Aus der Amazon.at-Redaktion
Eine mumifizierte Leiche auf dem Coverfoto stimmt auf Schauriges ein. Dürfen wir auf Lust am Gruseln hoffen? Keine Frage. Umso mehr, als es sich bei
Unterirdisches Wien um einen Blick in das geheimnisvoll Untergründige der Sigmund-Freud-Stadt handelt und die Parallele zum dunklen Labyrinth der Wiener Seele nahe liegt. Stets war ja das "Unterirdische" mit Sehnsüchten, Spekulationen und Urängsten besetzt. Dort findet sich aber auch eine spannende Vielfalt von Spuren des Stadtlebens von einst und heute. Von geheimen unterirdischen Flucht- und Verbindungswegen und altrömischen Funden wird ebenso berichtet wie von feuchtfröhlichen Klosterkellern, von Katakomben, Kaisergrüften und Moderdüften, von Kellerkunst und sündigen Bars.
Zur beeindruckenden unterirdischen Infrastruktur der Stadt mit ihren gigantischen Rohrnetzen, Zu- und Ableitungen gehört auch das als Filmdrehort weltberühmt gewordene Wiener Kanalnetz. "Die Rückkehr des Dritten Mannes" heißt eine Show für Touristen in der Kanalisation unter dem Karlsplatz, wo der legendäre Filmheld Harry Lime alias Orson Welles fröhliche Urständ' feiert. Nicht immer ist es im Kanalnetz so glamourös zugegangen. Es gab dort auch Elendsquartiere, Unterwelt-Verstecke und gruselige Schauplätze ungesühnter Verbrechen. Zu den Kuriositäten des Wiener Undergrounds zählen Szenarien wie die gespenstisch in Nylonfolien gehüllten Skulpturmodelle des Gipsdepots in den Kellern der Wiener Hofburg oder das Modell (im Originalmaßstab) eines Kohlebergwerks im Keller des Technischen Museums sowie eine von Kultur-Touristen aus aller Welt bestaunte unterirdische öffentliche WC-Anlage nach Plänen von Adolf Loos. Auch Skurriles aus der Wiener Sagen- und Legendenwelt wird aus der Versenkung geholt: der Basilisk, der liebe Augustin und die Heidenschuss-Helden.
Berndt Anwander versteht es geschickt, mit spannenden Fakten die Fantasie anzuregen. Aus den vielen amüsant und kundig erzählten Details, die mit stimmigen Schwarzweißfotos bebildert sind, entsteht ein "Wienbuch" der anderen Art: Der Blick auf die Stadt aus ungewohnter Perspektive ist für Besucher und Bewohner gleichermaßen reizvoll. --Mathis Zojer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
"Unterirdisches Wien" zeigt die Stadt aus einer völlig ungewohnten Perspektive und beschreibt historische und moderne, bekannte und unbekannte, sagenumwobene und alltägliche Orte im Wiener Untergrund. Der Autor Berndt Anwander führt auf seinen Streifzügen durch die "Unterstadt" in das Innerste der Nationalbibliothek, zu U-Bahn-Baustellen, in Grüfte und Katakomben, in die Kelleranlagen des Burgtheaters und der Staatsoper, zu den Resten des römischen Vindobona, ins neue AKH, in die Hofburg, zu Wasserspeichern und Weinkellern und unter anderem auch zu besagtem Donaudüker, dem Rohrtunnel direkt unterm Donaufluss. Auf der Suche nach Orten von historischer Bedeutung, geheimnisumwobenen Flucht- und Verbindungsgängen oder legendären Filmschauplätzen ist der Autor immer wieder auf neue Geschichten und Anekdoten gestoßen, die er in kurzweiliger Form im Buch wiedergibt. Die eindrucksvollen Fotos von Thomas Reinagl dokumentieren und illustrieren diese ungewöhnlichen Einblicke in Wiens Innenleben.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.