Kurzbeschreibung
Durch die Aufhebung der DFB-Zentralvermarktung von Fernsehübertragungen für Europapokalspielen im Jahre 1997 schlug plötzlich die Stunde der Sportrechte-Agenturen. Zwischen Klubs und Vermarktern entwickelte sich eine mittlerweile unverzichtbare Wechselbeziehung: Die Vereine benötigten Gewinnmaximierer und kompetente Marketing-Ratgeber die Vermarkter suchten und fanden durch die Vereine neue Geldquellen. Die Fußball-Bundesliga ließ sich fortan in vier Unterligen splitten. Denn die Vereine kooperierten entweder mit den drei führenden Agenturen Ufa Sports, ISPR, Sport A oder sie verzichteten auf den professionellen Marketing-Partner. Nun stellt sich die Frage, ob die Vermarkter auch Einfluss auf das Spielgeschehen haben können. Wird in der Bundesliga etwa gemauschelt und gekungelt? Steht der Liga etwa ein Skandal ins Haus? Diesen und weiteren Fragen geht dieses Buch nach. Untersucht wurde die Spielzeit 2000/2001 nach der möglichen Einflussnahme der Vermarkter auf die Platzierungen ihrer Vereine in der Abschlusstabelle.
Auszug aus Sportrechte-Vermarkter im Fussball. Geldgeber und Einflussnehmer? von Arnd Krüger, Tim Holzapfel, Björn Bedey. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Einleitung: "Es darf nicht so weit kommen, daß Entscheidungen über den Ausgang der Spiele montags in Gütersloh oder Hamburg statt samstags in den Stadien fallen" äußerte sich der Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, anno 1999 kritisch zum Thema einer möglichen Einflussnahme auf den Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga durch Sportrechte-Vermarkter. Anlass für Hoeneß' Aussage war die damals kursierende Diskussion über die Möglichkeit einer Wettbewerbsverzerrung seitens des Vermarkters Ufa Sports. Am letzten Spieltag der Saison 1998/99 trafen nämlich Hertha BSC Berlin und der Hamburger SV im direkten Duell aufeinander und in beiden Vereinen hatte Ufa Sports Vertreter in den Führungsgremien positioniert. Der Gedanke der Wettbewerbsverzerrung hinsichtlich des Spielausgangs dieser Partie kam auf und warf ein schlechtes Bild auf den hiesigen Fußballsport und den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Deshalb intervenierte dieser mit einem Beiratsbeschluss zur so betitelten "Lex Ufa" um "einen Akt sportpolitischer Hygiene" durchzuführen, so Gerhard Mayer-Vorfelder, damaliger Ligaausschuss-Vorsitzender. Seit diesem Beschluss sind mehr als zwei Jahre vergangen und über eine mögliche Einflussnahme der Sportrechte-Agenturen auf den Spielbetrieb wird nur noch selten debattiert, weil sie in der Öffentlichkeit scheinbar kategorisch ausgeschlossen wird. Doch konnte mit dem Inkrafttreten dieses Beschlusses eine Einflussnahme der verschiedenen Sportrechte-Vermarkter fortan wirklich verhindert werden? Werden vielleicht nicht doch geheime Absprachen an Konferenztischen über Spielausgänge getroffen? Fungieren die Agenturen ausschließlich als Geldgeber bzw. Geldbeschaffer oder üben sie nicht doch vielleicht aktiv Einfluss aus? Gibt es deshalb sogar Grund zur Annahme eines zweiten Bundesligaskandals nach 1971? Mit diesen Fragestellungen setzt sich diese Arbeit auseinander. Ziel ist es anhand der Rückrunde in der Fußball-Bundesligasaison 2000/01 Indizien für mutmaßlich manipulierte Spiele zu finden. Grundlage sind dabei die Partien, in denen Mannschaften, die hinsichtlich der Fernsehrechte für Europapokalspiele mit derselben Vermarktungsagentur in vertraglicher Beziehung stehen, gegeneinander gespielt haben. Dafür werden insgesamt 23 Spiele analysiert und bewertet. Gang der Untersuchung: Zu Beginn der Arbeit wird ein geschichtlicher Abriss der Entwicklung der Vermarktung in der Sportart Fußball gegeben. Einen direkten Bezug dazu hat sowohl die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen Fußballwettbewerbe als auch das Zusammenspiel zwischen Fußball, Fernsehen und Kommerz. Bis 1989 durften die Vereine ihre internationalen Wettbewerbsspiele selbstständig veräußern, anschließend übernahm der DFB stellvertretend für die Klubs die Vermarktung dieser Spiele. Das Bundeskartellamt hatte 1994 fest gestellt, dass der Fußballverband mit der Zentralvermarktung ein wettbewerbswidriges Kartell ausübte. Am 11. Dezember 1997 endete der Rechtsstreit vor dem Bundesgerichtshof. Dem DFB wurde daraufhin die Ausübung dieser praktizierten Form der Vermarktung untersagt. Die Klubs vermarkten ihre Fernsehrechte an Europapokalspielen seitdem wieder selbstständig und arbeiten zunehmend mit Sportrechte-Agenturen zusammen, die den Vereinen in Fragen der Vermarktung mit professionellem Know-how zur Seite stehen. Dieser juristische Hergang wird in Kapitel 3 dokumentiert, dessen Auswirkungen in Kapitel 4 verdeutlicht werden. Ein Exkurs verdeutlicht die Modi der europäischen Vereinswettbewerbe, ehe in Kapitel 6 eine Profil- und Funktionsdarstellung der für die Bundesliga wichtigen Sportrechte-Vermarkter erfolgt. Allen Agenturen gemeinsam ist zwar die Ambition nach finanziellem Profit - dennoch verfolgen sie jeweils unterschiedliche Schwerpunkte in Marketingangelegenheiten. Bevor in Kapitel 9 die Beziehungen zwischen Vereinen und Vermarktern erläutert und die bestehenden Kooperationen aufgezeigt werden, erfolgt die Darstellung der "Lex Ufa" und der Untersuchungsmethode. Die daran anschließende Untersuchung widmet sich ab Kapitel 10 der Darstellung und Analyse von den Rückrundenspielen der Bundesligasaison 2000/01, wenn Mannschaften, die mit derselben Vermarktungsagentur in Verbindung stehen, direkt aufeinander trafen. Anhand der Resultate, Tabellensituationen und Spielverläufe wird abschließend ergründet, ob hinsichtlich der Deutschen Meisterschaft, der Champions League-, UEFA-Cup- und UI-Cup-Qualifikation eine Einflussnahme statt gefunden haben kann. Auch der Abstiegskampf bleibt in dieser Analyse nicht unberücksichtigt. Ob es Anzeichen für mögliche Manipulationsvorwürfe gibt oder ob sich die Rolle der Vermarkter auf die Funktion der Geldgeber und -beschaffer beschränkt, wird Gegenstand der Diskussion am Ende der Arbeit sein. Einen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der vor der Untersuchung geschilderten Themen erhebt diese Arbeit nicht. Die Themenbereiche werden jeweils so zusammen gefasst, dass eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang erfolgen kann. Die geschichtliche Entwicklung des Fernsehens wird wegen ihres Umfangs und ihrer Komplexität auf das Wesentliche komprimiert um sich dem eigentlichen Bestandteil der Arbeit - der Rolle der Vermarkter in der Bundesliga - ausführlich zu widmen. Obwohl die Fans als Konsumenten eine essentielle Grundlage des professionellen Fußballsports darstellen, bleibt ihre Funktion in dieser Untersuchung weitestgehend unberücksichtigt. Der Untersuchungszeitraum der Arbeit bezieht sich auf die Entwicklung bis zum Ende der Saison 2000/01. Eine Beteiligung an etwaigen Spekulationen über einen zukünftigen Fortgang findet nicht statt.