Lespress-Rezension
"G'schichten aus dem Wienerinnenland" oder so ähnlich könnte frau die Sammlung von Texten bezeichnen, die die "Stadtverführerin" in sich vereint. Als lesbische Reiseführerin für Wien angekündigt, verwundert bzw. erfreut die Stärke des Büchleins "Wien lesbisch" anfangs. Denn als Auslandswienerin lästert frau ja doch gern über die Kleinheit der heimischen Szene... Nach einigen Seiten wird aber klar, dass zum einen wiederholte Beschreibungen von Lokalitäten und Lokalgrößen die Seiten füllen, zum anderen eigentliche Zeitschriftenartikel über verschiedene Themen wie die politische Lage, die Auseinandersetzung mit Rassismus oder auch über lesbische Künstlerinnen berichten. Das sehr schön gestaltete Werk der an.schläge - Redaktion, einer der 8 (!) Frauen/Lesbenzeitschriften von Wien, das pünktlich zum Europride herausgekam, ist ein etwas zwiespältiges Produkt geworden: Zum einen vermittelt es zwar Wissenswertes für Touristinnen und einen guten Überblick über Cafés und Veranstaltungen, Gruppen und Initiativen. Zum anderen enthält es aber auch sehr subjektive Perspektiven auf die Szene und viel Tratsch ohne Hintergrundinformationen. Manche Texte (übrigens fast alle von namhaften Schriftstellerinnen und Forscherinnen aus Wien) vermitteln auch Österreicherinnen Neuigkeiten: über die Kriminalisierung von Homosexualität in der Geschichte bis heute (von Gudrun Hauer), Zeugnisse von frauenliebenden Prinzessinnen, Prostituierten und Politikerinnen von anno dazumal (Eva Geber) oder über die klischeehaften Bilder von Wienerinnen in der Lesbenliteratur von 1900 - 1933 (Hanna Hacker). Die oral history über die Anfänge der Lesbenbewegung, Reminiszenzen an ehemalige Lokale und Fotos verschiedenster Demonstrationen dokumentieren die jüngere Geschichte des lesbischen Wien. Deutschsprachige Touristinnen erhalten Einblick in die politische Situation seit der Regierungsbeteiligung der FPÖ 2000 (Ulrike Lunacek) oder das mehr oder weniger alltägliche Szeneleben in Wien (Karin Rick). Angefangen von den Schmankerln (Leckerbissen) unter den Beisln bis zu den Pantscherln (Techtelmechtel) der Hauptakteurinnen erhält frau eine sehr individuelle Einführung in die Wiener Eigenart: Wien IST nun mal anders - und allein deshalb eine Reiseführerin wert.
Michaela Göltl (c) Lespress Verlag
Kurzbeschreibung
Lange erwartet. Oft erträumt. Endlich da! Das feministische Magazin "an.schläge" und der Milena-Verlag verführen alle, die der Versuchung nicht widerstehen wollen, das lesbische Wien kennenzulernen!