wie gesagt,aber was für welche! Mehr sei nicht verraten. Doch es geht unter die Haut wie ein Spritze, von kundiger Hand gesetzt. Süchtig wird man nach mehr. Und der Leser und die Leserin dieses phantastischen Buches wird es nicht eher aus der Hand legen, bis es zuende gelesen ist, um es dann wieder herzunehmen und von vorne anzufangen. Denn hier schreibt eine Meisterin, mit einem eigenen Ton, ovid`sche Metamorphosen, sheakespear'sche Gespinste feinster Art in immerwährendem Hin und Her werden sichtbar, kabbalistische Reflektionen zuweilen, daß man schwindelig wird. Eine jugendliche Baba-Jaga, die uns verhext mit unglaublicher Weisheit und Anmut. Die 5 Sterne reichen bei weitem nicht aus, es zu klassifizieren. Verzückung stellt sich ein und das unaussprechliche Maß eines Schwebezustandes, den man Verliebtheit nennen mag. Unbedingt zu empfehlen und: weitersagen !
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
fiktiv und doch so reell, 3. März 2002
Von Ein Kunde
Der Debüt-Roman von Maria Rybakova war für mich eine völlig neue Erfahrung von Literatur. Mich reizte die Liebesgeschichte, die Sehnsüchte einer 21-jährigen nach der großen Liebe. Was mich aber dann doch viel mehr faszinierte war, wie die Autorin das Leben nach dem Tod beschreibt. Jeder kennt die Angst vor dem Tod, wenn man dieses Buch gelesen hat wird das Unvostellbare Leben nach dem Tod so klar und reell. Es ist mit soviel Liebe zum Detail geschrieben, das man denken könnte die Autorin hat das alles schon erlebt....
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